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  • 23.03.2015
  • von Henri Kramer und Henry Klix

Verkehrsprobleme in Potsdam: Neue Initiative für die Havelspange

von Henri Kramer und Henry Klix

Umstritten. Für einen dritten Havelübergang fehlt das Geld. Foto: Andreas Klaer

Potsdamer Stadtverordnete fordern eine Umgehungsstraße: Vier Kommunalpolitiker haben jetzt die Bürgerinitiative "Pro Havelspange" gegründet. Eigentlich galt die Havelspange als politisch längst beerdigt.

Potsdam - Vier Potsdamer Kommunalpolitiker haben eine überparteiliche Bürgerinitiative „Pro Havelspange“ gegründet. Sie wollen sich für einen dritten Havelübergang in Potsdam einsetzen. Das teilte Initiator und Linke-Stadtverordneter Ralf Jäkel am Wochenende mit. Er ist auch Vorsitzender des Bauausschusses der Stadtverordneten. Die Initiative ist auch eine Reaktion auf die umstrittenen Pläne der Stadtverwaltung zur Einengung der Zeppelinstraße für Autofahrer. Die Havelspange, seit Jahren immer wieder diskutiert, gilt als politisch längst beerdigt.

Der Initiative gehören neben Jäkel die Neu Fahrländer Ortsvorsteherin Carmen Klockow (Bürgerbündnis), Peter Schultheiß (Potsdamer Demokraten) und CDU/ANW-Vizefraktionschef Klaus Rietz an. „Wir wollen eine wirksame Lösung der Verkehrsprobleme in der wachsenden Stadt Potsdam“, so Jäkel. Daher fordere man die Schaffung „einer Umgehungsstraße für Potsdams Innenstadt mit Havelquerung am Templiner See und optimierter Anbindung an das vorhandene Straßennetz“. Das Vorhaben müsse im Rahmen des Bundesverkehrswegeplanes finanziert werden.

Debatte lebt wegen der Zeppelinstraße wieder auf

Die Debatte um Potsdams Verkehrspolitik hat an Fahrt gewonnen, seit bekannt geworden ist, dass Grünen-Dezernent Matthias Klipp die Zeppelinstraße von vier auf drei Fahrspuren reduzieren will. Dadurch sollen künftig 22.000 statt 27.000 Autos täglich durch die Straße fahren. Ziel ist es, die hohe Schadstoffbelastung in der Straße unter die seit diesem Jahr verbindlichen Grenzwerte zu senken.

Die Initiatoren von „Pro Havelspange“ – allesamt Kritiker von Klipps Verkehrspolitik – werden einen langen Atem brauchen. Im Bundesverkehrswegeplan ist das Projekt nicht mehr aufgeführt. Und im von den Stadtverordneten beschlossenen Stadtentwicklungskonzept Verkehr wird dem dritten Havelübergang faktisch eine Absage erteilt. Dieser könne zwar entlastend für Zeppelin- und Breite Straße wirken. Damit verbunden seien aber hohe Risiken „wie schwer kalkulierbare Kosten, Anziehung von Durchgangsverkehr und eine daraus resultierende Zunahme der Verkehrs- und Umweltbelastung in den zuführenden Straßen, insbesondere in der Forststraße und Am Neuen Palais“.

Umlandgemeinden fürchteten mehr Verkehr

Gegen eine neue Havelbrücke, die die Bundesstraßen 1 und 2 verbinden würde, gab es unter anderem heftigen Widerstand in Umlandgemeinden, die mehr Verkehr fürchteten. Das Raumordnungsverfahren zur Planung der Havelspange wurde 2006 eingestellt. Für die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans wurde sie durch das Land vor anderthalb Jahren nicht mehr angemeldet.

Nachwende-Pläne hatten eine Ortsumgehung zwischen Rehbrücke, Werder (Havel) und Golm vorgesehen. Das Projekt war an massiven Widerständen gescheitert. Stadtverwaltung und Teile der Stadtpolitik hatten aber weiter am Teilstück Havelspange festgehalten, konnte deren Nutzen zur Verkehrsentlastung aber nie belegen. Nur zusammen mit der Ises, der vor Jahren verworfenen Innerstädtische Entlastungsstraße, ließe sich eine geringe Entlastung für Zeppelin- und Breite Straße darstellen. Die Ises würde vom Hauptbahnhof entlang der Bahnstrecke an Lustgarten und Havelbucht vorbei bis zur Zeppelinstraße führen und gilt als nicht umsetzbar.

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