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  • 13.11.2017
  • von Jana Haase

Vorstellung des Guide Michelin in Potsdam: Gala für die Gourmet-Oscars

von Jana Haase

In Babelsberg werden am Dienstag die Michelin-Sterne an Deutschlands beste Köche vergeben. Foto: Mike Wolff

In Babelsberg werden heute die Michelin-Sterne an Deutschlands beste Köche vergeben. In Babelsberg wird bereits fleißig das Menü vorbereitet.

Potsdam - Es ist ein Termin, der von Feinschmeckern jedes Jahr mit Spannung erwartet wird: Die Macher des Gourmetführers „Guide Michelin“ stellen am Dienstag ihre Neuauflage vor – und adeln die besten Küchenchefs Deutschlands mit einem, zwei oder drei Michelin-Sternen. Diesmal gastieren die Gourmetkritiker und Sterne-Köche Tür an Tür mit den Filmstars in Babelsberg: Die Michelin-Gala findet am Abend in der Metropolishalle am Filmpark Babelsberg statt.

Etwa 420 Gäste erwarten die Veranstalter vom Guide Michelin, wie Unternehmenssprecherin Nina Grigoleit den PNN sagte. Darunter seien rund 50 Journalisten und Blogger sowie Gäste der Autoreifen-Sparte des Unternehmens und weiterer Sponsoren. Sie können sich auf ein mehrgängiges Menü von verschiedenen Sterne-Köchen freuen: Hinterm Herd steht unter anderem der Berliner Starkoch Tim Raue.

Bis Dienstagnachmittag sind Ergebnisse geheim

Zu welchen Ergebnissen die Michelin-Gourmetkritiker gekommen sind, bleibt bis zum Nachmittag ein Geheimnis. In Potsdam gibt es mit Alexander Dressel vom Restaurant „Friedrich Wilhelm“ im Fünf-Sterne-Hotel Bayrisches Haus derzeit nur einen Sterne-Koch, für den es heute um die Verteidigung des Sternes geht.

Immerhin hat auch der Kopf hinter der zweiten märkischen Sterne-Adresse, dem „kochZIMMER“ in Beelitz, seinen Umzug in die Landeshauptstadt angekündigt: Das Restaurant in Beelitz schließt zum 20. November, ab 1. Dezember begrüßt Jörg Frankenhäuser seine Gäste am Neuen Markt in Potsdam – in der ehemaligen Gaststätte zur Ratswaage, wie Frankhäuser den PNN bestätigte. Den für Beelitz erworbenen Stern wolle man wegen des Umzugs in Absprache mit Michelin „ruhen lassen“. Chancen auf einen Stern für das neue Restaurant gebe es damit erst 2018.

Es wird nicht bei zwie Sternen für Brandenburg bleiben

Bei zwei Sternen für Brandenburg wird es heute nicht bleiben, so viel verriet auch Michelin-Sprecherin Nina Grigoleit den PNN vorab: „Es wird Veränderungen geben.“ Die Michelin-Gala wird also für Fans der hiesigen Gastronomieszene besonders spannend.

Eine solche Abendveranstaltung anlässlich der Veröffentlichung des Gourmetführers gibt es erst seit dem vergangenen Jahr. Nach der Premiere in Berlin bei Mercedes am Salzufer 2016 habe man diesmal nach einem größeren Veranstaltungsort in der Hauptstadtregion gesucht. Die Metropolishalle habe gut gepasst – auch mit der Nähe zu den berühmten Babelsberger Filmstudios, sagt Grigoleit: „Weil unsere Sterne ja so etwas wie der Oscar in der Gastronomie sind.“

1900 erschien der erste Guide Michelin

Und ebenso wie die Babelsberger Filmstudios hat der Michelin-Führer eine mehr als 100-jährige Geschichte: Im Jahr 1900 ist der erste „Guide Michelin“ erschienen – zunächst nur für Frankreich, wo der Reifenhersteller bis heute seinen Sitz hat. Um Restaurants ging es den Machern damals allerdings noch gar nicht. Die Touristikabteilung des Unternehmens wollte mit dem kostenlosen Buch die Franzosen auf den Geschmack bringen und zum Umstieg ins Auto – die „pferdelose Kutsche“ – bewegen. Enthalten waren Informationen zu vielen Ortschaften in Frankreich, mit Adressen von Werkstätten, Apotheken und Hotels.

Vier Jahre später folgte mit Belgien die erste ausländische Ausgabe, 1910 erschien der erste „Guide Michelin“ für Deutschland und die Schweiz. In den 1920er Jahren entwickelte sich der Führer zu dem, was er heute ist: Er kostete erstmals Geld – und bewertete die Restaurants mit den Sternen, die heute als höchste Auszeichnung für Spitzenköche gelten. Ein Stern entspricht dabei dem Urteil „Küche verdient besondere Beachtung“, zwei Sterne bedeuten „verdient einen Umweg“. Drei Sterne schließlich vergeben die Krikiker, wenn sie der Meinung sind, das Restaurant allein „ist eine Reise wert“.

Die ersten Sterne in Deutschland gab es vor 52 Jahren, drei Sterne verlieh der „Guide Michelin“ erstmals 1980. Die Ausgabe 2017 zählt insgesamt 292 Sterne-Küchen auf, darunter zehn mit drei Sternen. Unter den Bundesländern steht Baden-Württemberg seit Jahren mit großem Vorsprung an der Spitze. Daran wird sich ganz sicher auch mit der Ausgabe 2018 nichts ändern.

Immer mehr Restaurants weniger steif

Der Direktor des „Guide Michelin“ für Deutschland/Schweiz, Ralf Flinkenflügel, hat vorab zumindest verraten, dass sich bei dieser Ausgabe der seit einigen Jahren etablierte Trend zum sogenannten „casual fine dining“ fortsetzt. Das heißt: Viele Sterne-Restaurants verzichten inzwischen auf weiße Tischdecken und formelle Atmosphäre. „Immer mehr Restaurants haben diese Steifheit rausgenommen“, erklärte der 52-Jährige. „Sie schaffen den Gästen eine Atmosphäre, in der sie sich wohler fühlen. Es ist schön, dass der Gast die Möglichkeit hat zu wählen.“

Weiter auf dem Vormarsch seien regionale Küche und vegetarische oder vegane Gerichte auf den Speisekarten. Ob die Sterne-Küche hier gesellschaftlichen Entwicklungen nur folgt oder sie mit antreibt, ist offen. Auch ein weiterer Trend bleibt ungebrochen: „Junge Küchenchefs setzen weiter Impulse“, sagt Flinkenflügel. Vielleicht ist ja auch eine Neuentdeckung aus der Mark mit dabei. (mit dpa)

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