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  • 31.05.2012
  • von Sabine Schicketanz

Potsdam: Serienschaden bei der Variobahn: Risse in Radgummis

von Sabine Schicketanz

Bisher sind vier der sieben Variobahnen, die auf Potsdams Schienen verkehren, von dem Radschaden betroffen. Foto: Manfred Thomas

Potsdams neue Variobahnen haben einen Serienschaden: Bei den Straßenbahnen des Herstellers Stadler treten Risse in Gummis auf, die sich zwischen Radreifen und Radscheibe befinden.

Potsdam -  Das bestätigte der Geschäftsführer des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) am Mittwoch auf PNN-Anfrage. Bisher seien vier der sieben Variobahnen, die auf Potsdams Schienen verkehren, von dem Radschaden betroffen, sagte Grießner. Die Bahnen könnten noch fahren, müssten aber nach Weisung des Herstellers alle 5000 Kilometer – etwa alle vier Wochen – per Sichtprüfung untersucht werden.

Würden die Risse in den Gummis zu stark, müssten die Bahnen aus dem Verkehr gezogen und die Räder ausgetauscht werden, so Grießner. Dies dauere etwa einen Tag. Durch den Serienschaden könne es daher in Potsdam dazu kommen, dass die Variobahnen nicht wie vorgesehen im Einsatz sind. Das sei ein „unerfreuliches Thema“. Engpässe im Tramverkehr müssen die Fahrgäste laut Grießner dennoch nicht befürchten. Potsdam habe genügend andere Bahnen im Depot, um den Verkehr planmäßig aufrechtzuerhalten.

Anders in München: Dort stehen nach Medienberichten mittlerweile zehn der 13 Variobahnen wegen der Risse im Radgummi seit inzwischen zwei Monaten in der Werkstatt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sucht bereits europaweit nach acht Trambahnen, die dort auf die Schienen dürfen und die Variobahnen ersetzen könnten.

Soweit kann es nach Ansicht von ViP-Chef Grießner in Potsdam nicht kommen. Er gehe davon aus, dass Stadler schnell eine Lösung für den Serienschaden findet. Involviert seien dabei auch der Radhersteller Bochumer Verein und der Gummihersteller Continental. Eine Ursache für die Risse sei bisher nicht bekannt, so Grießner. Dem ViP entstünden durch den Serienschaden und den Austausch der Tramräder keinerlei Kosten: Die sieben Variobahnen befänden sich im Gewährleistungszeitraum, alle Kosten trage der Hersteller. Im Kaufvertrag sei zudem eine Klausel für den Fall vereinbart, dass die Fahrzeuge nicht „für die Verkehrsleistung“ zur Verfügung stünden. Neben den sieben in Betrieb befindlichen Variobahnen sind laut ViP-Chef Grießner zwei weitere „im Abnahmeprozess“; neun weitere hat der Verkehrsbetrieb bereits bei Stadler bestellt. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Euro pro Stück.

Der ViP-Aufsichtsrat wurde über die Schwierigkeiten in der Sitzung am 24. Mai informiert. Wie es gegenüber den PNN hieß, soll in dem Gremium auch das Szenario durchgegangen worden sein, dass der Serienschaden dazu führen könne, dass schlagartig alle Variobahnen auf einmal von den Gleisen genommen werden müssten – für die notwendigen Reparaturen.

Das Problem mit den Rädergummis haben bisher weder der ViP noch die Stadtverwaltung öffentlich gemacht. Auch in einer aktuellen Mitteilung des Rathauses an die Stadtverordneten zu „Mängeln und Defiziten der Variobahn“ ist von diesen Schwierigkeiten nicht die Rede.

Schon einmal hatten Straßenbahnen in Potsdam für Ärger gesorgt. Damals ging es um die Combinos. Die Bahnen mussten 2004 wegen eines Konstruktionsfehlers zeitweise weltweit und allesamt aus dem Verkehr gezogen werden. Der Hersteller Siemens hatte schließlich die Empfehlung abgeben müssen, Combinos ab einer Laufleistung von 120 000 Kilometern nicht mehr zu betreiben. Das gilt nicht mehr: Inzwischen sind die 16 in Potsdam eingesetzten Modelle vom Hersteller saniert worden. Übrigens: Die Potsdamer Combinos gehören zu den Bahnen, die auch in München fahren dürften. (mit HK)

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