• 11.09.2012

Thriller in Venedig

Babelsberg baute Sets für De Palmas „Passion“

Ein echter Babelsberg-Film war beim Filmfestival Venedig nicht ins Rennen gegangen. Doch ganz ohne das Potsdamer Traditionsstudio geht es auch am Lido nicht. Vom Studio Babelsberg stammten zahlreiche Kulissenbauten für den Thriller „Passion“ von US-Regisseur Brian De Palma. Nach fünf Jahren Venedig-Abstinenz zeigte der 71-Jährige wieder einen Film auf dem Festival, mit „Passion“ kehrte er außerdem nach 20 Jahren wieder ins Thriller-Genre zurück. Es sei „ein Frauenfilm“ und die Schauspielerinnen „haben sich gegenseitig an die Wand gespielt“, schwärmte De Palma von seinen beiden Hauptdarstellerinnen Rachel McAdams und Noomi Rapace.

Auch bei der Ausstattung des Krimis vertraute De Palma auf eine Frau: Cornelia Ott. Bereits Anfang 2011 begann die Szenenbildnerin – im Film-Deutsch auch „Production Designerin“ – , die in vielen internationalen Babelsberger Produktionen mitgearbeitet hat, die Arbeit für „Passion“. Sie las das Drehbuch, kreierte Visualisierungen, kommunizierte via Skype nahezu täglich mit dem Regisseur. Brian De Palma habe eigene sogenannte Story Boards angefertigt, also kleine Zeichnungen, auf denen wie in einer Art Comic der künftige Dreh zu erkennen ist. Anhand dieser suchte Cornelia Ott Drehorte aus: mehr als 30 fand sie in Berlin, wo der Thriller auch spielt. Die Drehorte wurden dann mit Set-Bauteilen, beispielsweise eigens entworfenen und im Studio Babelsberg gefertigten Möbeln, umgestaltet, erzählt Ott. So wurde das Rathaus Schöneberg zum Londoner Büro einer Werbeagentur, in Lobby und Foyer des Bode-Museums wurde ein Launch-Empfang gedreht. De Palma gehe es nicht nur darum, äußere Realitäten abzubilden, sagt Ott. Seine Filme seien vielschichtig und stilisiert. Die Filmrealität wechsele zu Traumsequenzen und surrealen Szenen, was sich im Design der Sets wiederspiegle. Mit großem Aufwand entstand eine Schlüsselszene des Films, in dem ein Mord geschieht: Dafür ließ Ott ein Bühnenbild im Renaissance Theater bauen, im Film tanzt davor das Staatsballett „L’Après-midi d’un Faun“.

Einen Preis bekam „Passion“ in Venedig nicht. Für Cornelia Ott allerdings ist das kein Drama. „Dabei gewesen zu sein ist alles.“ SCH/M.T.

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