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  • 25.03.2013
  • von Günter Schenke

Potsdamer Stadtentwicklung: Missverständnisse am Brauhausberg

von Günter Schenke

Haben einen Plan. Die Architekten des Siegerentwurfs aus dem städtebaulichen Wettbewerb zum Brauhausberg Christopher Kühn (2.v.l.) und Markus Löffler (rechts) erklärten am Samstag ihren Entwurf. Der Potsdamer SPD-Chef Mike Schubert (links) hörte zu. Foto: Manfred Thomas

Ob die als Mauer kritisierte Pergola um das geplante Freibad tatsächlich gebaut wird, ist noch nicht sicher. Der Architekt Markus Löffler sprach bei einem Vor-Ort-Termin am Samstag von Missverständnissen.

Templiner Vorstadt – Ortstermin am Brauhausberg: Bei der künftigen Gestaltung sei es keineswegs sicher, dass die von vielen als Mauer kritisierte Pergola um den Freibadbereich tatsächlich gebaut wird. Das wurde am Samstagnachmittag bei einem Treffen des Architekten des Siegerentwurfs aus dem städtebaulichen Wettbewerb, Markus Löffler, mit Vertretern der Potsdamer SPD deutlich.

Verwirrende Bilder, eine konfuse Diskussion im Internet und vor allem eine zweihundert Meter lange „Mauer“ unterhalb des Brauhausberges hatten laut Marcel Piest vom SPD-Ortsverein Potsdam-Süd einen Treff vor Ort geradezu herausgefordert. „Es sind Missverständnisse entstanden“, erklärte Architekt Markus Löffler und breitet bei „gefühlten minus 20 Grad Celsius“ im scharfen Ostwind seine Wettbewerbsentwürfe aus. Die Architekten Löffler und Markus Engel waren wie berichtet Anfang März zum Sieger im Brauhausberg-Wettbewerb gekürt worden.

„Es handelte sich lediglich um einen städtebaulichen Ideenwettbewerb“, erklärte Löffler den circa 30 Teilnehmern am Vor-Ort-Termin. Dabei sei es um die Gestaltung des Hanges und die Verteilung der Baumassen gegangen. Die nächste Stufe sei ein Realisierungswettbewerb, für den sich zwanzig Büros beworben hätten. „Auch wir sind eingeladen“, erklärte Löffler, der sich mit Christopher Kühn den Fragen der Ortsvereinsmitglieder stellte. Kühn hat als Architekt am Projekt mitgearbeitet und sitzt für die Liberalen als sachkundiger Einwohner im städtischen Bauausschuss.

SPD-Kreischef Mike Schubert will aus dem Rundgang Schlussfolgerungen für die Position seiner Stadtverordneten-Fraktion ableiten. Die Bauverwaltung will bis zum Sommer den Entwurf eines Bebauungsplanes vorlegen, der auf dem Löffler/Engel-Entwurf fußt.

Bei der kritisierten „Mauer“, die das Freigelände der neuen Schwimmhalle gegen den Verkehr am Leipziger Dreieck akustisch abschirmen soll, handelt es sich laut Löffler um eine Pergola, definitionsgemäß um einen überrankten Pfeiler- oder Säulengang. Dieser besteht nach den veröffentlichten Abbildungen aus einer etwa drei Meter hohen Wand mit darauf aufgesetzten noch einmal so hohen Säulen. „Abschottend“ wirke diese Konstruktion, sagen die Kritiker. Löffler: „Die Aufregung ist sinnlos“, denn die Pergola, die im Übrigen dem „Potsdamer Gartenthema“ entspreche, sei überhaupt nicht festgelegt. Im Realisierungswettbewerb könnten ganz andere Projekte, etwa ein Lärmschutzwall, herauskommen. Eines aber sei klar: „Wo so viele Autos vorbeifahren, ist es auf einer Liegewiese nicht sehr gemütlich.“ Die Grundzüge des Löfflerschen Entwurfs enthalten folgende Eckpunkte: ein neues Sport- und Freizeitbad mit Tiefgarage unterhalb der alten Schwimmhalle, im Anschluss daran die Liegewiese mit der Pergola und am Berghang bis zu 15 Stadthäuser mit 176 Wohnungen auf einer Bruttogeschossfläche von 19 000 Quadratmetern. Christopher Kühn bestreitet, dass es sich um „Stadtvillen für Reiche“ handele. In jedem Haus befänden sich 14 Wohnungen, die mit wenigen Treppenhäusern preisgünstig gebaut werden könnten. „Für unsere Planung war entscheidend, dass der Blick vom Bahnhofsvorplatz zum Brauhausberg frei bleibt“, erklärten die Architekten. Thomas Hintze von der Initiative Pro Brauhausberg sagt: „Löffler hat sich erstmals mit den Sichtbeziehungen befasst.“

Zur Zukunft der Ruine des Terrassenrestaurants „Minsk“ äußerten sich die Architekten offen, sehen das Gebäude als erhaltenswert an. Entscheidend sei, ob sich ein Investor findet, so Löffler. Es bestehe zudem die Gefahr, dass durch neue Nutzungen und gesetzliche Vorgaben wie der Energiesparverordnung der Bau anschließend nicht mehr wiederzuerkennen sei.

 Hintergrund: Wettbewerb und Standortsuche

Alle 14 Entwürfe und Modelle des Wettbewerbs für die Gestaltung des Brauhausbergs werden ab dem 9. April in den Bahnhofspassagen öffentlich zu sehen sein. Den Wettbewerb hatte das Potsdamer Büro Löffler und Engel gewonnen. Als nächsten Schritt haben die Stadtwerke am Freitag den Architektenwettbewerb für das Bad gestartet. Unter 20 teilnehmenden Büros, darunter der Erst- und der Zweitplatzierte des städtebaulichen Wettbewerbs, wird das beste Konzept gesucht. Aufgabe sei es, den Badneubau im auf 23 Millionen Euro gedeckelten Kostenrahmen zu halten und es qualitativ herausragend zu gestalten. Das Bad soll Ende 2016 eröffnet werden. Der Standort des Bades ist seit Jahren umstritten. Zuletzt sollte das Bad im Bornstedter Feld neu gebaut werden – bezahlt mit den Erlösen aus dem Grundstücksverkauf am Brauhausberg. Doch es kam anders: An einer Bürgerbefragung im vergangenen Jahr beteiligten sich 70 000 Potsdamer. Zwei Drittel wollen ein Bad am Brauhausberg, nur ein Drittel votierte für den Standort Volkspark. (PNN)

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