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  • 11.12.2015
  • von Katharina Wiechers

PNN-Serie zu Flüchtlingshelfern in Potsdam: Struktur schaffen

von Katharina Wiechers

Marc Liebscher hat in Babelsberg ein Hilfsnetzwerk für Flüchtlinge aufgebaut. Foto: Andreas Klaer

Es gibt ein helles Deutschland, das sich leuchtend darstellt“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck über die Helfer, die sich in diesen Tagen für Flüchtlinge einsetzen. Auch in Potsdam geben viele Freiwillige ihr Bestes. Wir stellen jede Woche ein Beispiel vor, aufgezeichnet von Katharina Wiechers. Heute: Marc Liebscher.

Ich arbeite in Berlin und lebe seit zweieinhalb Jahren mit meiner Familie in Babelsberg. Als in der Heinrich-Mann-Allee die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge eröffnet wurde, habe ich dort als Freiwilliger mit angepackt. Ich finde, als Bürger sollte man mit offenen Augen durch die Welt gehen und wenn man sieht, dass Not am Mann ist, sollte man möglichst helfen. Als Anwalt fand ich es sehr überraschend zu sehen, dass der Staat nicht mehr funktioniert und die wesentliche Arbeit von Ehrenamtlichen geleistet wird. Ich habe aber dort auch gesehen, dass die Selbstorganisation sehr gut läuft, weil die Helfer von Freiland eine funktionierende Truppe sind. So etwas wollte ich auch für Babelsberg aufbauen, und zwar bevor die ersten Flüchtlinge ankommen. Also habe ich zusammen mit der Marienschule über Akteure der Flüchtlingsarbeit wie die Caritas, die Kirchengemeinden, das Oberlinhaus oder das Projekthaus Babelsberg ein erstes Treffen im September organisiert. Wir haben uns zusammengesetzt, um zu besprechen, was in Babelsberg schon funktioniert und was noch nötig ist. Im nächsten Schritt haben wir Anfang November ein großes Helfertreffen organisiert. Es war wirklich beeindruckend, wie viele interessante Menschen mit tollen Ideen gekommen sind – über 100 Babelsberger waren da. Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die sich seitdem selbstständig um Themen wie Deutschunterricht, Fahrradwerkstatt oder Begleitung zu Behörden kümmern. Ein Professor vom Hasso-Plattner-Institut kümmert sich mit einem Team um die IT und unsere Webseite fluechtlingshilfe-babelsberg.de. Die Juristische Fakultät der Universität Potsdam baut eine studentische Rechtsberatung auf, und ein emeritierter Germanistik-Professor organisiert unsere Deutsch-Kurse mit. Ich kümmere mich um den Aufbau der Struktur und bin im Organisations-Team. Das Grundgerüst steht jetzt, nun kümmert sich das Organisations-Team darum, dass unsere Helfer erfolgreich arbeiten können. Außerdem bereiten wir gerade ein kleines Fest am 20. Dezember um 16 Uhr vor. Unter dem Motto „Café der Kulturen“ laden wir die Anwohner an der Unterkunft zu Kaffee und Kuchen ein. Wir verstehen es nämlich auch als unsere Aufgabe, die Babelsberger zu informieren. Die Grundstimmung hier ist gut, würde ich sagen. Aber unter den direkten Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft gibt es natürlich auch Vorbehalte. Ich denke aber, auch jene mit Befürchtungen wollen, dass die Flüchtlinge integriert sind.

Heute berichtet Marc Liebscher, 43. Er hat in Babelsberg ein Hilfsnetzwerk für Flüchtlinge aufgebaut.

Sind Sie auch in der Flüchtlingshilfe aktiv oder kennen Sie jemanden, den wir hier vorstellen sollten? Schicken Sie uns Ihren Hinweis gern per E-Mail an potsdam@pnn.de

 

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