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  • 11.04.2013

Großer Applaus für Beethoven-Vortrag

Zum Vortrag des Musikwissenschaftlers Dr. Matthias Kornemann über Beethovens 32 Klaviersonaten in der Potsdamer Urania am 15.März
Die Verbindung des fundiert und eloquent vorgetragenen musikwissenschaftlichen Vortrags mit den live gespielten Musikbeispielen und – als krönendem Abschluss – der technisch fulminanten und emotional berührenden Darbietung von Beethovens „Appassionata“ durch die Pianistin Tamara Kornemann war absolut gelungen. Kornemann führte zunächst aus, wie für den Dirigenten Hans von Bülow Beethovens Klaviersonaten den geradezu religiös gefärbten Rang eines Neuen Testamentes der Musik innehatten. Von diesem heroisierenden und immer noch nachwirkenden Beethovenbild des 19. Jahrhunderts hob sich das feinsinnig und mit manchen humorvollen Spitzen gezeichnete Bild Kornemanns deutlich ab. Was dem genial begabten Wunderkind Mozart zufiel, das musste sich Beethoven durch Fleiß hart erarbeiten. Größere Gegensätze sind in der damaligen Zeit nicht denkbar. Hier Mozart, mit fertigen Partituren im Kopf, die er „nur noch“ niederschreiben brauchte, dort Beethoven, dessen musikalische Ideen oft jahrelang in den „Skizzenbüchern“ wie in einem Laboratorium immer wieder umgewälzt wurden. Kornemann vermittelte dem Publikum in anschaulichen Vergleichen einen Zugang zu der einerseits merkwürdig unpersönlichen Tonsprache einiger Sonaten, die andererseits aber ungeheure emotionale Spannungen im Dialog oder im Gegeneinander der musikalischen Gedanken aufzubauen vermögen.
Deutlich wurde, in welchen Widersprüchen ein musikalisches Genie wie Beethoven sich sein Leben lang bewegte, wie wenig eindeutig fassbar er damit ist, und wie Beethoven selbst in diesen scheinbar unlösbaren Widersprüchen eine Ordnung, eine Ganzheit suchte, die er letztlich nur in den durchgeformten Welten der Musik fand. Großer Applaus am Ende.
Jürgen Motog, (Haus der Klänge) Caputh

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