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  • 09.04.2013
  • von Peter Könnicke

Posse um SVB-Trainer macht Chaos perfekt Notvorstand des Fußball-Drittligisten will Coach Benbennek beurlauben – und scheitert vorerst

von Peter Könnicke

Babelsberg - Der personelle Wirbel beim Fußballdrittligisten Babelsberg 03 hat jetzt auch die sportliche Ebene und ein neues Maß an Chaos erreicht: Nach einer Reihe von Funktionärsrücktritten, der Neuformierung der Vereinsspitze, die wiederum aufgrund rechtlicher Mängel vorläufig deaktiviert und durch einen Notvorstand ersetzt wurde, steht nun Cheftrainer Christian Benbennek zur Disposition. Eine Beurlaubung des 40-Jährigen durch den Notvorstand am Montag musste Stunden später wieder aufgehoben werden. Der Trainer und dessen Anwalt sollen erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens deutlich gemacht haben.

SVB-Führungsmitglied Archibald Horlitz wollte die Ereignisse auf PNN-Anfrage nicht kommentieren. „Dazu kann ich mich derzeit nicht äußern“, sagte der Unternehmer, der gemeinsam mit dem Rechtswissenschaftler Goetz Schulze vom Amtsgericht in der vergangenen Woche zum Notvorstand berufen wurde. Horlitz verwies auf den heutigen Dienstag: Am Vormittag soll ein Gespräch mit Benbennek und dessen Anwalt geführt und die weitere Zukunft des Trainers geklärt werden. Ob es überhaupt noch eine vertrauensvolle und würdige Zusammenarbeit geben kann, ist offen. Das gestrige Training wurde von Ex-Babelsberg-Profi Almedin Civa und dem aktuellen Co-Trainer Cem Efe geleitet.

Es muss – mal wieder – ein turbulenter Tag hinter den Kulissen des SVB gewesen sein, dessen Nähe zur Filmstätte in Babelsberg zunehmend groteske Züge annimmt. Am frühen Vormittag war es Benbennek selbst, der über seine Demission informierte und zugleich betonte, sie rechtlich anzufechten. Denn es sei fraglich, ob der Notvorstand überhaupt eine solche Personalentscheidung vornehmen dürfe. Im Rahmen seiner Einführung durch das Amtsgericht Potsdam in der Vorwoche wurde der Interimsführung auferlegt, eine Mitgliederversammlung einzuberufen, auf der ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden soll, der wiederum einen neuen Vorstand bestimmt. Das soll am 17. April geschehen. Zudem dürfe der Notvorstand laut Amtsgericht nur unaufschiebbare Rechtsgeschäfte und Handlungen vornehmen, die die Arbeit des Vereins sicherstellen. Ob eine Trainer-Beurlaubung dazugehört, zweifelt zumindest Benbennek an. Der Potsdamer Rechtsanwalt Götz Friederich, der den Notvorstand rechtlich berät, konnte sich auf PNN-Anfrage mit Verweis auf seine Schweigepflicht nicht zu der Frage äußern.

Ein moralisches Urteil wurde sich hingegen in Kreisen des ruhenden Vorstandes schnell gebildet. Dieter Wiedemann, der erst vor wenigen Wochen als Nulldrei-Präsident angetreten war und durch den Beschluss des Amtsgerichts vor wenigen Tagen quasi zum Zuschauer degradiert wurde, soll von den Trainer-Plänen des Notvorstandes nichts gewusst haben. Vielmehr soll er erst am vergangenen Freitag Benbennek das Vertrauen ausgesprochen haben. Als „beispielloser Akt“ wurde das Vorgehen des Notvorstandes daher bezeichnet. Beobachter der gestrigen Trainingseinheit empfanden es zudem als unangemessen, dass ein lediglich für kurze Zeit berufener Notvorstand sich die Trainerfrage zur Handlungsmaxime macht und zusätzlich zur Frage der Handlungsfähigkeit der Vereinsspitze Unruhe in die Mannschaft bringt, die am morgigen Mittwoch die Reserve des VfB Stuttgart zum Nachholspiel empfängt.

Dass der 40-jährige Benbennek nach seiner ersten Saison am Babelsberger Park keine Zukunft haben wird, scheint indes allen Beteiligten klar. Schon vor Tagen gab es Stimmen aus dem Vorstand, dass der Vertrag mit dem Trainer nicht verlängert werden soll. Denn die sportliche Bilanz ist ernüchternd: Der Drittligist dümpelt seit Wochen auf einem Abstiegsrang, holte aus den vergangenen zehn Partien sechs magere Punkte. Dem selbst auferlegtem Anspruch „attraktiven und geilen“ Fußball zu spielen, wurde Benbennek nie gerecht. Von vielen Fans wird er mehr geduldet als gemocht: Von Beginn an lag über seiner Verpflichtung der Schatten der von vielen Anhängern und Mitgliedern nicht nachvollziehbaren Beurlaubung des populären Coaches Dietmar Demuth – was laut einer Aussage des inzwischen ebenfalls beurlaubten Geschäftsführers Klaus Brüggemann dem Verein in dieser Spielzeit 150 000 Euro an Abfindung gekostet haben soll. Auch Benbenneks Beurlaubung würde die Vereinskasse – wenn auch nur für den Rest der Saison – belasten.

Fakt ist: Die Trainer-Posse macht deutlich, dass auch in den kommenden Wochen keine Ruhe beim SVB einziehen wird. Denn so geteilt, wie sich Notvorstand und die Führungspitze in Wartestellung um Dieter Wiedemann beim Umgang mit Benbennek präsentieren, so sehr wird sich um die Vorstandsposten gestritten werden, die nach dem 17. April zu vergeben sind.

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