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  • 28.11.2012
  • von Luise Poschmann

Blick in die Jungsteinzeit

von Luise Poschmann

Tiefschürfend. Grabungstechniker Markus Heller (vorne) an der Alten Fahrt. Foto: dapd

Die archäologischen Grabungen rund um das Palais Barberini stehen kurz vor dem Abschluss

Innenstadt - Sorgfältig kratzt Markus Heller in der Ausgrabungsstätte an der Alten Fahrt die Fugen einer historischen Kellermauer frei. „Für die Dokumentation sollen die Kanten ja gut aussehen“, sagt der Grabungstechniker und wischt mit seiner Hand den letzten Sand von den Ziegeln. Wie oft er das schon gemacht hat, kann er nicht zählen. Denn auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal rund um das ehemalige Palais Barberini haben seine märkischen Vorfahren recht fleißig gebaut.

Seit etwa einem halben Jahr wird das Gelände in der Potsdamer Mitte archäologisch untersucht, und in wenigen Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In Zukunft sollen auf dem Gelände wieder Gebäude entstehen, die zumindest teilweise ihren Vorgängern nachempfunden sind. Der Sanierungsträger Pro Potsdam rechnet mit einem Beginn der Baumaßnahmen an der historischen Humboldtstraße im Frühjahr 2013. Doch zuvor muss das Areal gründlich archäologisch untersucht werden. Denn es handelt sich um ein eingetragenes Bodendenkmal – bevor dort gebaut wird, müssen die Zeugnisse der Geschichte aufgespürt und dokumentiert werden. Manche Funde helfen auch den neuen Bauherren für die Realisierung des Mammutprojekts in der Potsdamer Mitte.

„Jedes kleine Stück, das wir zum Beispiel von der Fassade finden, kann bei der Konzeption für das neue Gebäude hilfreich sein“, sagt Ausgrabungsleiterin Nicola Hensel. Architekten und Planer müssten sich sonst ausschließlich an Bildern und Fotografien orientieren.

Glanzstück des Wiederaufbaus der Potsdamer Mitte soll das Palais Barberini werden. Das 1772 unter Friedrich II. errichtete Bürgerhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Außerdem sollen die Neubauten auf den benachbarten Flächen des ehemaligen Palazzo Pompei und des Palazzo Chiericati mit historischen Fassaden versehen werden.

Für Ausgrabungsleiterin Hensel steht jedoch die Sicherung von Artefakten im Mittelpunkt, die viel älter als die Überreste der Prachtbauten am Havelufer sind. „Schon in der Jungsteinzeit haben sich hier Siedler niedergelassen“, erzählt Hensel. Davon zeugten charakteristische Verfärbungen im Sand, die als Gräber aus dem Neolithikum identifiziert worden seien. Auch im Mittelalter habe Potsdam eine wechselhafte Siedlungsgeschichte durchlebt, erklärt die Archäologin. Im 11. und 12. Jahrhundert ließen sich im Stadtkern zunächst Slawen nieder. Einige ihrer Spuren überlebten die massive Bebauung des Geländes im 18. und 19. Jahrhundert. „Unter dem Erker des Barberini haben wir einige recht gut erhaltene Gräber aus dieser Zeit gefunden“, sagt Hensel. Bei einigen haben die Archäologen auch Grabbeigaben, zum Beispiel Keramikgefäße, entdeckt. Solche Funde werden dokumentiert, gewaschen und an das Landesdenkmalamt übergeben, erläutert die Ausgrabungsleiterin.

Im Landesdenkmalamt kümmert sich Joachim Wacker um die Gegenstände. „Bodenfunde sind Eigentum des Landes“, erklärt der Bereichsleiter für Stadtarchäologie. Die meisten Entdeckungen werden eingelagert, einige wenige würden aber auch in Ausstellungen kommen. „Die Funde müssen dokumentiert werden, weil sie ja durch die Neubebauung zerstört werden“, sagt Wacker. Die wissenschaftliche Untersuchung der Ausgrabung erfolge oft erst viele Jahre später durch Universitäten.

Auch wenn die Analyse der Funde noch etliche Zeit dauern wird, neigt sich die Arbeit auf der Ausgrabungsstätte dem Ende zu. Nur ein kleiner Teil des Bodens ist noch unberührt. Nicht alle Helfer sind traurig über den Abschluss der Grabung, denn der einziehende Winter macht ihnen langsam zu schaffen. „Manchmal werden die Füße ganz schön kalt“, erzählt Grabungsleiter Heller. Da helfe nur, durch fleißige Arbeit in Bewegung zu bleiben. Luise Poschmann

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