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  • 23.05.2012

Freiheit mit dem gelben Halstuch Jarmila Dürholt für Arbeit bei „Alanen“ geehrt

Zelte falten. Jarmila Dürholt mit ihren jungen Pfadfindern in Babelsberg. Foto: A. Klaer

Babelsberg – Dass sie zu den Pfadfindern kommt, war quasi vorbestimmt: Bereits ihre Großmutter, Mutter und viele andere Familienmitglieder seien in Pfadfinderstämmen über ganz Deutschland verstreut, erklärt die 16-jährige Jarmila Dürholt, wie sie zu den Potsdamer „Alanen“ kam. Im März wurde sie vom Landesjugendring und Andreas Büttner, Fraktionsvorsitzender der FPD im Brandenburger Landtag, für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Denn die Zehntklässlerin, die gerade den Prüfungsstress überstanden hat, leitet seit zwei Jahren die Gruppe der jüngsten Pfadfinder in Babelsberg, die sogenannten „Wölflinge“.

„Es ist toll, das Vertrauen der Kinder zu spüren und zu erleben, wie sie wachsen“, so Jarmila Dürholt. Außerdem könne sie so einmal die Woche selbst noch mal Kind sein. Jeden Mittwoch beschäftigt sie sich als Gruppenführerin mit ihren Schützlingen im Alter von sieben bis elf – bei Geländespielen, Basteln und gemeinsamen Lernen. Dazu kommen viele Wochenend– und Ferienfahrten, die für die Schülerin der Montessori-Gesamtschule in Potsdam–West den Reiz des Pfadfinderdaseins ausmachen. Dabei entdecke sie „mal ohne Handy“ ein ganz neues Gefühl von Freiheit. So wie letzten Sommer, als sie mit einem Berliner Stamm drei Wochen in Kroatien war. Dort, nur mit Zelt und Rucksack unterwegs, begeisterte sie vor allem die Gastfreundschaft der Menschen. In unserer Region schlägt diese den Pfadfindern seltener entgegen – „wir kämpfen hier mit vielen Vorurteilen“, klagt Jarmila. So würden die Pfadfinder in ihrer Kluft – mit gelbem Halstuch und blauem Hemd – oft als rechte Jugendorganisation angesehen. Dies hänge damit zusammen, dass beide Diktaturen in Deutschland mit Hitlerjugend und FDJ das Erscheinungsbild der Pfadfinder missbraucht hätten, so Christina Hunger, Bildungsreferentin beim Landesverband Berlin–Brandenburg des Bundes der Pfadfinder.

Dennoch möchte Jarmila ihre Wölflingen nicht missen – denen sie spielerisch beibringt, wie sie selbstständig Probleme lösen und mit ihrer Umwelt umgehen. Zwar bestehe eine klare Trennlinie zwischen den Pfadfindern und ihrem Freundeskreis, mit dem sie am Wochenende unterwegs ist, doch das empfindet die junge Meutenführerin nicht als negativ – „ich habe natürlich noch andere Hobbies“. Unverkennbar bleibt dabei ihre soziale Ader: Neben der Pfadfinderei jobbt sie zwei Tage pro Woche als Babysitterin und macht bei einem Schulprojekt der Malteser mit. Kaum verwunderlich, dass sie später vielleicht Lehrerin werden möchte. Zumindest sei als nächstes Ziel ein soziales Fachabitur geplant. hma

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