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  • 20.07.2017
  • von Marco Zschieck

Neuer Stadtteil für Potsdam: Krampnitz: Zuwachs im Norden

von Marco Zschieck

Zukunft. So könnte es in Krampnitz künftig aussehen (oben). Investor Michael Zahn (v. l.), Entwicklungsträgerchef Bert Nicke und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) schauten sich um. Repro/Foto: Andreas Klaer

Planungen für den Stadtteil Krampnitz laufen. 1400 Wohnungen will allein die Deutsche Wohnen schaffen. Was ist sonst noch geplant? PNN geben einen Überblick.

Potsdam/Krampnitz - Rundgang in Krampnitz: Gut drei Monate sind seit dem überraschenden Durchbruch für die Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes Krampnitz zu einem neuen Stadtteil für Potsdam vergangen. Nun erkundeten die Protagonisten gemeinsam das Areal und sprachen über Details. Mit dabei Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos), Entwicklungsträgerchef Bert Nicke und Michael Zahn, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Wohnen AG, die Ende März 18 Prozent der Fläche für 50 Millionen erhalten hat. Bis zu 400 Millionen Euro plant das Unternehmen am Standort zu investieren. Nach einer jahrelangen juristischen Hängepartie mit den vorherigen Eigentümern soll Krampnitz nun ab 2019 zu einem neuen Stadtteil für bis zu 7000 Bewohner entwickelt werden. Die PNN geben einen Überblick:

Altbauten

Der Löwenanteil der denkmalgeschützten Kasernengebäude gehört zum Gebiet, das die Deutsche Wohnen erworben hat. Die börsennotierte Wohnungsgesellschaft mit Unternehmenssitz in Frankfurt am Main hat deutschlandweit allein 30000 Wohnungen in denkmalgeschützten Häusern in ihrem Besitz. „Wir haben viel Erfahrung in der Sanierung“, sagte Zahn den PNN. Zum Bestand gehören nach seinen Angaben allein vier Baudenkmäler, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen, zum Beispiel der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz. Die Kasernengebäude aus den 1930er-Jahren seien in ihrer Substanz überwiegend in einem guten Zustand. Man beginne nun damit, sie zu untersuchen. Es sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass das ein oder andere Gebäude nicht zu erhalten sei. Klar ist bereits, dass die Fassaden bei der Sanierung ihre ursprüngliche Klinkeroptik zurückbekommen sollen. In der Zeit, als die Kaserne von der Sowjetarmee genutzt wurde, waren die Fassaden mit grauem Betonschlamm verkleidet worden. Etwa 500 Wohnungen sollen in den denkmalgeschützten Häusern entstehen. Nach derzeitigem Stand sollen die Bauarbeiten Anfang 2019 auf den Flächen rund um den Turm am Eingang des Areals an der Bundesstraße 2 beginnen. Die ehemalige Kommandantur soll eines der ersten Gebäude sein.

Neubauten

Insgesamt sollen in Krampnitz bis zu 3500 Wohnungen entstehen. Die Deutsche Wohnen will davon etwa 900 in Neubauten errichten, die sich überwiegend längs der zentralen Ost-West-Achse des Stadtteils befinden sollen. „Unsere typische Zielgruppe ist die Mittelschicht, sagte Zahn. Man wolle Grundrisse anbieten, die für breite Bevölkerungsschichten finanzierbar seien. Er gehe von Nettokaltmieten von etwa neun Euro pro Quadratmeter aus. Fördermittel für Sozialwohnungen wolle das Unternehmen nicht in Anspruch nehmen. Sollten sich die Förderkonditionen nach der Bundestagswahl verändern, müsse man das prüfen. „Sag niemals nie“, so Zahn. Derzeit liegt Krampnitz ohnehin nicht in einem Gebiet, für das Wohnungsbauförderung beantragt werden kann. Wie Entwicklungsträgerchef Nicke sagte, soll es Gespräche mit der Landesregierung zu dem Thema geben. Im August soll zudem ein städtebaulicher Wettbewerb für die Neubaubereiche beginnen (PNN berichteten).

Verkehrsanbindung

Wichtigstes Projekt bei der Verkehrsanbindung ist der von der Stadt gewünschte Bau einer Straßenbahntrasse vom Campus Jungfernsee nach Krampnitz, die später auch nach Fahrland verlängert werden könnte. Im Herbst will der Potsdamer Verkehrsbetrieb mit der Feinplanung für den rund sechs Kilometer langen Abschnitt beginnen. Experten gehen bei Straßenbahnstrecken von Kosten von etwa zehn Millionen Euro pro Kilometer aus. Angesichts des komplizierten Planungsverfahrens und der schwierigen Streckenführung erwarte er eine Eröffnung etwa im Jahr 2027, so Jakobs. Bis dahin seien Zwischenlösungen nötig. Neben der Straßenbahnplanung wird an Konzepten für Car-Sharing, Fahrradstationen und autofreie Zonen gearbeitet.

Soziale Infrastruktur

Drei Kitas, eine Grund- und eine weiterführende Schule inklusive der notwendigen Sportanlagen sowie ein Jugendklub sollen in Krampnitz entstehen. „Sobald der Bedarf da ist, sollte es auch eine Kita geben“, so Jakobs. Außerdem seien Flächen für Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie reserviert. „Ich bin fest davon überzeugt, dass in Krampnitz ein lebenswerter und lebendiger Stadtteil entsteht“, sagte Jakobs.

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