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  • 05.10.2012
  • von Erik Wenk

Mit Sonderangebot für PNN-Abonnenten: Mit 16 in Monte Carlo

von Erik Wenk

Die Chefin im Verzehrtheater. Sabrina Bienas war jahrelang als Artistin in Europa unterwegs. Dann gründete sie ihren eigenen Zirkus – einen speziellen, denn bei „Dinner für Fun“ gibt es Akrobatik und Comedy zum Vier-Gänge-Menü. Foto: promo

Sie kommt aus einer Artistenfamilie, war selbst Akrobatin. Heute leitet Sabrina Bienas das Verzehrtheater „Dinner For Fun“

Für den ersten öffentlichen Auftritt ihrer Tochter wählten Sabrina Bienas’ Eltern einen besonderen Ort. Beim Zirkusfestival in Monte Carlo durfte die damals 16-Jährige aus Eggersdorf nahe Strausberg erstmals mit ihren Eltern in die Manege. Ihre Aufgabe als junge Artistin: Sie kletterte an der sogenannten Perche-Stange, die ihr Vater auf der Stirn balancierte. Alles ging gut, und nervös war Bienas trotz der Premiere nicht: „Ich habe als 16-Jährige da nicht viel drüber nachgedacht und blieb ganz cool.“ Außerdem sei das Festival noch nicht so alt und bekannt wie heute gewesen.

Doch der erfolgreiche Auftritt hatte für Bienas Folgen. Zwölf Jahre lang arbeitete sie mit ihren Eltern, danach baute sie eine eigene Nummer als Luftakrobatin mit Strapaten auf – eine Darbietung, die viel Kraft erfordert, denn Strapaten sind Stoffbänder, an denen man sich ähnlich wie an Luftringen festhält und Figuren vollführt. „Zwei russische Artisten hatten das kurz zuvor erfunden“, sagt Bienas, „ich glaube, ich war die erste Frau überhaupt, die mit Strapaten gearbeitet hat.“ Damit tourte die Artistin weitere zwölf Jahre lang durch Europa, bis sie im Alter von 40 Jahren mit der Luftakrobatik aufhörte: „Das sollte man lieber dem jungen Volk überlassen“, sagt sie und lächelt. Ihr Vater habe erst mit 60 aufgehört, als Akrobat zu arbeiten – ungewöhnlich spät für einen Artisten.

Bienas stammt aus einer Artistenfamilie, schon ihre Großeltern waren beim Zirkus. „Der Vater meines Vaters ist damals als Kraftmensch aufgetreten. Die Mutter meiner Mutter wiederum war Köchin bei einem Zirkus. Dadurch hat meine Mutter Zirkusluft geschnuppert, wollte auch Artistin werden und hat darüber meinen Vater kennen gelernt.“ Beide traten in der damaligen DDR gemeinsam unter dem Namen „Esperantos“ auf. Sie entwickelten eine sogenannte Perche-Darbietung, bei der Bienas Vater eine lange Stange auf der Stirn balancierte, an der bis zu zwei weitere Personen hinaufkletterten. Damit tourten sie erfolgreich durch alle Welt, etwa durch Südamerika und Asien. Das war auch nötig, denn in der DDR selbst gab es nur wenig Arbeit für Artisten: „Es gab drei große Zirkusse – Busch, Aerus und Berolina – die in staatlicher Hand waren und wo fast nur Staatsartisten auftraten, die auch in alle Welt vermittelt wurden,“ erinnert sich Bienas. Die Tourneen der „Esperantos“ konnten oft acht bis neun Monate dauern. „Ich musste derweil als ‚Pfand’ zu Hause in der DDR bleiben“, sagt Bienas. Gewohnt habe sie währenddessen bei Nachbarn, Freunden und Bekannten. „Ich bin früh selbstständig geworden.“

Ein Vorteil für ihr späteres Zirkusleben, bei dem sie ihren heutigen Lebensgefährten Dave Blundell kennenlernte. Der gebürtige Liverpooler war in den achtziger Jahren Weltmeister im BMX-Freestyle. Mit ihm überlegte sie lange, etwas ganz Neues aufzubauen. Dabei kamen den beiden die schweizerischen „Verzehrtheater“ zur Hilfe, etwa „Clowns und Kalorien“, in dem Bienas und ihr Partner 2005 für eine Saison arbeiteten. Die Mischung aus Gastronomie, Akrobatik, Musik- und Comedy-Einlagen gefiel ihnen, doch sie seien bei der Realisierung ihres eigenen Vorhabens sehr vorsichtig vergangen: „Wir haben in der Schweiz viel gesehen und gelernt, aber wir hatten von vielem auch keine Ahnung, zum Beispiel von der Gastronomie“, sagt Bienas. Im Dezember 2009 sollte ihr „Dinner For Fun“ in Potsdam starten. Ein Risiko, denn Proben hatte es zuvor nur wenige gegeben und für Werbung waren keine Mittel mehr übrig. Zur Sicherheit fand die Premiere daher erst mal in Bienas Heimatort Eggersdorf statt, wo ihre Eltern bis heute wohnen. Mit damals zwölf Mitarbeitern gingen die ersten Shows von „Dinner For Fun“ in dem kleinen Zelt für bis zu 1000 Gäste über die Bühne.

Heute hat das Verzehrtheater 17 Mitstreiter, darunter zwei Köche und 13 Artisten. Sabrina Bienas ist jedes Jahr aufs Neue bemüht, interessante Künstler mit ins Boot zu holen: Dazu gehören in diesem Jahr unter anderem das Duo „Adagio Eleganz“, das für seine Partner-Kraftakrobatik nur seine Körper benutzt, die Improvisations-Komikerin Gwedolin aus der Schweiz oder der Argentinier Oscar Contreras mit einer Mischung aus Tanz und Bola-Bola-Akrobatik. Das Vier-Gang-Menü indes, das parallel zur Show serviert wird, wartet mit Spezialitäten wie Süßkartoffelsuppe mit Vanilleäpfeln oder einer Barbarie Entenbrust auf. Ab dem 23. November gastiert „Dinner for Fun“ im Potsdamer Volkspark

Mit „Dinner For Fun“ hat Sabrina Bienas einen gewissen Ruhepunkt in ihrem Leben gefunden. Auf Tour zu sein sei schön, aber auch rastlos gewesen, sagt Bienas, die bis heute nie in einer Mietwohnung oder einem eigenem Haus gewohnt hat. „Bis zu einem gewissen Punkt ist das Touren sehr spannend und lustig, vor allem, wenn man jung ist. Ich habe damals viel von der Welt gesehen. Aber irgendwann möchte man auch mal rasten und irgendwo ankommen – man möchte auch mal in einem Haus wohnen, das nicht ständig bewegt wird.“

Karten zum Preis von 65 Euro gibt es unter anderem im PNN-Shop im Karstadt-Palais. Sonderangebot für PNN-Abonnenten: zwei Karten zum Preis von einer.

www.dinnerforfun.net

 

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