21.11.2017, 4°C
  • 02.05.2011
  • von Hella Dittfeld

Menschenkette am Brauhausberg als Plattform

von Hella Dittfeld

Eine Menschenkette für mehr Bürgerbeteiligung am Brauhausberg. Foto: Manfred Thomas

Potsdamer wollen stärker mitreden und verbünden sich zur Bürgerkooperation / Weitere Aktion geplant

Die Menschenkette der frustrierten Initiativen und Vereine, die für mehr Bürgerbeteiligung in Potsdam kämpfen wollen, reichte am Samstagvormittag nicht wie geplant um den Brauhausberg. Die Bürgerkooperation hatte nicht genug Menschen zum Treff an der Schwimmhalle locken können. Das Ziel, auf die Unzufriedenheit mit städtischen Entscheidungen und den Ärger über eine ungenügende Berücksichtigung des Bürgerwillens aufmerksam zu machen, wurde trotzdem erreicht.

Vier Initiativen und drei Vereine hatten nach Angaben von Roman Piffrement von der Initiative Pro Brauhausberg ihre Vertreter geschickt und so waren rund 150 Teilnehmer zusammengekommen, die zumindest den unteren Teil des Brauhausberges Hand in Hand umspannten. Von den Parteien hatte Die Linke gleich mehrere Vertreter, darunter auch Stadtverordnete, entsandt und die Grünen zeigten unter anderem mit Andreas Menzel Flagge.

„Wir haben den Namen Bürgerkooperation für den Zusammenschluss der Initiativen mit Absicht gewählt“, erklärte Kay- Uwe Kärsten, vorläufiger Sprecher der neuen Bürgerplattform und Vertreter des alternativen Kulturzentrums „Archiv“. Man verstehe sich ganz bewusst als Pendant zur Rathauskooperation, die zu sehr über die Köpfe der Bürger hinweg agiere. „Die Idee wurde erst vor 14 Tagen geboren und seitdem hat sie eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt“, stellte Kärsten fest. Das zeige, „wie hoch das Bedürfnis ist, sich gemeinsam für eine gesunde Bürgerbeteiligung einzusetzen“. Die Unzufriedenheit mit den derzeitigen Verfahrensweisen der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung sei enorm. Für den heutigen Montag ist 19 Uhr das nächste Treffen im Archiv-Café angesetzt. Dann soll von den Teilnehmern eine gemeinsame Deklaration verfasst werden und man will die nächsten Aktionen planen.

Der Brauhausberg war als Treffpunkt gewählt worden, weil er zentral liegt und die Menschenkette dort besonders gut in Auge fiel. Am Samstag ging es aber nicht vordergründig um den Widerstand gegen eine komplexe Bebauung des Berges. Piffrement möchte zwar am liebsten Schwimmhalle und die ehemalige Gaststätte Minsk als Bauwerke erhalten, zeigte sich aber offen für jegliche Art von Nutzung. Gegen eine enge Bebauung des Brauhausberges mit Fünfgeschossern hat auch Anwohner Sven Thiele Einwände. Er möchte den Bereich für Sport und Erholung sichern. Landschaftsarchitektin Rose Bernd findet, dass man bei der Gestaltung des Berges auch an nachfolgende Generationen denken und sich mit der Gestaltung Zeit lassen sollte.

Von den anderen Initiativen waren unter anderem der Tierschutzverein vertreten, die Zimtzicken und eine Unterschriftensammlerin für den Erhalt des Staudenhofes und der Wohnhäuser mit billigen Mieten am Alten Markt. 400 Unterschriften hat sie schon beisammen. „Manchmal mag es für den Außenstehenden so scheinen, wir würden uns Neuerungen grundsätzlich entgegenstellen“, sagte Alexander Frehse, der sich im Bürgeraktiv Drewitz engagiert. Aber wenn man genauer hinsehe, dann wollten die Bürger nur nicht, dass über ihren Kopf hinweg entschieden werde und dabei Unsinn herauskomme. So seien die Drewitzer nicht gegen die Gartenstadt-Idee, wollen aber nicht von ihr überrollt werden. In Drewitz sei mit der Wahl einer Bürgervertretung ein richtiger Schritt zur Mitbestimmung gemacht worden. Nun müsse aber auch geklärt werden, welche Rechte diese Bürgervertretung hat. „Wir wohnen dort. Wir wollen deshalb auch mitbestimmen. Nur dabeisitzen und keine Entscheidungen treffen dürfen, das wollen wir nicht.“ Frehse fasste damit den generellen Unmut der Potsdamer zusammen. Der Bürgerkooperation geht es nun um die Bündelung der Kräfte, um eine funktionierende Bürgerbeteiligung zu sichern.

Social Media

Karte

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!