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  • 10.12.2013
  • von Henri Kramer

Mit falschem Etikett

von Henri Kramer

Das Ordnungsamt geht vermehrt gegen illegal aufgestellte Altkleidercontainer in Potsdam vor

Es geht um gebrauchte Jeans und Pullover, die auch für sozial bedürftige Menschen bestimmt sind. Doch bei Altkleidersammlungen gibt es schwarze Schafe: Das Potsdamer Ordnungsamt muss vermehrt gegen illegal aufgestellte Altkleidercontainer in der Landeshauptstadt vorgehen. Das bestätigte Stadtsprecherin Christine Weber auf Anfrage.

Seit Anfang 2012 seien rund 60 solcher Container sichergestellt worden, so Weber: „Sie werden zeitnah weggeräumt, wenn wir sie entdecken.“ Dazu führten Mitarbeiter der Stadtverwaltung regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen durch, zudem sei man auf Hinweise von aufmerksamen Bürgern angewiesen. Zu den Firmen, die die Container illegal aufstellen, machte Weber aus Datenschutzgründen keine Angaben. Es würden aber Bußgeldverfahren eingeleitet. Die Polizei teilte mit, solche Fälle seien keine Angelegenheit für die Ermittlungsbehörde.

Derzeit stehen in Potsdam laut Weber 147 genehmigte Altkleidercontainer an 119 verschiedenen Stellen. In diesen werden pro Jahr und 600 Tonnen Alttextilien und -schuhe gesammelt. Die Container werden von der Firma FWS GmbH mit Sitz in Bremen geleert und gewartet. „Die richtigen Container können Bürger daran erkennen, dass Name und Telefonnummer dieser Firma darauf zu lesen sind – sowie ein Vermerk, dass im Auftrag der Landeshauptstadt Potsdam gehandelt wird“, sagte Weber. Ebenso finde sich im Internet unter www.potsdam.de eine Liste aller genehmigten Container.

Auch bei der FWS ist man sich des Problems der illegalen Konkurrenz bewusst, auch wegen Erfahrungen aus anderen Kommunen. „Dieses Phänomen gibt es schon seit Jahren“, sagte FWS-Chef Rainer Binger den PNN. Gerade in Großstädten seien zum Teil Hunderte illegale Container gefunden worden. Nach seinen Erkenntnissen würden die Aufsteller die Waren weiter nach Osteuropa verkaufen – statt sie etwa für karitative Zwecke einzusetzen. Im Klartext: Spendenwillige werden bei den illegal aufgestellten Containern irregeführt.

Die FWS hat für sich andere Maßstäbe gesetzt. Im Leitbild des Unternehmens werden die ressourcenschonende und transparente Verwertung der Alttextilien sowie deren gesetzeskonforme, sach- und fachgerechte Weiterverarbeitung betont. In mehreren Sortierbetrieben würden die Altkleider nach bis zu 250 Kriterien von Hand sortiert. Je nach Qualität und Bedarf würde die Kleidung dann verwertet - „vom Schnäppchen im Secondhand-Shop über weltweite Märkte bis zur Weiterverarbeitung nicht mehr tragfähiger Kleidung“ – etwa als Dämmstoff. FWS-Chef Binger sagte, es bestehe ein weltweiter Bedarf an gebrauchter Kleidung, rund 70 Prozent der Weltbevölkerung würden Studien zufolge Second-Hand-Ware tragen. Dies sei schon deshalb der Fall, weil weltweit gar nicht genug Baumwolle produziert werde, um alle Menschen mit neuer Kleidung zu versorgen. Zu den langjährigen Partnern der FWS gehören diverse Hilfsorganisationen wie die Caritas.

Für Potsdam bringt die Arbeit der FWS bares Geld in die Stadtkasse. Denn das System funktioniert laut Stadtsprecherin Weber so: Die Stadt erhält von der FWS GmbH einen nicht näher bezifferten Erlös aus der Altkleider-Verwertung. „Dieser Ertrag fließt gebührenmindernd in die Abfallgebührenkalkulation ein“, so Weber. Zugleich werde der Auftrag zur Altkleidersammlung regelmäßig ausgeschrieben. Der Vertrag mit der FWS laufe zum 31. März 2014 aus. Eine neue europaweite Ausschreibung für einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag hat bereits begonnen.

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