17.07.2018, 27°C
  • 05.12.2012
  • von Erik Wenk

100 Mark-Schein als Lesezeichen

von Erik Wenk

Kein Märchen. Seit zwei Wochen ruft die Bürgerstiftung Potsdam dazu auf, alte Bücher, CDs oder DVDs, für die man keine Verwendung mehr hat, bei der gemeinnützigen Organisation abzugeben. Sie sollen für einen guten Zweck wieder verkauft werden. Foto: Andreas Klaer

Vor Weihnachten sammelt die Bürgerstiftung Bücher und lädt zum Wichteln am Nikolaustag ein

Bereits ein kurzer Blick auf den Bücherberg zeigt die Vielfalt der Spenden von Potsdamer Leseratten: Märchen, John- Grisham-Thriller, Kochbücher, Martin Walser-Romane und Science-Fiction-Taschenbücher von Heyne. Seit etwa zwei Wochen ruft die Bürgerstiftung Potsdam dazu auf, alte Bücher, CDs oder DVDs, für die man keine Verwendung mehr hat, bei der gemeinnützigen Organisation abzugeben. Für einen kleinen Obolus von ein bis zwei Euro pro Stück werden sie am 8. Dezember von neun bis 15 Uhr an einem Stand auf dem Wochenmarkt am Nauener Tor verkauft. Danach soll es noch weitere Termine geben, die allerdings noch nicht feststehen.

Die Idee für die Aktion kam aus Sachsen: „Die Bürgerstiftung Dresden hatte letztes Jahr etwas Ähnliches gemacht und die Bücher dann auf dem Weihnachtsmarkt verkauft“, sagt Gabriele Müller, Geschäftsführerin der Bürgerstiftung. Der Erlös wird gemeinnützigen Projekten zugute kommen – welchen, muss noch entschieden werden. Potsdamer Institutionen können ab sofort bei der Bürgerstiftung Vorschläge einreichen.

Die Initiative fand sofort Anklang: Nach nur einer Woche waren schon über 1000 Bücher zusammengekommen, derzeit sind es circa 1400 sowie etwa 50 CDs und 30 DVDs. „Dabei haben wir nur online dafür geworben“, sagt Müller, „auf unserer Webseite und auf Facebook“. Teilweise haben die Spender ihre Bücher selbst gebracht, zum Teil wurden sie auch von den Mitarbeitern der Bürgerstiftung abgeholt. Viele Spender hätten sich gefreut, dass sie ihre alten Bücher verschenken und gleichzeitig etwas Gemeinnütziges tun konnten, sagt Marie-Luise Glahr, Vorstandsmitglied der Stiftung. Eine besonders schöne Überraschung für die Ehrenamtler war ein Bücherpaket aus Köln: „Auch von dort wollte jemand etwas schicken, weil er die Aktion so toll fand“, meint Müller. „Er hat sogar gesagt, er würde das Porto dafür übernehmen.“

Bei den Büchern handelt es sich keineswegs nur um ausgelesene Groschenromane. Es gibt sowohl gebundene als auch Taschenbücher, erst wenige Jahre alte Romane als auch antiquarische Werke in gotischen Lettern, Literatur-Klassiker, Bildbände, DDR-Kinderbücher und hochwertige Sach- und Fachliteratur. „Es sind auf jeden Fall ein paar Schätze dazwischen“, sagt Felix Müller-Stüler, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. Er verweist auf einige „Dehio“-Handbücher: „Das gehört für jeden Kunsthistoriker zum Handwerkszeug“, so Müller-Stüler. „Diese alten Ausgaben sind ein Schnäppchen für jeden Kunstgeschichtsstudenten.“

Aber nicht nur einige der Bücher sind Schätze, auch zwischen ihren Seiten stecken manchmal wertvolle Dinge: „In einem Buch haben wir einen alten 5000-Reichsmark-Geldschein gefunden, in einem anderen einen 100-D-Mark-Schein“, sagt Gabriele Müller. Warum die Scheine dort steckten, darüber können die Ehrenamtler nur spekulieren, möglicherweise dienten sie als Lesezeichen. Während das Inflationsgeld längst wertlos ist, kann man den D-Mark-Schein noch umtauschen. Die Stiftung kontaktierte daher den ehemaligen Besitzer des Buches, der den Schein jedoch gerne spendete. Auch dieses Geld wird künftig für die Finanzierung von Projekten bereitstehen.

Was nach den Standverkäufen noch übrig ist, will die Stiftung bei Ebay veräußern. Deshalb fotografiert Gabriele Müller bereits jetzt vorsorglich alle gespendeten Bücher, falls sie später bei dem Online-Auktionshaus eingestellt werden. Wenn dann noch Bücher, CDs oder DVDs übrig sind, werden sie an Bibliotheken verschenkt.

Die Potsdamer Bürgerstiftung wurde 2011 gegründet und hat derzeit neun Mitarbeiter. Die Stiftung hatte zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) den Marktplatz 2012 organisiert und setzt sich für die Einführung der Ehrenamtskarte in Brandenburg ein.

Ein Teil der Einnahmen aus den Buchverkäufen soll auch in das Projekt „Potsdam wichtelt“ gesteckt werden, bei dem sich die Stadt in einen riesigen Adventskalender verwandeln soll: Die Bürgerstiftung möchte die Potsdamer dazu animieren, am Abend des 5. Dezember oder am Nikolaus-Morgen kleine Geschenke unter fünf Euro regensicher zu verpacken und an Türen, Gartenzäune, Fenster oder Laternenpfähle zu hängen. Jeder, der will, kann mitmachen und sich natürlich auch ein Geschenk mitnehmen.

www.potsdamer-buergerstiftung.de

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!