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  • 20.05.2015
  • von Henri Kramer

Asylbewerber in Potsdam: Neues Flüchtlingsheim in der Spornstraße?

von Henri Kramer

Das brachliegende Grundstück in der Spornstraße. Foto: Andreas Klaer

Es werden dringend neue Flüchtlingsheime in Potsdam benötigt. Die Waisenhaus-Stiftung bietet dem Rathaus ein brachliegendes Innenstadt-Grundstück an. Nun werden mögliche Standorte für Unterkünfte geprüft.

Potsdam - Bei der Suche nach Investoren für dringend benötigte neue Flüchtlingsheime ist die Stadt Potsdam fündig geworden. Ein Angebot hat etwa die Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ abgegeben – für einen Neubau an der Ecke Sporn-/ Dortustraße. Das bestätigte Elke Krüger, die Geschäftsführerin der vor allem im Bereich Kinder- und Jugendhilfe aktiven Stiftung, den PNN am Dienstag auf Anfrage.

Details zu dem Bau nannte sie angesichts des frühen Stadiums der Planungen noch nicht. Zunächst warte man auf eine Reaktion aus dem Rathaus: „Wir können uns eine Zusammenarbeit gut vorstellen.“ Das Eckgrundstück wolle die Stiftung – unmittelbar an ihrem Sitz im ehemaligen Großen Militärwaisenhaus – seit Jahren wieder bebauen, so Krüger. Unter anderem war der Ort – derzeit ein kleiner Eckparkplatz für Mitarbeiter der im früheren Waisenhaus ebenso einquartierten Landesministerien – Anfang des Jahres auch als mögliches neues Depot für das Potsdam Museum im Gespräch.

Keine Unterbringung in Turnhallen

Nach derzeitigem Stand muss die Stadt allein in diesem Jahr 354 Flüchtlinge mehr aufnehmen als ursprünglich vorgesehen. Daher müssen in diesem Jahr noch neue Unterkünfte geschaffen werden. Unter anderem hat die Stadt deswegen in den Zeitungen der Region diverse Annoncen geschaltet, um Angebote für „Liegenschaften zur Unterbringung von Aslysuchenden“ zu erhalten. Pro Standort sollen demnach bis zu 100 Menschen unterkommen können. Mehrfach schon hatte die Stadtverwaltung betont, man wolle die Situation vermeiden, Menschen in Sporthallen oder Zeltstädten unterbringen zu müssen.

Am heutigen Mittwoch will nun eine Arbeitsgruppe im Rathaus die möglichen neuen Standorte für Flüchtlingsunterkünfte prüfen und bewerten – auch der Waisenhausvorschlag ist dabei. „Es gibt schon erste Interessenten und ich bin mir sicher, dass wir damit zumindest langfristig wieder neue Wohnheimplätze schaffen können“, erklärt etwa auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in seiner aktuellen Kolumne auf der Internetseite der Stadtverwaltung. „Die Bauten werden dann für vielleicht zehn oder 15 Jahre für Flüchtlinge genutzt oder zum Teil für Studierende und Flüchtlinge und können später komplett dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen“, so Jakobs weiter. Ziel sei es weiterhin, Flüchtlinge gleichmäßig in kleinen und mittelgroßen Unterkünften im Stadtgebiet zu verteilen. Jakobs: „Nur so kann Integration gelingen.“

Willkommensfest für Flüchtlinge

Noch in diesem Jahr werden neue Unterkünfte in der Waldsiedlung Groß Glienicke, An den Kopfweiden in der Teltower Vorstadt und in der David-Gilly- Straße im Bornstedter Feld eröffnet – zumindest gegen das Heim in Groß Glienicke läuft ein von Anwohnern angestrengtes Verfahren am Verwaltungsgericht. Nach bisherigen Planungen sollten Ende des Jahres in Potsdam an elf Standorten insgesamt 923 Plätze zur Verfügung stehen, zu großen Teilen sind die bisherigen Unterkünfte schon belegt. Auch im kommenden Jahr rechnet die Stadt – angesichts der zahlreichen Kriege und Krisen in der Welt – mit weiter steigenden Flüchtlingszahlen. Die Landeshauptstadt muss nach einem festen Verteilungsschlüssel fünf Prozent der Flüchtlinge unterbringen, die nach Brandenburg kommen.

Am Freitag dieser Woche findet im Kutschstall am Neuen Markt Potsdams ein erstes bürgerschaftlich organisiertes Willkommensfest für Flüchtlinge statt. Das Fest unter dem Motto „Potsdam hilft“ ist eine Initiative des Potsdamer IT-Unternehmers Matthias Gehrmann. Zahlreiche Vereine, Institutionen, Parteien und Privatpersonen haben sich an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Geplant ist am Freitag ab 14 Uhr ein Bühnenprogramm mit Musik und Tanz, Angebote für Kinder, eine große Kaffeetafel sowie Infostände mit Hilfsangeboten. IT-Unternehmer Gehrmann möchte künftig zudem eine Plattform zur Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt aufbauen, wie er den PNN sagte. Die Schirmherrschaft für das Fest haben der frühere Bundesregierungssprecher Uwe Karsten Heye und Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe übernommen. (mit jaha)

 

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