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  • 10.03.2016
  • von Stefan Engelbrecht, Alexander Fröhlich und René Garzke

Achter Pogida-Aufzug: Interesse an Pogida nimmt ab

von Stefan Engelbrecht, Alexander Fröhlich und René Garzke

Gegen den achten Pogida-Aufzug demonstrierten hunderte Potsdamer. Foto: Andreas Klaer

Rund 60 Anhänger nahmen am Mittwoch an dem rechten Aufmarsch durch Potsdam teil. Hunderte Potsdamer protestierten lautstark, die Polizei war mit dem weitgehend friedlichen Verlauf des Abends zufrieden.

Innenstadt - Die islamfeindliche Pogida erreicht mit ihrem „Abendspaziergang“ immer weniger Anhänger. Am Mittwochabend folgten rund 60 Teilnehmer dem Aufruf des Potsdamer Pegida-Ablegers um den mehrfach vorbestraften Gewalttäter Christian Müller, darunter auch Rechtsextremisten aus dem Norden Potsdams. Die Polizei war erneut mit einem Großaufgebot von rund 800 Beamten am Hauptbahnhof und der Langen Brücke im Einsatz. Mehrere hundert Potsdamer beteiligten sich an Gegendemonstrationen. Dabei blieb es weitgehend friedlich.

Gegen 18.30 Uhr hatten sich die Podiga-Anhänger am Hauptbahnhof versammelt. Bei der Demo vor zwei Wochen waren es noch rund 70 Teilnehmer gewesen. Die Polizei war mit sechs Einsatzhundertschaften, darunter vier aus Brandenburg und je einer aus Berlin und Niedersachsen, sowie Wasserwerfern und Räumpanzern präsent. Über der Stadt kreiste ein Hubschrauber.

Lautsprecher störten Beginn der Pogida-Demo

Pogida-Chef Müller erklärte zunächst, dass er entgegen seiner früheren Ankündigungen doch vorerst der Veranstalter bleiben will – „bis sich jemand findet, der das in meinem Namen weitermacht“. Eine Störaktion mit lauten Hupgeräuschen sorgte dann schnell für eine Unterbrechung. Die Geräusche kamen offenbar aus Kisten, die zuvor auf abgestellte Fahrräder montiert worden waren.  Wie die Polizei am späten Abend mitteilte, handelte es sich dabei um Lautsprecher, nun wird wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt.

Wie zuletzt hatte die Polizei einen Sicherheitsabstand zwischen Pogida und den Gegendemonstranten durchgesetzt. Auch deshalb gelang es Pogida, vom Bahnhof zum Filmmuseum und zurück zu marschieren. Kurz nach Beginn des Pogida-Marsches kam es jedoch zu einer zu einer versuchten Störung: Drei Gegendemonstranten hatten auf der Langen Brücke eine Absperrung überwunden und beleidigten die Pogida-Anhänger. Polizisten drängten sie ab.

Weniger Gegendemonstranten als zuletzt

Anders als von Pogida angekündigt nahmen nur sieben „Gäste“ aus Dresden, Heidenau und Freital in Sachsen teil. Auch bei den Gegendemos waren weniger Menschen unterwegs als in den vergangenen Wochen: Die Stadt bezifferte die Teilnehmerzahl bei „Potsdam bekennt Farbe“ am Lustgarten auf rund 300, bei einer Demo der Fußballvereine SV Babelsberg 03 und SV Concordia Nowawes beteiligten sich 200 Potsdamer, ebenso viele kamen zum Hauptbahnhof. Weitere 150 hatten sich am Fuß der Langen Brücke versammelt. Zuletzt hatten mehr als 1000 Potsdamer teilgenommen.

Pogida-Chef kündigt neue Aktion für nächste Woche an

Obwohl immer weniger Anhänger ihm folgen, will Pogida-Anmelder Müller weitermachen. „Vermutlich am kommenden Mittwoch“ werde es zwei Demos, eine von Pogida und eine von Fans des BFC Dynamo Berlin, sagte er den PNN.

Die Landesregierung bezeichnete unterdessen den hohen Personaleinsatz bei Pogida-Aufmärschen als „verhältnismäßig“. Bei den Demos habe eine „Vielzahl von gewaltbereiten und gewaltgeneigten Demonstrationsgegnern“ versucht, die Pogida-Demo zu stören, hieß es in der Antwort auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Isabelle Vandre. Zudem will die Polizei weiter verhindern, dass sich Pogida und Gegendemonstranten in „Sicht- und Hörweite“ aufhalten. Über Kosten der Einsätze machte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) keine Angaben. Die Erhebung benötige rund drei Monate.

Polizei sieht Verbindungen der Pogida zur rechten Szene in der Region

Insgesamt hat die Polizei seit Januar 24 Strafanzeigen gegen Teilnehmer der Pogida-Demos gestellt. In zwei Fällen wurden Elektroschocker und Pfefferspray entdeckt. Ein Pogida-Anhänger zeigte den „Kühnen-Gruß“. Auch gebe es Verbindungen zur rechten Szene in Potsdam, Rathenow und Nauen. So wurde im Januar der mittlerweile inhaftierte Nauener NPD-Stadtverordnete Maik Schneider bei Pogida gesehen. Er steht wie berichtet in dringendem Tatverdacht, den Wagen eines polnischen Staatsbürgers aus fremdenfeindlichen Motiven angezündet zu haben.

 

Der Abend in einer Videozusammenfassung:

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