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Verkehr

  • 09.05.2015
  • von Erik Wenk

Verkehr in Potsdam: Für die Havelspange

von Erik Wenk

Über den Templiner See. Die Havelspange sollte nach früheren Plänen parallel zur Eisenbahnstrecke Saarmund-Golm verlaufen. Foto: Lutz Hannemann/Archiv

Eine Lösung für die Verkehrsprobleme in Potsdam könnte die Havelspange sein, davon ist eine Bürgerinitiative überzeugt. Sie will nun 1000 Unterschriften sammeln, um ein Signal zu setzen.

Potsdam - In 15 Minuten von Golm zum Stern-Center – das ist nur einer der zahlreichen Vorteile, die sich die im März gegründete Bürgerinitiative „Pro Havelspange/Westtangente“ von einer Umgehungsstraße inklusive drittem Havelübergang zwischen Caputh und Hermannswerder verspricht. Bei einer ersten öffentlichen Versammlung am Donnerstagabend stellte die überparteiliche Bürgerinitiative vor rund 25 Potsdamern ihre Pläne zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrs vor.

Mehr als 300 Unterschriften haben die Initiatoren schon für das Vorhaben sammeln können, bis zum August sollen es mindestens 1000 werden. Damit wolle man ein Signal setzen, damit das Projekt Havelspange wieder Teil des Bundesverkehrswegeplans wird, so Mitgründer Ralf Jäkel (Linke): „Anders als behauptet, kommen die bisherigen Unterschriften nicht nur aus der Innenstadt, sondern auch aus vielen Umlandgemeinden.“ Die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig erklärte sich am Donnerstag ebenso bereit, Unterschriften zu sammeln.

Zeppelinstraße entlasten

Angesichts eines erwarteten Bevölkerungswachstums von 2000 Menschen pro Jahr und täglich über 27 000 Personen, die aus dem Umland nach Potsdam pendeln, sei die Havelspange zusammen mit einer Westtangente aus Sicht der Bürgerinitiative erforderlich, um beispielsweise die Zeppelinstraße zu entlasten. Dazu müsste am Templiner See eine Autobrücke gebaut werden. In nördlicher Richtung soll die Umgehungsstraße entlang der Bahngleise verlaufen und schließlich vor Marquardt an die B273 anschließen, in südlicher Richtung würde die Straße ebenfalls den Gleisen folgen, vor Nuthetal nach Nordosten abknicken und auf die Nutheschnellstraße führen.

Technisch sei dies relativ einfach umzusetzen, behauptet die Initiative: Jäkel zeigte anhand von Fotos, wo die Umgehungstrasse verlaufen würde. „Kein Haus müsste dafür abgerissen werden, lediglich für etwa 50 Häuser müssten Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden.“ Die Lärmbelastung, die für viele Caputher ein Hauptkritikpunkt war, will er durch Lärmschutzwände an der Auto- und Eisenbahnbrücke über dem Templiner See verringern: „Für Caputh und Hermannswerder würde es sogar leiser sein als es heute ist.“ Ein Anwohner aus Caputh zweifelte jedoch an der Wirksamkeit des Vorhabens, das insgesamt 51 Millionen Euro kosten würde: „Diese Argumente stehen auf tönernen Füßen, solange Sie nicht nachweisen können, dass es wirklich einen Bedarf für diese Umgehung gibt.“

Stadtpolitik hat Havelspange längst verworfen

Auch die Mehrheit der Stadtpolitik hat die Havelspange und den Bau einer Westtangente längst verworfen: 2006 wurde das Raumordnungsverfahren zur Planung der Havelspange eingestellt. Laut Verkehrsplanern würde dadurch der Verkehr auf den viel befahrenen Straßen der Innenstadt um lediglich rund zehn Prozent reduziert. Zudem befürchten viele Kommunalpolitiker, dass durch ein solches Bauprojekt noch mehr Verkehr aus dem Umland angezogen werden könnte, stattdessen versucht die Stadt den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr zu fördern.

Im Laufe des Abends wurde deutlich, dass ein wesentlicher Auslöser für die Bürgerinitiative die Pläne von Potsdams Baudezernenten Matthias Klipp (Grüne) waren, die Zeppelinstraße von vier auf drei Spuren zu reduzieren, um so die Schadstoffbelastung zu verringern. Mehrere Anwesende warfen Klipp im besonderen Arroganz bei der Durchsetzung seiner Politik vor, ein Besucher bezeichnete ihn gar als „Diktator“, der „alle zum Radfahren zwingen“ wolle.

 

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