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  • 07.04.2014

Gutachten für Plattenbau in der Mitte

Klipp und die Linke: Einigkeit über Erhalt des Staudenhofs, Gegensatz wegen RAW-Halle

Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Grüne) hat sein Nein zum Staudenhof-Abriss mit zwei Gutachten untermauert: Beim Rathausreport der Linkspartei am Sonntag präsentierte Potsdams Baubeigeordneter die Ergebnisse zweier externer Untersuchungen, welche die Frage beantworten sollten, ob eine Sanierung des Plattenbaus hinter der Nikolaikirche wirtschaftlicher wäre als dessen Abriss und die Errichtung eines Neubaus mit günstigen Mieten. Ergebnis: „Es wäre am wirtschaftlichsten, den Staudenhof länger als bis 2022 stehen zu lassen“, so Klipp über die städtische Immobilie. „Ein Abriss wäre ein erblicher wirtschaftlicher Verlust für die Pro Potsdam, der nicht zu kompensieren wäre.“

Die Stadtverordnetenversammlung hatte ursprünglich beschlossen, den Staudenhof wegen der Nichtintegrierbarkeit in das Leitbautenkonzept nach 2022 abreißen zu lassen und dies dafür mit preiswertem Wohnungsneubau in der Stadtmitte zu kompensieren. Klipp hat den Staudenhof, in dem 180 Mieter zu sehr günstigen Mieten wohnen, zum einen einer wirtschaftlichen Untersuchung durch das Unternehmen KPMG unterziehen lassen: Laut dieser würden die Mieten in den geplanten Neubauten definitiv über denen liegen, die nach einer Sanierung des Staudenhofes gezahlt werden müssten.

Zum anderen hatte Klipp das Architekturbüro RTW um eine Untersuchung gebeten, ob ein Abriss des Staudenhofes städtebaulich nötig sei: „Die Untersuchung zeigt, dass es städtebaulich und ästhetisch keinen Grund gibt, den Staudenhof abzureißen.“ Der Wohnblock würde laut Klipp keine Sichtachsen versperren und mit einem hellen Anstrich oder einer farblichen Gestaltung des Giebels ließe sich die Wuchtigkeit des Gebäudes durchaus mildern.

Die rund 30 Gäste des Rathausreports spendeten Klipp Beifall für seine deutliche Positionierung. Der Baubeigeordnete kündigte an, die Untersuchungsergebnisse demnächst den Stadtverordneten sowie den Bewohnern des Staudenhofs vorzulegen. „Wir werden die Mieter umfassend informieren und am Prozess beteiligen“, versprach Klipp und mahnte, dass die Mieter jetzt ihre Forderungen erneut zu Gehör bringen müssten: „Sie müssen deutlicher und aktiver werden!“

Nicht so viel Zustimmung brachten die Anwesenden den Plänen der Linken entgegen, eine Fußgängerbrücke zwischen Hauptbahnhof und Freundschaftsinsel zu bauen, wozu die Stadtverordneten am Mittwoch mehrheitlich ihre Zustimmung gegeben hatten: „Auch wenn es Fußgängerbrücke heißt, wird es vor allem eine Fahrradbrücke werden“, sagte ein älterer Potsdamer. Eine Anwohnerin äußerte die Befürchtung, dass eine weitere Brücke großen Durchgangsverkehr von Radlern auf der Insel zur Folge haben könnte: „Die Freundschaftsinsel ist eine Oase der Ruhe und Erholung, doch mit dieser Brücke könnte das eine richtige Rennstrecke werden.“

Der Stadtverordnete Ralf Jäkel (Linke) beruhigte: „Wir haben eindeutig eine Fußgängerbrücke und keine Radrennstrecke beschlossen.“ Dies ließe sich zur Not mit Regelungen zum Absteigen oder sogenannten Drängelgittern vor der Brücke durchsetzen. „Von der Fußgängerbrücke im Nuthepark habe ich jedenfalls noch keine solchen Klagen gehört“, so Jäkel.

Finanziert werden soll die geplante Brücke von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), welche ab dem Herbst neben dem Hauptbahnhof ihr neues Hauptquartier errichten will. Grüne, CDU und der ehemalige Inselgärtner Jörg Näthe hatten bereits Kritik an dem Vorhaben geäußert.

Auch für einen anderen Vorschlag der Linkspartei gab es Gegenwind, diesmal von Klipp: Die Linken hatten vorgeschlagen, die leer stehende RAW-Halle in der Nähe des Hauptbahnhofs von einem nicht genannten Investor sanieren zu lassen. „Denkmalgerecht wiederherstellen lässt sich die Halle nur, wenn sie für den Einzelhandel genutzt werden kann“, so Ralf Jäkel, der dazu einen Prospekt mit Grafiken präsentierte, welche das Gebäude nach einer möglichen Rekonstruktion zeigten.

Klipp empörte sich, dass die Linke den Namen des Investors nicht nenne und unterstellte: „Dieser Prospekt wurde von Rewe bezahlt und gedruckt.“ Weiterhin vermutete er das Bauunternehmen Semmelhaack, dem das Grundstück mit der RAW-Halle gehört, als Mitinitiator des Vorschlags. „Natürlich haben viele Unternehmen ein Interesse an dieser Halle, unter anderem auch Rewe“, sagte Hans-Jürgen Scharfenberg, Vorsitzender der Linkspartei Potsdam, auf Nachfrage der PNN. Die Hauptkritik Klipps galt jedoch einem anderen Punkt: „Eine Einzelhandelsnutzung an dieser Stelle würde das Einzelhandelskonzept torpedieren und eine schlechte Vorbildfunktion für andere Unternehmen haben, die das Konzept ebenfalls aushebeln wollen." Scharfenberg versuchte die Wogen zu glätten: „Wir wollen das Einzelhandelskonzept an keiner Stelle aufmachen, wir wollen nur über die Möglichkeit von Einzelhandel an diesem Ort verhandeln“, so der Linken-Fraktionschef. „Denn ich bezweifle, dass sonst in absehbarer Zeit etwas passiert, damit die Halle saniert wird.“

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