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  • 06.03.2017
  • von Sabine Schicketanz

"Nie war es so verrückt wie immer": Herbert Köfer las in Potsdam

von Sabine Schicketanz

Mimikry. Schauspieler Herbert Köfer in schwarz-weißen Karos und optisch stimmigem Setting im NH Potsdam. Er las aus seinem Buch „Nie war es so verrückt wie immer“.F.: Manfred Thomas

Der 96-jährige Herbert Köfer las in Potsdam aus seinen Erinnerungen.

Weit hat er es nicht nach Potsdam von seinem Wohnsitz am Seddiner See. Dennoch ist es schon lange her, dass der Schauspieler Herbert Köfer einen Auftritt in der Landeshauptstadt hatte. Am Sonntag aber war er in Potsdam zu Gast: Im NH Potsdam, den meisten in der Stadt bekannt als Hotel Voltaire, las Köfer am Sonntagabend aus seinem Buch „Nie war es so verrückt wie immer“, in dem er zahlreiche Anekdoten und Erinnerungen aus seinem Künstlerleben zusammengetragen hat.

Dass Köfer schon 96 Jahre alt ist, das merkten die gut 100 Gäste im großen Saal des Hotels bei der Lesung kaum. Voller Elan betrat der braun gebrannte Künstler die Bühne, er machte sogar einen großen Ausfallschritt, anstatt die kleine Treppe aufs Podest zu nehmen. Die Zuhörer brachte er mit einem nachdenklichen Gleichnis in Stimmung – seiner Erinnerung an den 3. Oktober 1990, den Tag der Wiedervereinigung Deutschlands. An diesem Tag war er mit seinem noch zu DDR-Zeiten gekauften Auto auf der Autobahn von Halle zurück nach Berlin unterwegs. Da stand plötzlich eine Kuh auf der Straße, er überfuhr das Tier – und hinter ihm fuhren lauter Westdeutsche mit ihren Wagen auf. Sie hätten auf die „LPG-Kuh“ geschimpft. Dabei habe sie doch nur die Freiheit gewollt, so Köfer – und dann war sie tot.

Köfer war in der DDR nahezu jedem bekannt. Er hatte 1940/41 sein erstes Theaterengagement, spielte an der Volksbühne Berlin und dem Kabarett Kleine Bühne. Als Sprecher stand er 1952 für die erste und knapp 40 Jahre später am 31. Dezember 1991 auch für die letzte Sendung des Deutschen Fernsehfunks vor der Kamera. 1964 wurde er Mitglied des sogenannten Kleinmachnower Kreises – namhafte Künstler des ehemaligen DDR-Bezirks Potsdam spielten dort in kleinem Rahmen Programme von Heinrich Heine und Theodor Fontane. Nach der politischen Wende spielte er in zahlreichen TV-Serien und Filmen – unter anderem in „Elbflorenz“ und „Wolffs Revier“. Noch mit 92 Jahren hat Köfer zusammen mit seiner Ehefrau Heike ein neues Haus gebaut – eine Turmvilla auf einem 1100 Quadratmeter großen Grundstück am Seddiner See.

Begleitet wurde die Lesung von Herbert Köfer von einer Ausstellung mit Titelbildern der DDR-Filmzeitung „Filmspiegel“: 32 Cover sind zu sehen, alle fotografiert von Klaus D. Schwarz, Ehemann der ebenfalls in der DDR bekannt gewordenen Schauspielerin Chris Doerk. Schwarz hat damals Stars wie Sophia Loren, Manfred Krug, Christel Bodenstein, Dean Reed, Gojko Mitic und Armin Mueller-Stahl fotografiert. Die Ausstellung, Teil einer großen Gesamtschau, ist bis Jahresende im Hotel zu sehen. 

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