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  • 18.09.2014
  • von Marco Zschieck

Wohnen muss jeder

von Marco Zschieck

Begehrte Bauten. In Potsdam stehen kaum Wohnungen leer. Foto: Andreas Klaer

In einem Jahr soll Potsdams neues wohnungspolitisches Konzept stehen. Bürger können sich daran beteiligen

Es ist kompliziert. Nicht nur die Lösung ist unbekannt, sondern sogar das Ziel ist unklar. Bei der Auftaktveranstaltung zur Erstellung von Potsdams neuem wohnungspolitischen Konzept wurde deutlich, wie vielschichtig die Probleme auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt sind. „Familien, Senioren und Studenten haben unterschiedliche Bedürfnisse“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Etwa 60 Potsdamer waren am Dienstagabend auf Einladung der Stadtverwaltung ins Bildungsforum gekommen, um sich mit dem Thema Wohnen auseinanderzusetzen.

Bis Septemer 2015 soll das Konzept stehen, das dann als Leitlinie für die Wohnungspolitik in der Stadt dienen soll. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 90 000 Euro. Koordiniert wird die Arbeit vom Planungsbüro Plan und Praxis und dem privaten Forschungs- und Beratungsinstitut Regiokontext. Im ersten Halbjahr 2015 soll es drei Themenwerkstätten geben. Im Verlauf der konzeptionellen Arbeit sind zwei Zwischenberichte für die Stadtverordneten vorgesehen. Bisherige Initiativen sollen in das neue Konzept einfließen. So hatte eine Expertengruppe „Potsdam 22“ im Februar 2013 die Dimensionen steigender Wohnkosten analysiert und Empfehlungen für die Wohnraumversorgung gegeben. Eine weitere Grundlage stellt das Stadtentwicklungskonzept Wohnen aus dem Jahr 2009 dar.

Bei einem Punkt waren sich die Teilnehmer am Dienstsagabend jedoch einig: In Potsdam fehlen bezahlbare Wohnungen. Doch schon bei der Frage, was das genau bedeutet, zeigten sich Unterschiede. So können sich Hartz-IV-Empfänger naturgemäß weniger leisten als ein gut verdienendes Professorenehepaar. Außerdem kann sich das, was als bezahlbare Wohnung angesehen wird, auch ohne Veränderung beim Einkommen schnell ändern, wenn beispielsweise Kinder dazukommen oder Angehörige gepflegt werden müssen.

Am Dienstag sammelten die Planer Anregungen, welche Probleme den Potsdamern am wichtgsten sind. In einer elektronischen Abstimmung schafften es die Themen Wohnkosten, altersgerechtes Wohnen und alternative Wohnformen an die Spitze. In der folgenden Diskussion wurden verschiedene Aspekte angesprochen: So beklagte eine Teilnehmerin einen Mangel an großen Mietwohnungen für die gemeinsame Betreuung von Demenzkranken. Ein anderer Teilnehmer forderte die Erhaltung von preiswerten Mietwohnungen in der Innenstadt und eine Streetworkerin wies darauf hin, dass verdeckte Obdachlosigkeit unter Studenten zum Problem werde.

Zuvor hatten mehrere Referenten einen Überblick über die Problemlage gegeben. So ist in Potsdam nicht nur wegen des anhaltenden Zuzugs mit weiter steigender Nachfrage nach Wohnungen zu rechnen, sondern auch wegen der abnehmenden Haushaltsgrößen. Derzeit leben in 80 Prozent der Potsdamer Haushalte nur eine oder zwei Personen – Tendenz steigend. Außerdem sei das Thema Wohnen kein reines Mieterproblem. Es gehe auch um ausreichende Möglichkeiten für Häuslebauer.

Nun sind erstmal die Potsdamer selbst gefragt: Wer sich einbringen möchte, kann sich per E-Mail unter team-potsdam@regiokontext.de an die Planer wenden. Hinweise und Ideen sollen dann von einem sogenannten Begleitkreis aus Vertretern von Mieterbund, Vermietern, Verwaltung, Stadtpoltik und Bürgerinitiativen diskutiert werden. Der genaue Ablauf des Verfahrens steht noch nicht fest. Das gilt auch für das Format und die Themen der geplanten Werkstattgespräche. Auch die Planer spüren bereits, dass sie es in Potsdam mit einem außergewöhnlichen Fall zu haben: „So ein anhaltendes Wachstum wie in Potsdam haben wir in 20 Jahren nirgends beobachtet“, so Regiokontext-Projektleiter Arndt von Bodelschwingh. Marco Zschieck

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