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  • 08.12.2014

Schulmangel im Norden

Ausnahmeregel scheint nicht zu greifen: Künftige Siebtklässler müssen lange Wege in Kauf nehmen

Für die Familien im Potsdamer Norden ist es ein gravierendes Problem: In den alten und neuen Wohngebieten rund um das Bornstedter Feld gibt es noch keine weiterführende Schule. Bewerben die künftigen Siebtklässler sich nun bei Schulen in der Innenstadt, haben sie wegen der geltenden Gesetzeslage deutlich weniger Chancen auf einen Platz als Kinder, die im Zentrum wohnen. Die Folge: Die Schüler aus dem Norden müssten Schulen im Potsdamer Süden besuchen, die nicht so nachgefragt sind wie die Einrichtungen in der Innenstadt. Lange Schulwege sind vorprogrammiert.

Um das Schul-Problem zu lösen, haben die Stadtverordneten zuletzt auf Initiative der SPD kurzfristig einen Beschluss gefasst. Doch dieser droht jetzt ins Leere zu laufen. Konkret wurde am vergangenen Mittwoch im Stadtparlament beschlossen, dass die Stadtverwaltung möglichst schnell mit der Landesregierung verhandeln soll, um die Gesetzeslage zu verändern. Das Ziel: Die Stadt Potsdam soll für das sogenannte Ü7-Verfahren, also den Übergang von der Grundschule in die siebte Klasse an weiterführenden Schulen, eine Ausnahmeregelung erhalten – speziell für die stark nachgefragten Gesamtschulen. So soll die Stadt insgesamt nach Wunsch der Initiatoren von der SPD als ein Schulbezirk gelten. Damit wäre die Wohnortnähe beim Auswahlverfahren kein relevantes Kriterium mehr und Schüler aus dem Potsdamer Norden würden nicht mehr benachteiligt.

Doch im Bildungsministerium ist man skeptisch. Sprecher Stephan Breiding sagte den PNN auf Anfrage, für eine Ausnahme von den derzeitigen Ü7-Regelungen müsste insbesondere das Schulgesetz geändert werden. „Das ist kurzfristig nicht umsetzbar.“ Zudem gebe es schon jetzt Bestimmungen, mit denen Schüler aus besonderen Gründen für einen Schulplatz berücksichtigt werden könnten.

Dagegen hatte Potsdams Bildungsdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) vor den Stadtverordneten erklärt, die geltenden Bestimmungen seien ein Ärgernis. Sie böten keine Lösungswege für die Problematik, die mindestens besteht, bis zum Schuljahr 2016/17 der Neubau der Da-Vinci-Gesamtschule im Norden fertiggestellt ist.

Noch einen weiteren Punkt soll die Stadtverwaltung mit dem Bildungsministerium verhandeln: Auf Initiative der CDU soll die Möglichkeit eines sogenannten Schulträgerprinzips geprüft werden – damit sollen bei der Schulwahl die Potsdamer Schüler vor denen aus Potsdam-Mittelmark Vorteile erhalten. Dazu sagte der Ministeriumssprecher, dieser Wunsch müsse erst geprüft werden. Bisher kommen mehr als 1000 Schüler aus dem Umland zum Unterricht in die Landeshauptstadt. Die CDU hofft, mit ihrer Idee auch die Verhandlungsposition gegenüber dem Landkreis zu stärken. Bekanntlich soll sich dieser am Bau der neuen Potsdamer Schulen finanziell beteiligen (PNN berichteten). HK

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