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  • 01.10.2012

Wie er wirklich war

Ein Stück Heimat. Auch drei Exil-Chilenen kamen zum Reed-Treffen. Foto: M. Thomas

Als Sänger und Frauenschwarm unvergessen: Der US-Amerikaner Dean Reed wäre im September 74 Jahre alt geworden. Seine Fans trafen sich in Potsdam

Petra, die ihren vollen Namen nicht nennen will, lernte ihn vor 18 Jahren sogar persönlich kennen. Dean Reed habe für sie in der DDR ein Stück Freiheit verkörpert, sagt die heute 55-Jährige über den US-amerikanischen Sänger, Schauspieler und selbsternannten Kämpfer für Recht und Freiheit, der sich für ein Leben in der DDR entschied. Reed sei immer sehr liebenswürdig und offen gewesen. Bis heute zählt Petra zu seinen Fans.

Mit ihrer Bewunderung ist sie nicht allein. Reed begeisterte die Massen zwar weniger in den USA, dafür aber in Lateinamerika, wo er von 1961 bis 1966 in Chile, Peru und Argentinien auftrat. Wegen kommunistischer Propaganda wurde er 1966 aus Argentinien ausgewiesen. Danach führte ihn sein Weg über die Sowjetunion in die DDR. Auch hier war er erfolgreich als Musiker und Filmheld.

Obwohl sein Stern in den 1980er Jahren im Sinken begriffen war und Filme wie „Sing, Cowboy, sing“ floppten, blieb ihm eine Fangemeinde, die bis heute durchhält. Es genügte, über das Internet zum Treff einzuladen und sich über Ort und Zeit zu einigen, um nach der Wende bereits sechs Treffen zu organisieren. Das jüngste fand am vergangenen Samstag in Potsdam statt, zu Reeds 74. Geburtstag. Deshalb standen auch Kaffee und Kuchen auf den Tischen des Hanns-Eisler-Klubs in der Waldstadt.

Mehr als 40 Fans hatten sich eingefunden – die Damen waren in der Überzahl, was niemanden verwundern kann. Denn der am 22. September 1938 in Denver, Colorado, geborene Sohn eines Lehrers und einer Hausfrau war zu Lebzeiten ein ausgesprochener Frauenschwarm und nutzte das wohl auch weidlich aus. Seine letzte Ehefrau, die Schauspielerin Renate Blume, verfolgte ihn jedenfalls mit ihrer Eifersucht und das führte immer wieder zu Auseinandersetzungen. Nach einem heftigen Streit am 13. Juni 1986 ging er mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt in den Zeuthener See und ertrank. So die offizielle Version. Doch nicht nur Petra bezweifelt den Selbstmord. Sie hält es durchaus für möglich, dass da noch jemand anderes seine Hände im Spiel hatte. Denn Reed habe angedeutet, dass er in die USA zurückwolle. Die Liebe des Amerikaners zum Sozialismus und seiner Wahlheimat DDR war merklich abgekühlt. Der Sänger, der sich in den USA, in Chile und Argentinien immer wieder für Freiheit, soziale Gerechtigkeit und friedliche Völkerverständigung eingesetzt hatte, merkte, dass diese Ideale in der DDR nicht verwirklicht worden waren. Auch im künstlerischen Bereich fand er keine Befriedigung mehr.

„El Cantor“, eine Verfilmung des Lebens von Victor Jara, sei sein bester Film gewesen, sagt die 43-Jährige Nadja, die Reed selbst nicht mehr kennengelernt hat. Sie entdeckte jedoch seine Musik für sich und bedauert es, dass es von den Jara-Liedern keine Plattenaufnahme gibt. Zusammen mit den Tschechen habe er später noch sehr gute Musikaufnahmen gemacht, meint sie, und da habe er auch wieder zu sich selbst gefunden. Für Nadja ist Reed eine politische Leitfigur, die nicht in Vergessenheit geraten sollte.

So sieht es auch die Journalistin und langjährige Betreuerin Reeds, Ingeborg Stehler, die eigens aus Leipzig angereist war. Für die Chilenen María Gonzáles-Cabezas und Luis Gonzáles, die vor Pinochet in die DDR flohen, brachte Reed, der fließend spanisch sprach, ein Stück Heimat mit, unterstützte die Exilgruppe und gab für sie auch Extra-Konzerte. dif

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