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  • 19.12.2012
  • von Peter Könnicke

Hohe Wellen statt ruhiges Fahrwasser

von Peter Könnicke

In ruhiges Fahrwasser? SVB-Geschäftsführer Klaus Brüggemann (r.) verteidigte am Dienstag die Umwandlung des DKB-Darlehens in Genussscheine, die dem Drittligisten ein Plus von 1,3 Millionen Euro beschert. Die Vereinsvorstände Dirk Petermann und Frank H. Walter-von Gierke (1.u.2.v.l.) sollen die Geschicke des Vereins kommissarisch leiten – bis die Mitgliederversammlung Ende Januar einen neuen Vorstand wählt. Foto: Andreas Klaer

Sichere Drittliga-Lizenz und mehr Kapital – doch der Vereinschef geht im Zorn von Bord

Wenn Klaus Brüggemann von einer „runden Sache“ spricht, liegt das in der Natur der Dinge. Schließlich ist er Geschäftsführer beim Fußball-Drittligisten Babelsberg 03. Bei seiner gestrigen Erklärung hatte Brüggemanns Bewertung indes weniger einen sportlichen, sondern einen geschäftlichen Hintergrund: Durch ein Geschäft mit der Deutschen Kreditbank (DKB) steht vor der Bilanz des latent klammen Vereins plötzlich ein Plus von 1,3 Millionen Euro. Bislang hieß die Sprachregelung: Unterdeckung des Eigenkapitals.

Die DKB hat dem Verein für 1,3 Millionen Euro Genussscheine abgekauft – eine Art Wertpapier. Wenige Tage für Weihnachten jubelt der halbe SVB-Vorstand über den Geldsegen. „Ein Geschenk“, freut sich Frank H. Walter-von Gierke über die Vertragspapiere in seinen Händen: „So fühlen sich 1,3 Millionen an.“

Dass es nicht wirklich frisches Geld ist, was die DKB in die chronisch lichte Vereinsschatulle gesteckt hat, tut der Freude keinen Abbruch. Denn tatsächlich hat die Bank lediglich ein Darlehen umgewandelt, das sie dem Drittligisten zur Rettung der Lizenz und zur Sicherung des Saisonetats ohnehin gewährt hatte. Jetzt hält die Bank sogenannte Genussscheine am SVB: Eine Art Aktie oder Anleihe, dessen Ursprungswert – 1,3 Millionen Euro – der SVB nach fünf Jahren an die DKB zurückzahlen muss. Macht der Verein Gewinn oder ein Umsatzplus, werden außerdem Zinsen an die Bank fällig. Umgekehrt verliert die Bank Geld, wenn der Verein Verlust macht und die ursprünglich angelegte Summe nicht zurückzahlen kann.

Bereits nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Friedhelm Schatz am vergangenen Freitag begannen die Spekulationen, ob und wie sich die DKB ihr Engagement vergüten lässt. Immerhin handelt es sich um eine Unternehmen, das sein Geschäft mit Geld macht. Schatz sprach von vermeintlichen „Spielregeln“ der DKB, die er ablehne und die ihn zum Rücktritt bewogen.

Und dass nicht alle im Vorstand den Deal mit der Bank für eine runde Sache halten, belegen vier weitere Rücktritte: Gestern nahm SVB-Präsident Thomas Bastian seinen Hut, was selbst Jann Jakobs (SPD) in seinem Oberbürgermeisterbüro mit Bedauern zur Kenntnis nahm. Auch Schatzmeister Henrik Woithe und der Fanbeauftragte Jens Lüscher traten zurück. Nicht wegen der Genussscheine, wie Bastian ausdrücklich in einer schriftlichen Erklärung mitteilt – einen öffentlichen Auftritt und weitere Stellungnahmen lehnte er ab. Die finanzielle Regelung, so Bastian, habe er ausdrücklich befürwortet. Sie lasse eine längerfristige Perspektive für den Verein zu. Dennoch sei er „außerordentlich enttäuscht, dass wir mitten in den strategischen Planungen durch unverständliche Störfeuer behindert wurden“, beklagt Bastian. Und die vermeintlichen Heckenschützen sichtet er – genauso wie Schatz – bei der DKB.

Die verbliebenen zwei der fünf Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer Brüggemann sind bei so viel Zündstoff in der Nulldrei-Atmosphäre um Entschärfung bemüht. Ansprüche der DKB, die Geschicke des Vereins zu beeinflussen und die strategische Ausrichtung mitzubestimmen, hätte man nie geduldet. „Dann hätten wir die Vereinbarung nicht unterschrieben“, versichert Walter-von Gierke. Natürlich stelle sich die Frage, warum die DKB ohne Gegenleistung ihr eigenes Darlehen quasi kauft und das Risiko eingeht, es nach fünf Jahren nicht einmal komplett zurückzubekommen. Zumal, wie Brüggemann selbst einräumt, „der Verein augenscheinlich keine große Perspektive“ und wenig Sponsoren hat. Nach den Worten des verbliebenen Vorstandsduos sei die DKB von der begonnenen professionellen Ausrichtung des Vereins, der sportlichen Entwicklung sowie vom neuen Nachwuchskonzept angetan. „Es ist das überzeugende Gesamtpaket“, versichert Brüggemann, was die DKB zu einem Bekenntnis verführt habe.

Nun hofft der Geschäftsführer auf Nachahmer. Denn die „Professionalisierung des Vereins“ sei durch die DKB gestärkt worden, das werde weitere Sponsoren überzeugen, so Brüggemanns Hoffnung. Diese zu finden bleibe erste Pflicht.

Das sieht der geschiedene Präsident Bastian genauso: „Bei der Einwerbung von Sponsorengeldern kann es nur von Vorteil sein, wenn in den Gremien jetzt Ruhe einkehrt“, sagte er. Deshalb werde er auch keine weiteren Ausführungen machen. Nach einer wirklich runden Sache klingt das noch nicht beim SVB.

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