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  • 07.10.2017
  • von Marco Zschieck und Enrico Bellin

Modellprojekt in Potsdam: Weniger Abgase in der Zeppelinstraße

von Marco Zschieck und Enrico Bellin

Die Einengung der Zeppelinstraße gehört zu den umstrittensten Projekten der städtischen Verkehrspolitik. Allerdings hat der Modellversuch zu einer Senkung der Schadstoffwerte geführt. Foto: S. Gabsch

Der Feldversuch ist heftig umstritten: Dennoch wurden seit Beginn des Modellversuchs niedrigere Schadstoffwerte für die Zeppelinstraße gemessen.

Potsdam - Nach der Hälfte der Versuchszeit für die Einengung der Zeppelinstraße ist die Luftverschmutzung deutlich zurückgegangen. In der wichtigen Ausfallstraße gibt es seit Anfang Juli bis zum Jahresende nur noch eine Geradeausspur je Richtung. Nach den aktuellen Daten des brandenburgischen Landesumweltamtes lag die durchschnittliche Belastung mit giftigem Stickstoffdioxid in jedem der drei Monate deutlich unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Im September wurden durchschnittlich 34 Mikrogramm gemessen. Der Monatsmittelwert im September vergangenen Jahres hatte noch bei 57 Mikrogramm gelegen – also mehr als anderthalbmal so hoch. Bereits in den ersten beiden Monaten des Versuchs war mit 33 Mikrogramm ein ähnlich niedriger Wert ermittelt worden. Allerdings galten die Daten wegen des geringeren Verkehrs in der Sommerferienzeit als weniger aussagekräftig. Dennoch war auch die Schadstoffbelastung im Juli und August niedriger als im Vorjahr: Im Juli und August 2016 waren es im Durchschnitt noch 43 beziehungsweise 37 Mikrogramm gewesen. Auch in den ersten Oktobertagen blieben die täglichen Messwerte unter dem Grenzwert.

Lob für den Radweg, Kritik an der Verlagerung des Verkehrs in Nebenstraßen

Mit der Einengung soll getestet werden, ob die Luftqualität in der Straße besser wird, wenn dort weniger Autos unterwegs sind. Die Stadtverwaltung will die Menge von 27 000 Autos pro Tag um 5000 reduzieren. Hintergrund sind die seit Anfang 2015 europaweit geltenden, rechtverbindlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid, das überwiegend von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren freigesetzt wird. In Potsdam wurden sie in der Zeppelinstraße dennoch häufig überschritten. Bliebe die Stadt untätig, würde sie Klagen von Anwohnern und langfristig auch Strafzahlungen an die EU riskieren.

Die weitgehende Einengung der Zeppelinstraße auf jeweils eine stadtein- und auswärtige Spur – plus einem wechselseitigen Mittelstreifen zum Abbiegen – wird seit Monaten kontrovers diskutiert. Viele Anwohner und Radfahrer loben beispielsweise den neuen Fahrradweg stadtauswärts. Zuvor mussten sich die Radfahrer den schmalen Bürgersteig mit den Fußgängern teilen. Dadurch kam es häufig zu gefährlichen Situationen. Hingegen haben Pendler aus den Umlandgemeinden und Wirtschaftsvertreter Kritik an dem Experiment geäußert. Unter anderem wird moniert, dass der Verkehr in Nebenstraßen verlagert werde. Als problematisch hatte sich bisher erwiesen, dass es zwischen Geltow und Potsdam keine Busspur gibt.

„An manchen Tagen läuft der Verkehr überhaupt nicht"

Eine solche ist zwar geplant, allerdings gibt es noch keinen Termin für einen Baustart. „An manchen Tagen läuft der Verkehr überhaupt nicht, an anderen fließt es hingegen gut“, sagte Regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig gegenüber den PNN. Zwar sei nicht immer herauszufinden, ob es wirklich an der Straßenverengung liegt oder an Vorkommnissen in Geltow. „Einfacher ist es durch die Einengung aber zumindest nicht geworden“, so Hennig.

Ärgerlich für Pendler aus Richtung Werder (Havel) ist zudem, dass derzeit auch eine Baustelle in Geltow die Fahrt erschwert. Seit dem 21. August ist die Bundesstraße 1 zwischen Caputher Chaussee und Hauffstraße halbseitig gesperrt. Ursprünglich sollten die Arbeiten Anfang September erledigt sein, doch verzögern sie sich voraussichtlich bis zum 23. Oktober, wie die Gemeinde Schwielowsee zuletzt mitteilte. Autos aus Richtung Werder (Havel) werden weiträumig über die Straßen Baumgartenbrück und Caputher Chaussee umgeleitet. Zu Stoßzeiten gibt es Staus in beide Richtungen.

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