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  • 27.02.2014
  • von Erik Wenk

Vegane Angebote in Potsdam: Auf Wunsch mit Soja-Milch

von Erik Wenk

Ohne tierische Produkte. Veganer Capuccino und vegane Himbeertorte kommen im Café „good deats“ auf den Tisch. Foto: Andreas Klaer

Keine Eier, keine Milch, kein Käse – und Fleisch erst recht nicht: In Potsdam gibt es immer mehr Angebote für Veganer. Wie vegan ist die Stadt mittlerweile? Die PNN haben sich umgesehen

Bis vor wenigen Jahren mussten viele Menschen erst einmal zum Wörterbuch greifen, wenn sie das Wort „vegan“ hörten. Das hat sich mittlerweile geändert: Vegane Ernährung ist – buchstäblich – in aller Munde. Der Komplett-Verzicht auf tierische Produkte wie Milch, Käse oder Eier ist ein wachsender Trend, der auch an Potsdam nicht vorbeigegangen ist. Doch wie vegan ist die Landeshauptstadt eigentlich – und wo kann man in Potsdam vegan einkaufen, essen gehen oder kochen lernen? Wir haben uns umgesehen.

 

Vegane Gastronomie

Einen guten Überblick gibt die Internetseite www.potsdamvegan.de, die unter anderem von Mitgliedern des Vegetarierbundes Potsdam und der Gruppe „Vegan in Potsdam“ betrieben wird: Seit November 2013 kann man hier auf einer Stadtkarte nach veganen Angeboten stöbern, die durch kleine Fähnchen markiert sind. Eines davon steckt in der Kurfürstenstraße 9, wo seit dem vergangenen Jahr Potsdams erstes veganes Café, das „good deats“, zu finden ist: Inhaberin und Konditorin Melanie Schwarz bietet nicht nur vegane Torten, Cupcakes, Bagels und Salate an, sondern auch handgemachte Pralinen und Trüffel. Nur ein paar Straßen weiter liegt das „Madia“ – zusammen mit dem „good deats“ die einzigen komplett veganen Gastronomien in Potsdam: In dem Restaurant und Café in der Lindenstraße 47 gibt es täglich einen veganen Mittagstisch, auch Produkte wie Omelett-Zubereitung ohne Ei, vegane Salami oder diverse Aufstriche werden hier verkauft.

 

Auch für Veganer geeignet

Zwar nicht 100 Prozent vegan, aber für Veganer ebenfalls interessant sind zwei weitere Cafés in der Innenstadt: Im Cafe Kieselstein in der Hegelallee 23 kann man vegan frühstücken, zudem gibt es vegane Hauptgerichte, Suppen, Kuchen, Salate, Gemüsequiche und Gemüsestrudel. Milchhaltige Getränke werden auf Wunsch mit Soja-Milch zubereitet. Diesen Service bietet auch das „Filmcafé Melodie“ in der Friedrich-Ebert-Straße 12: Hier können die Gäste vegane Kekse und Kuchen genießen, seit Anfang Februar gibt es auch vegane Sandwiches.

 

Vegan frei Haus

Veganes Essen frei Haus liefert „Govindas Higher Taste“: Der vegan-vegetarische Cateringservice ist bereits seit 2007 in Potsdam ansässig. „Der Anteil vegan bestellender Kunden erhöhte sich seit etwa zwei Jahren auf ungefähr 90 Prozent, zuvor war das Verhältnis noch umgekehrt“, sagt Geschäftsführerin Katharina Rauch. Auch ein anderes Potsdamer Unternehmen hat sich der veganen Ernährung verschrieben: Ende 2013 startete die „Veganufaktur“, die ausschließlich vegane Aufstriche, Dipps oder Süßspeisen wie Himbeer-Käse-Kuchen herstellt. Kaufen kann man sie im Babelsberger Regio-Laden in der Rudolf-Breitscheid-Straße, auf Wunsch versenden die Hersteller ihre Produkte auch per Post.

 

Ein deutschlandweiter Trend

Laut dem Vegetarierbund Deutschland leben etwa 600 000 Deutsche vegan. Wie viele Potsdamer darunter sind, ist schwer zu sagen: „Ich würde den Anteil in Potsdam auf nicht mehr als einen Prozent schätzen“, sagt Melanie Schwarz. Karsten Reiter von potsdamvegan.de rechnet mit einer Zahl zwischen 500 bis zu etwa 2 000 Personen.

