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  • 12.02.2015
  • von Jana Haase

SAP-Innovation Center in Potsdam: Das Ideenlabor am Jungfernsee

von Jana Haase

Bereichleister Ingo Brenckmann ist mit seinen 42 Jahren einer der ältesten Mitarbeiter. Foto: M. Thomas

Erfinden mit Methode: Vor einem Jahr eröffnete in Potsdam das Innovation Center des Softwarekonzerns SAP. Ein Besuch.

Potsdam - Zum Beispiel Pizza. Ob das Salz in den Teig, in die Tomatensoße oder über die Pizza kommt, mag für den Bäcker in der heimischen Küche eine reine Geschmacksfrage sein. Für einen großen Tiefkühlpizzaproduzenten sieht das anders aus. Selbst minimale Rezeptänderungen können sich für ihn durchaus kräftig lohnen oder aber viel kosten – schließlich werden die Pizzen dort jeden Tag in sehr hohen Stückzahlen gebacken.

Die Computerexperten im SAP Innovation Center am Jungfernsee wollen dem Unternehmen mit einer speziellen Software helfen, per Mausklick Preistreiber und Einsparpotenzial zu identifizieren. Budgetmanagement nennen die Entwickler dieses Gebiet. „Das sind Anwendungen, die ausrechnen, wie profitabel Verkäufe, Produkte oder Kunden sind“, sagt Ingo Brenckmann. Er ist beim SAP Innovation Center der Bereichsleiter für solche Projekte. Heute vor einem Jahr wurde das Ideenlabor, das 2011 am SAP-Hauptsitz in Walldorf startete, an seinem neuen Standort eröffnet.

140 Computerspezialisten aus 20 Nationen arbeiten am Jungfernsee

Auch Brenckmann ist damals von Walldorf nach Potsdam gewechselt. „Weil das hochspannend ist“, sagt er. Mit seinen 42 Jahren ist er der Drittälteste in dem Glasbau am Jungfernsee, wie er lächelnd anmerkt. Rund 140 Computerspezialisten aus 20 Nationen, darunter Nepal, Brasilien, Australien oder Armenien, arbeiten am Jungfernsee – immer in Kooperation mit Kollegen in Walldorf und anderswo. Brenckmann etwa betreut nicht nur eine Arbeitsgruppe in Potsdam, sondern auch vier Teams in Walldorf und drei weitere im chinesischen Schanghai. Aber dafür muss er nicht immer um den Globus jetten. Er kann die Mitarbeiter auch zur kontinent-überspannenden Konferenz per Videoübertragung an einen Tisch holen.

Wie wird man erfinderisch? Wie bekommt man die entscheidende gute Idee? Wie entwickelt man neue Lösungen für alte Probleme? Im SAP Innovation Center gibt es darauf eine Antwort, dort hat das Erfinden Methode – und die heißt „Design Thinking“. Dabei werden Ideen in ständigem Austausch in der Gruppe entwickelt und schrittweise verfeinert. Ingo Brenckmann spricht auch von „Agiler Software Entwicklung“. Eine ganze Reihe von Techniken gehören zu dieser Arbeitsweise – und auch ein kreatives Arbeitsumfeld. Das Innovation Center wurde dafür vom Stuttgarter Architektenbüro Scope maßgeschneidert.

Der Laie versteht nur Bahnhof

Im Empfang lenkt eine begrünte Wand, die sich über alle drei Etagen zieht, den Blick auf sich. Dahinter die lichtdurchflutete Cafeteria mit Seeblick, wo man sich in den Mittagsstunden trifft – wenn man nicht im Souterrain an der Boulderwand eine Runde klettert oder auf dem Laufband ein paar Kilometer zurücklegt. „Im Sommer gibt es Laufgruppen, dann geht es um den See herum“, sagt Brenckmann. Oder man trifft sich zum Kickern im Spielzimmer im zweiten Stock. An der Wand hängt die Liste mit den Ergebnissen der betriebsinternen Kicker-Liga.

Aber jetzt hat Brenckmann in diesem Raum zum Besprechungstermin geladen. Das achtköpfige Team – eine Frau, sieben Männer – hat sich rund um die mit Ledermatten bezogenen Holzpaletten versammelt, einer nach dem anderen berichtet darüber, was er seit dem letzten Treffen ausprobiert hat. Da ist von Gateways, Phyton Multithread oder Integrationstests die Rede, der Laie versteht nur Bahnhof. Auf dem in die Holzwand eingelassenen Flachbildschirm ist die Aufgabenliste für jeden Mitarbeiter zu sehen – Abgearbeitetes wird sofort in die entsprechende Rubrik geschoben. Nach einer Viertelstunde ist das Treffen vorbei, die Computerexperten gehen wieder an ihre Arbeitsplätze in einem der Großraumbüros.

Schaukeln, bunte Klebe-Zettel und Filz-Sessel

Dort stehen die Schreibtische auf Rollen, damit sie für jedes neue Projekt flexibel zusammengeschoben werden können. Weil die Hierarchien flach sein sollen, hat auch Bereichsleiter Brenckmann kein eigenes Büro. Wer sich für ein ungestörtes Telefonat oder zum Arbeiten zurückziehen will, kann das in einer der sogenannten „Telefonzellen“ mit einem Tisch und zwei Sitzen auf kaum drei Quadratmetern Grundfläche.

Aber es gibt auch andere Aufenthaltsflächen: Man sieht Mitarbeiter, die auf flachen Lederkissen halb liegen, den Laptop auf den Knien. Jemand hat seine kleine Tochter dabei und lässt sie in einem der Sitze, die an Seilen von der Decke baumeln, schaukeln. Es gibt Sofa-Gruppen für Gespräche oder mit Wollfilz bezogene thronartige Sessel, in denen man beinahe versinkt und die Umwelt vergessen kann. Und überall im Haus liegen bunte Klebenotizzettel aus. Auch das soll die Kreativität fördern. „Wenn man eine Idee hat, schreibt man sie sofort auf und heftet das an die Wand“, erklärt Brenckmann.

Welche Innovationen bisher in Potsdam angestoßen wurden? Im Prinzip, sagt der Bereichsleiter, gehe es immer darum, wie man die von SAP entwickelte superschnelle Datenbank Hana nutzen könne. Im Gesundheitssektor könne man etwa die Wirkung von Medikamenten superschnell analysieren und dabei neue Anwendungsfelder erkennen. Für den Tiefkühlproduzenten analysieren, wie das Salz und andere Zutaten am günstigsten in die Pizza kommen. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) entwickelten die SAP-Spezialisten, damals noch in Walldorf, ein Programm, mit dem die Bewegungen von Spielern ausgewertet werden können – „bei der WM 2014 war es als Pilotprojekt im Einsatz“, sagt Brenckmann. Das Ergebnis ist bekannt.

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