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  • 11.07.2015
  • von Jana Haase

Fashion-Week: Potsdam Now im Zwielicht: Ohne Fördergeld keine Show

von Jana Haase

Bei der zweiten Modemesse "Potsdam Now" waren regionale und interationale Designer vertreten. Foto: Andreas Klaer

Mode-Veranstalter Karl-Rainer von der Ahé zieht ein positives Fazit der zweiten „Potsdam Now“. Unterdessen melden sich weitere Gläubiger zu Wort – diesmal mit Forderungen in fünfstelliger Höhe.

Potsdam - Die finanziellen Probleme sind groß, die Zuversicht des Unternehmers auch: Veranstalter Karl-Rainer von der Ahé zieht ein positives Fazit der zweiten Auflage der Modemesse „Potsdam Now“ – eine Fortsetzung ohne öffentliche Fördermittel schließt er aber aus. Gleichzeitig meldeten sich nach Abschluss der dreitägigen Messe in der Schinkelhalle weitere Gläubiger von der Ahés zu Wort. Diesmal geht es um offene Forderungen in fünfstelliger Höhe, über die bereits ein Vollstreckungsbescheid zur Pfändung existiert.

Die zweite Auflage der Potsdamer Modemesse sei wirtschaftlich erfolgreicher als die Premiere im Januar gewesen, sagte von der Ahé den PNN. Während er im Januar noch mit 35.000 Euro Minus abgeschlossen habe, hoffe er nun auf eine schwarze Null für beide Veranstaltungen. „Um eine solche Veranstaltung hier vor Ort halten zu können, brauchen wir aber die Unterstützung von Stadt, Ministerium und IHK“, betonte von der Ahé. Die Messe passe zu Potsdam – sei aber frei finanziert nicht zu stemmen, erklärte er. Denn für mögliche Sponsoren aus der freien Wirtschaft sei das benachbarte Berlin als Veranstaltungsort attraktiver. Man müsse nun sowohl das Konzept als auch den Standort überdenken.

Der Veranstalter träumt von einem europäischen Branchen-Treff

Wie berichtet hatte die Stadt im Januar zunächst eine Anschubfinanzierung von 17.000 Euro für die exklusive Veranstaltung – die Eintrittskarte für einen Abend kostete 48 Euro – gezahlt. Für die zweite Auflage flossen erneut 30.000 Euro aus dem Stadthaushalt. Dieses Mal aber nicht direkt an den Veranstalter, sondern an den Betreiber der Schinkelhalle, der im Gegenzug den Veranstaltungsort zur Verfügung stellte. Vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium gibt es für die zweite Auflage zudem eine Zusage über 11 000 Euro Fördergeld, wie Sprecherin Andrea Beyerlein den PNN sagte.

Von der Ahé wirbt für eine Fortsetzung der „Potsdam Now“ mit öffentlichen Geldern. Die Förderung käme vor allem den Unternehmen vor Ort zugute, betonte er. Denkbar sei künftig beispielsweise der Ausbau zu einem europäischen Branchen-Treffpunkt, bei dem internationale Modefirmen zusammengebracht werden. Die Stadt Potsdam müsse auch in solche Inhalte investieren: „Es reicht nicht, nur die Kulissen weiter zu renovieren.“

Zweifel an der Seriösität des Veranstalters

Unterdessen wachsen die Zweifel daran, dass das öffentliche Geld gut angelegt ist. Denn es meldeten sich weitere Gläubiger zu Wort. Wie berichtet hatte von der Ahé bereits eingeräumt, einige offene Rechnungen von der ersten Auflage der Messe im Januar zu haben. Konkret wartet beispielsweise Radio Potsdam noch auf die Zahlung von knapp 1300 Euro für Werbespots. Die Geschäftsführerin des Senders, Juliane Adam, hatte gegenüber den PNN beklagt, dass der Modeunternehmer nicht einmal für Nachfragen erreichbar gewesen sei. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt von der Ahé dazu. Die Rechnung solle noch im Juli bezahlt werden, sagte er gegenüber den PNN.

Offenbar hat von der Ahé aber nicht nur in Potsdam offene Rechnungen. Bei den PNN meldete sich auch eine Gläubigerin aus München: Modeunternehmerin Andrea Frahm hat seit April dieses Jahres einen gültigen Vollstreckungsbescheid gegen Karl-Rainer von der Ahé, der den PNN vorliegt. Höhe der Forderung: 11.948 Euro und 66 Cent. Von dem Geld habe sie bisher nichts gesehen, sagte Frahm: „Wir haben sogar überlegt, ob wir nach Potsdam kommen für eine Taschenpfändung.“

In München meldete der Show-Macher Zahlungsunfähigkeit an

Die Summe resultiere aus der kurzfristigen Absage einer exklusiven Modemesse in München im vergangenen Sommer, erklärte die Unternehmerin. Man habe die Veranstaltung gemeinsam mit weiteren Partnern vorbereitet. Von der Ahé habe aber rund zwei Wochen vor der Veranstaltung seine Zahlungsunfähigkeit erklärt, sodass alles abgeblasen werden musste – obwohl sie schon viel Geld in die Vorbereitung gesteckt habe, sagte Andrea Frahm weiter.

Von der Ahé stritt diese Darstellung gegenüber gegenüber den PNN ab. An der Absage der Messe sei stattdessen seine frühere Geschäftspartnerin schuld – die habe ihren Teil der vereinbarten Miete nicht bezahlt. Um die geplatzte Messe streitet man sich vor Gericht. Den Vollstreckungsbescheid über knapp 12.000 Euro habe er aber „durchlaufen lassen“, weil er keine gerichtliche Auseinandersetzung mit seiner früheren Geschäftspartnerin wolle, sagte von der Ahé. Vollstreckungsbescheide stellen die zuständigen Gerichte im Mahnverfahren aus, wenn der Schuldner den ergangenen Mahnbescheiden nicht fristgerecht widerspricht.

Creditreform rät von Geschäften mit dem Veranstalter ab

Frahm ist unterdessen nur eine von vielen Gläubigern. Von der Ahés Firma Runway Management – eine von mehreren Firmen des Unternehmers – hat eine ganze Liste von Gläubigern, die nicht auf Zahlung hoffen können, wie aus aktuellen Daten des Wirtschaftsauskunftsdienstes Creditreform hervorgeht, die den PNN vorliegen. Von Geschäftsverbindungen zu der besagten Firma rät der Wirtschaftsauskunftsdienst ausdrücklich ab.

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