Veganer sehen in ihrer Ernährungs- und Lebensweise – auch Schuhe aus Leder sind bei strikter Auslegung tabu – eine Form der Vermeidung von Tierleid, haben die Probleme des weltweiten Hungers im Blick oder schlicht die eigene Gesundheit. Doch warum hat der Veganismus seit einigen Jahren so an Fahrt aufgenommen? Reiter sieht vor allem in der vermehrten medialen Thematisierung von Massentierhaltung und Lebensmittelskandalen eine Ursache dafür: „Seit der Jahrtausendwende kam das Internet als weit verbreitetes Medium dazu“, meint Reiter: „Wahrscheinlich war es diese neue Möglichkeit, sich so einfach und selbstbestimmt zu informieren, die einen recht großen Anteil an der jetzigen Entwicklung hat.“

Mensen des Studentenwerks

Besonders verbreitet ist die vegane Lebensweise unter jüngeren Potsdamern, vor allem unter Studierenden. Daher bietet das Studentenwerk Potsdam bereits seit 2010 in all seinen Mensen pro Woche bis zu drei vegane Gerichte an, weitere vegane Ess-Möglichkeiten ergeben sich durch das Kombinieren von Beilagen. „In der Mensa Am Neuen Palais gibt es in der Vorlesungszeit zusätzlich zum Rahmenspeiseplan täglich ein veganes Angebot, da hier die Nachfrage stetig wächst“, so Studentenwerkssprecherin Gudrun Wewetzer. „Dieses Angebot wird auch gern von ‚Fleischessern' angenommen, die tierische Produkte nicht täglich wollen.“

 

Vegan einkaufen

In Potsdam vegan einzukaufen ist gar nicht so schwierig: Grundsätzlich ist jeder Bio-Laden eine gute Anlaufstelle, um Tofu, Soja-Milch oder andere vegane Ersatzprodukte zu finden. Bei Potsdamer Veganern besonders beliebt ist die vergleichsweise neue Reformhaus-Filiale „Vitalia“ in den Bahnhofspassagen, da hier alle veganen Produkte deutlich als solche gekennzeichnet sind. Melanie Schwarz empfiehlt auch den „Lebensquell Biomarkt“ in der Hegelallee: „Sogar veganen Käse und Sauerrahm gibt es dort.“ Die Supermarkt-Kette Biocompany, die in Potsdam mittlerweile drei Filialen betreibt, wird ebenfalls oft von Veganern aufgesucht: „Wir machen seit gut fünf Jahren die Beobachtung, dass insbesondere Tofu, herzhafte Aufstriche sowie Soja-, Reis- und sonstige Milchersatzgetränke sehr stark nachgefragt werden“, weiß Biocompany-Vertriebsleiter Manuel Pundt zu berichten.

 

Nicht nur im Bio-Handel

Das heißt jedoch nicht, dass man als Veganer ausschließlich zum Bio-Laden laufen muss, auch im normalen Supermarkt wird man fündig: „Konventionelle Ketten wie Rewe, Edeka und vor allem Kaufland sind mit mehreren Sorten veganem Schnittkäse, veganer Sahne, Eis oder Fleischalternativen und vielen Pflanzendrinks sehr gut aufgestellt“, sagt Schwarz.

 

Vegan kochen lernen

Wer lernen will, vegan zu kochen, hat derzeit noch wenig Möglichkeiten in Potsdam: Die Veganufaktur bietet auf Nachfrage Kochkurse an, die allerdings in der Siemens-Life-Kochschule in Dallgow-Döberitz stattfinden. Das „good deats“ plant, spätestens ab März regelmäßige Informationsveranstaltungen sowie Koch- und Backkurse anzubieten, möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.

 

Sport vegan

Dass vegane Lebensweise weit über die Ernährung hinausgeht, zeigen die „Vegan Runners Potsdam“, eine lokale Laufgruppe der Vegan Runners BBI, die regelmäßig an sportlichen Veranstaltungen teilnehmen: „Wir entkräften so aktiv den Klassiker der Vorurteile, dass Veganer blass, depressiv, unterernährt und schwach seien“, sagt Kira Rehfeld von Vegan Runners BBI. Rund zehn Potsdamer sind bei den Vegan Runners, die dieses Jahr zum Beispiel am Schlösserlauf teilnehmen werden. So mancher Zuschauer ist überrascht, wenn er die veganen Sprinter sieht: „Bei jedem Lauf, bei dem wir teilnehmen, hört man vom Straßenrand Sätze wie: ‚Kuck mal, die sieht noch ganz fit aus, kann die wirklich vegan leben?'“, sagt Rehfeld.

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