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  • 07.04.2012

INTERVIEW: „Die Zeichen standen nie so günstig“

Die Tage der Schwimmhalle auf dem Brauhausberg sind gezählt. Das Stadtparlament hat den Abriss beschlossen. Das Landesamt für Denkmalschutz hatte im September 2011 noch einmal den Schutzstatus für den Bau abgelehnt – vor allem, weil der Prototyp des DDR-Hallenbaus in Dresden bereits unter Denkmalschutz stehe. Außerdem sei das Umfeld, Terrassenanlage und Springbrunnen, unwiederbringlich zerstört. Verschwunden ist es im Zuge der Munitionssuche auf dem Brauhausberg für das dann gescheiterte Niemeyer-Bad. Foto: M. Thomas

Oberbürgermeister Jakobs über den Abriss der Brauhausberg-Halle und das Bürgervotum zum neuen Bad

Herr Jakobs, in knapp zwei Wochen sollen die Potsdamer entscheiden, ob die Stadt ihr neues Sport- und Freizeitbad auf dem Brauhausberg oder im Bornstedter Feld baut. Warum muss diese Bürgerbefragung sein?

Sie muss sein, weil wir lange Diskussionen über das Bad hatten, immer wieder Unklarheiten entstanden sind. Zuletzt gab es zwar ein klares Votum der Stadtverordneten für den Standort Bornstedter Feld, aber die Kostendeckelung von 18 Millionen Euro war nicht zu erreichen. Deshalb brauchen wir eine neue Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung. Damit es eine eindeutige Mehrheit gibt, mussten wir die Diskussion noch einmal von vorn beginnen. Daher haben wir der Bürgerbefragung das Werkstattverfahren vorgelagert. Das war sehr gut, weil dort auch neue Positionen diskutiert werden konnten. Und es wurden in der Werkstatt wichtige Voraussetzungen für die Bürgerbefragung geschaffen: Die Variante Neubau auf dem Brauhausberg stand vorher gar nicht zur Diskussion. Alle Parteien haben zugesichert, dass sie sich bei der Abstimmung an das Bürgervotum binden. Das ist eine klare Ausgangssituation. Nach der Befragung wissen wir, wohin der Zug fahren soll.

Um die Fragen auf dem Stimmzettel gab es in den vergangenen Wochen langen Streit. Sind Sie zufrieden mit der jetzt beschlossenen Variante?

Es gab Diskussionen, ob es zwei, drei oder vier Fragen sein sollten. Doch es ist legitim, dass man von vier auf zwei Varianten zugespitzt hat. Denn nichts wäre schlimmer, als ein Bürgervotum durchzuführen und am Ende einen langen Streit zu haben, wie man das Ergebnis nun interpretieren soll.

Mit der Befragung hat das Stadtparlament auch den Abriss der DDR-Schwimmhalle auf dem Brauhausberg beschlossen. Kommt der Abrissbagger unausweichlich oder gibt es noch Chancen auf einen Erhalt?

Das Stadtparlament hat eine Grundsatzentscheidung getroffen: Der Abriss der Halle ist beschlossen. Das wird den Bürgern auch im sogenannten Beipackzettel zur Befragung mit den Erläuterungen zum Badneubau mitgeteilt.

Ist es vorstellbar, dass ein privater Investor mit eigenem Geld die Halle erhält?

Das wäre eine vollkommen neue Diskussion. Im Übrigen ist der Abriss der Brauhausberg-Halle auch ein Ergebnis des Werkstattverfahrens. Vielen ist erst in der Werkstatt klar geworden, dass es bei dem neuen Schwimmbad ganz klar um Funktionalität geht. Das ist ein Erfolg der Werkstatt. Wenn ich den Sportvereinen und Familien das passende Bad bieten will, müssen Grundvoraussetzungen erfüllt sein, die sich bei einer Sanierung der Brauhausberg-Halle gar nicht oder nur mit sehr hohen Kosten realisieren lassen würden. Daher ist die Diskussion um die alte Halle beendet. Wir gehen davon aus, dass sie abgerissen wird.

Warum sollten die Potsdamer unbedingt ab dem 23. April über das Bad abstimmen?

Damit wir eine lange geführte Diskussion endlich zu Ende bringen. Außerdem ist die bestehende Halle so stark sanierungsbedürftig, dass sie nicht mehr lange betrieben werden kann. Wenn wir die Entscheidung jetzt nicht treffen, müssen wir die alte Halle womöglich schließen, bevor eine neue gebaut ist.

Und Sie garantieren, dass nach mehrfachen erfolglosen Versuchen jetzt wirklich ein neues Schwimmbad gebaut wird?

Ich will es einmal so ausdrücken: Die Zeichen standen noch nie so günstig. Nach der Bürgerbefragung wird wirklich alles diskutiert und abgewogen worden sein. Dann sollten wir loslegen.

Das Interview führte Sabine Schicketanz

 

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