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  • 16.07.2015
  • von Marco Zschieck

Flüchtlingsunterkunft in Groß Glienicke: Mehr bunt im Grün

von Marco Zschieck

In die alte Waldschule soll bald neues Leben einziehen. Foto: B. Stelley

Die Unterkunft für Flüchtlinge in der Waldsiedlung Groß Glienicke kann bezogen werden. Damit ist ein großer Schritt getan.

Groß Glienicke - Die Waldsiedlung Groß Glienicke wird wachsen: Wahrscheinlich in der kommenden Woche werden die ersten Flüchtlinge in die neue Gemeinschaftsunterkunft in der Seeburger Chaussee einziehen. Bevor es so weit ist, nahm Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos) das Haus am Dienstag selbst in Augenschein. Auch Anwohner besuchten das Gebäude der ehemaligen Waldschule aus dunkelrotem Klinker am Nachmittag bei einem Tag der offenen Tür.

Mit der neuen Unterkunft kommt Potsdam seinem Ziel näher, die etwa 960 für das laufende Jahr angekündigten Flüchtlinge auch tatsächlich unterzubringen. Bisher seien 430 aufgenommen worden, so Müller-Preinesberger. Der neue Standort in Groß Glienicke trage dazu bei, Flüchtlinge über die ganze Stadt verteilt unterzubringen. Das mache sich bereits bemerkbar. „Die Stadt wird bunter“, sagte sie. 600 000 Euro hat es die Stadt gekostet, das frühere Schulgebäude herzurichten. Natürlich sei eine Gemeinschaftsunterkunft nur die zweitbeste Lösung, hieß es. Schließlich plane die Stadt 300 Wohnungen anzumieten, in die dann Flüchtlingsfamilien einziehen können. „Das ist ein Schritt in die Selbstständigkeit“, so Müller-Preinesberger. Sie forderte auch private Vermieter auf, sich bei der Stadtverwaltung zu melden.

Insgesamt sollen ganz im Norden Potsdams 100 Flüchtlinge wohnen – die genaue Anzahl hänge von den Familienkonstellationen ab, wie Carol Wiener vom Internationalen Bund (IB) sagte. Für den freien Träger ist es bereits der sechste Standort einer Gemeinschaftsunterkunft oder eines Wohnungsverbunds für Asylbewerber in Potsdam. In Groß Glienicke sollen den Plänen zufolge überwiegend Familien einziehen – 25 der 33 Wohnräume sind Vier-Bett-Zimmer. Garantiert sei das jedoch nicht. „Wir melden das beim Land so an“, so Frederike Hoffmann, die beim IB für die Flüchtlingsarbeit verantwortlich ist. Wer tatsächlich kommt, hänge aber auch davon ab, welche Flüchtlinge aus der Zentralen Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt zugewiesen werden.

Auf die künftigen Bewohner warten in dem dreistöckigen Gebäude vergleichsweise große, helle Zimmer mit dicken Wänden. Für jeden Bewohner gibt es Bett, Schrank, Tisch und Stuhl. Auf den Betten lagen am Dienstag Kissen, Bettdecken und Handtücher bereit. Auf jeder Etage müssen sich die Bewohner eine Küche und die sanitären Anlagen teilen. In einigen Räumen hat man die farbenfrohe Wandbemalung des früheren Horts belassen, andere sind noch ein bisschen kahl. „Wir wollen es noch wohnlicher machen, sobald wir wissen, was die ersten Bewohner brauchen“, so Wiener. Zu denken sei beispielsweise an Dinge wie Teppiche oder Lampen. Um Spenden zu koordinieren, gibt es einen E-Mail-Verteiler, in den man sich unter frederike.hoffmann@internationaler-bund.de eintragen kann.

Das Flüchtlingsquartier am Waldrand war nicht unumstritten. Nach Bekanntwerden der Pläne im Herbst wurde unter anderem kritisiert, dass die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr schlecht sei, keine Geschäfte, Ärzte oder Integrationsangebote vorhanden seien. Anfang des Jahres hatten Anwohner dann erfolglos vor dem Verwaltungsgericht geklagt, weil in dem Gebäude eigentlich eine Schule oder Kita vorgesehen gewesen sein soll. Für das Gericht war die Änderung jedoch nicht wesentlich, weil weiterhin soziale Zwecke verfolgt werden. Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass das Gebäude nicht in der Schulplanung vorkomme. Marco Zschieck

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