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  • 15.11.2016
  • von Katharina Wiechers

Grundschulen in Potsdam: Der lange Weg zur Wunschschule

von Katharina Wiechers

Etwa 1750 Kinder werden nächstes Jahr in Potsdam eingeschult. Foto: dpa (Symbolbild)

Auch im kommenden Jahr gibt es wohl zu wenig Plätze an einigen Grundschulen in Potsdam. Was Eltern tun können, um ihre Kinder an der gewünschten Grundschule anzumelden.

Potsdam - „Erste Wahl“ lautete die Überschrift eines Textes in den PNN am 1. November, in dem die Potsdamer Grundschulen samt anstehendem Tag der offenen Tür vorgestellt wurden. Manche Leser störten sich an der Überschrift, von einer „Wahl“ könne keine Rede sein, sagen sie. So herrscht zwar theoretisch freie Schulwahl für Erstklässler, eine Aufteilung in sogenannte Sprengel wie etwa in Berlin gibt es nicht. In der Praxis ist es aber komplizierter, längst nicht alle kommen bei ihrer „Wunschschule“ zum Zug, da die Zahl der Anmeldungen jene der Plätze oft übersteigt. Wir geben eine Übersicht über die Situation an den Schulen, die Ansprüche der Eltern und beantworten die Frage, wie groß die Wahlmöglichkeit wirklich ist.

 

Welche Kinder werden angemeldet?

Das nächste Schuljahr beginnt am 4. September 2017. Schulpflichtig werden dann all jene Kinder, die 2017 sechs Jahre alt werden, und zwar vor dem 30. September. Eltern von Kindern, die später geboren sind, aber trotzdem schon eingeschult werden sollen, müssen eigens einen Antrag stellen. Andersherum können Eltern auch beantragen, dass ihr Kind ein Jahr später eingeschult wird.

 

Wie viele Erstklässler wird es geben?

Derzeit sind bei der Stadt 1749 Kinder vermerkt, die zum kommenden Schuljahr schulpflichtig werden. Hinzu kommt eine noch unbekannte Zahl bis dahin neu zugezogener Kinder.

 

Reichen die Plätze für Erstklässler aus?

Die Stadt bejaht das. An den 21 Grundschulen und den zwei Oberschulen mit Primarstufe stehen1646 Plätze zur Verfügung, wie es heißt. Hinzu kommen 418 Plätze an den Schulen in freier Trägerschaft – macht 2064 Plätze. Rein rechnerisch können also noch 315 Erstklässler zusätzlich nach Potsdam ziehen. Allerdings sagen dieses Zahlen nichts darüber aus, wie es an besonders beliebten Grundschulen aussehen wird. In Babelsberg etwa hatten sich vor zwei Jahren 20 Kinder mehr für die Goethe-Grundschule angemeldet, als die Kapazitäten hergaben. Nach einer längeren Hängepartie wurde eine weitere erste Klasse geschaffen. Von der Stadtverwaltung hieß es dazu jetzt: „Sollten sich nach Auswertung der Anmeldungen für die einzelnen Schulstandorte Engpässe zeigen, wird der Schulträger wie in den Vorjahren darauf reagieren.“

 

Wie läuft die Anmeldung ab? 

In den vergangenen Tagen sollten alle betroffenen Eltern von der Schule angeschrieben worden sein, die für sie zuständig ist. Denn obwohl freie Schulwahl besteht, gibt es in Potsdam sogenannte Schulbezirke – jede Adresse ist einer bestimmten Schule zugeordnet. Diese koordiniert das Aufnahmeverfahren und entscheidet auch über Rückstellungen oder vorzeitige Einschulungen. In einem beigefügten Formular können die Eltern einen Erst- und einen Zweitwunsch angeben, außerdem wird ein Termin für die schulärztliche Untersuchung genannt. Diese ist Voraussetzung für die Einschulung der Kinder. Zwischen dem 6. und 17. Februar kommenden Jahres müssen die Anmeldezettel an der zuständigen Schule abgegeben werden. Ist eine andere Schule als Erstwunsch angegeben, wird das Formular bis zum 10. März an diese weitergeleitet – das gilt auch dann, wenn es sich dabei um eine Schule in freier Trägerschaft handelt. Ist die Erstwunschschule bereits überbelegt, erfolgt bis zum 28. April die Weiterleitung an die Zweitwunschschule. Am 31. Mai werden dann die Bescheide an die Eltern verschickt, an welche Schule das Kind gehen wird. Dort muss es dann angemeldet werden.

Welche Ansprüche haben Erstklässler? 

Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze an einer Grundschule, wird laut Stadt nach folgender Reihenfolge entschieden: Vorrang haben Kinder aus dem Schulbezirk, also jene, die die für sie zuständige Schule besuchen wollen. Dann kommen all jene zum Zug, die aus einem anderen Schulbezirk kommen – bei ihnen wird nach Entfernung zum Wohnort entschieden. Dann kommen „wichtige Gründe“ zum Tragen, die im Brandenburger Schulgesetz allerdings recht schwammig formuliert sind. Ein „wichtiger“ Grund für den Besuch einer nicht-zuständigen Schule kann sein, dass die zuständige Schule „nur unter Schwierigkeiten“ erreicht werden kann, dass der Besuch „die Wahrnehmung des Berufsausbildungsverhältnisses erleichtern würde“, oder dass pädagogische oder soziale Gründe dafür sprechen würden. Ausdrücklich nicht mehr als „wichtiger Grund“ gilt die Tatsache, dass ein Geschwisterkind die Schule bereits besucht. Das Oberverwaltungsgericht hat 2015 eine entsprechende Regel gekippt (PNN berichteten).

 

Was passiert, wenn beide Wunschschulen voll sind? 

Über das Schicksal der Kinder, die nirgends zum Zug kamen, wird auf der sogenannten Ausgleichskonferenz Mitte Mai entschieden. Hier treffen sich die Schulrätin aus dem Staatlichen Schulamt, ein Vertreter des Schulträgers und alle Schulleiter der städtischen Grundschulen und verteilen die Kinder auf die noch freien Plätze. Die Angst, ans andere Ende der Stadt geschickt zu werden, ist laut Stadt unbegründet. Lediglich zwei Kilometer seien laut einer kürzlich verabschiedeten Satzung zumutbar, hieß es. Eltern, die schon wissen, dass ihre beiden Wunschschulen stark nachgefragt sind, empfiehlt die Stadt, sich schon beim Tag der offenen Tür „von den Schulleitungen hierzu beraten zu lassen“.

 

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