21.09.2017, 15°C
  • 17.12.2012
  • von Hella Dittfeld

Keine Eier, keine Milch, keine Butter

von Hella Dittfeld

Der Vegetarierbund ist seit Kurzem auch in Potsdam aktiv: Jetzt organisierten die Veganer ein Weihnachtsbacken

Es geht mehr als vegetarisch zu, als am Samstag ins Madia Café in der Lindenstraße zum vorweihnachtlichen Plätzchenbacken eingeladen wird. Alle tierischen Produkte sind als Zutaten ausgeschlossen, sogar Eier und Milch und Butter. Felix Engelhardt, der den Backworkshop der besonderen Art organisiert, ist seit vier Jahren Vegetarier und hat vor zwei Jahren den Schritt zum Veganer gemacht. Der 25-jährige Potsdamer Jura-Student lehnt nun nicht mehr nur Fleisch und Wurst ab. Er ernährt sich ausschließlich von den Früchten des Feldes und des Gartens. Es gebe für alles pflanzliche Angebote, statt der Milch zum Beispiel die Pflanzendrinks auf Sojabasis, sagt er. Kalzium oder Proteine lieferten Hülsenfrüchte oder Vollkorngetreide.

Karsten Reiter ist schon seit 20 Jahren Vegetarier. Der 41-Jährige verzichtet bei seiner Tomaten-Quiche ebenfalls völlig auf tierische Zutaten und meint, dass vegetarisch kochen eher billiger werde als die übliche Vollkost. Der Geologe wohnt in einer WG, kocht meistens selbst und hat zum Essen auch schon seine Mitbewohner eingeladen. Die seien zufrieden mit seinen Kochkünsten, sagt er. Sie wüssten ja, was sie erwartet. Während die Quiche im Herd „heranreift“, darf schon mal die Kürbissuppe gekostet werden und die erweist sich als ausgesprochen lecker.

Die Regionalgruppe Potsdam des Vegetarierbundes Deutschland e.V. gibt es noch nicht lange, erst seit Oktober dieses Jahres. Die Plätzchenbackaktion soll ein Auftakt sein, um die nach eigenen Angaben älteste Interessenvertretung vegetarisch lebender Menschen in Deutschland bekannter zu machen. Felix Engelhardt legt Wert darauf, dass es sich bei den Vegetariern und Veganern nicht im einen illustren Kreis handelt, sondern um Menschen, die zum Nachmachen und Mitmachen einladen wollen. Im nächsten Jahr soll es deshalb einmal im Monat einen öffentlichen Stammtisch geben, der über das Anliegen der Gruppe informiert und der auch praktische Tipps für die pflanzliche Ernährung gibt. Denn Engelhardt und Reiter sind sich sicher, dass es den Essern auch ohne Fleisch und Wurst, Eier und Käse an nichts fehlt und dass sich alle tierischen Produkte durch pflanzliche ersetzen lassen, ohne dass es zu Mangelerscheinungen kommt.

Die erste Einladung zum vegetarischen Backen und Kochen zeitigte schon einen guten Erfolg. Kinder rühren eifrig den Lebkuchenteig und können es kaum erwarten, dass er ausgebacken ist, die Zuckerglasur fest wird und sie kosten dürfen. Später sollen dann auch noch Mandel-Zimt- Sterne und Marzipan-Nougat-Plätzchen in den Ofen geschoben werden. Auf die Zutaten wie Mandeln, Nüsse, Gewürze und Zitronensaft kann man sich verlassen und der pflanzliche Ersatz für Eier und Milch zumeist auf Sojabasis rundet den Geschmack zufriedenstellend ab.

Auch die Knabberstangen, an denen drei Studentinnen, die bisher wenig mit vegetarischen Essen zu tun hatten, mitformen, können überzeugen. Man sei neugierig gewesen und sei deshalb zum Workshop gekommen, sagt Katharina. Line, die in Potsdam gerade ihr Deutsch aufbessert, kommt aus der französischsprachigen Schweiz und hat schon zeitweise vegan gelebt, erzählt sie. Zwölf zumeist junge Leute haben sich um den großen Tisch versammelt, an dem der Lebkuchenteig für die Knabberstangen ausgerollt wird.

Für Felix Engelhardt haben seine veganen Essgewohnheiten nichts mit Fasten oder Verzicht zutun. Für ihn ist es eine Philosophie, die ausschließen soll, dass durch sein Konsumverhalten Tieren Leid zugefügt wird. Es müsse Schluss sein mit der industrialisierten Massentierhaltung und einem Fleischkonsum, der Tierquälerei zur Grundlage hat und außerdem ungesund ist. Ein generelles Umdenken sei unbedingt nötig, meint der Jura-Student und will durch seine Öffentlichkeitsarbeit und sein Beispiel dazu beitragen. Seit er sich vegan ernähre, sei er noch nie krank gewesen, kenne so etwas wie Kopfschmerzen überhaupt nicht mehr, im Gegenteil, er sprühe vor Energie, versichert er.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!