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  • 07.12.2011
  • von Jana Haase

Die Bergfrage

von Jana Haase

Ausblick. Bauer Gerhard Neumann möchte aus der früheren Deponie Heineberg einen Ausflugspunkt machen. Foto: Jana Haase

Seit Jahren schlummert der Heineberg kaum zugänglich vor sich hin. Gerhard Neumann will das ändern

Er könnte Potsdams „Mont Klamott“ werden: der Große Heineberg bei Bornim, am Nordende der Lennéschen Feldflur. Mit 55 Metern Höhe zwar ein bisschen kleiner als sein Pendant in Berlin-Friedrichshain, diente er nach Ende des zweiten Weltkriegs als Schuttdeponie für Potsdam – und gleichzeitig als Sandlieferant für die Plattenbau-Siedlung am Schlaatz. Nun ist die Deponie bereits seit gut zehn Jahren stillgelegt. Und der Berg schlummert kaum zugänglich vor sich hin.

Dabei könnte er ein ideales Ausflugsziel sein. Das jedenfalls findet Gerhard Neumann. Der Obstbauer ist mit seinem Erntegarten direkter Nachbar des etwa neun Hektar großen Geländes. Und er hat eine einfache Idee: Der Berg könnte begehbar gemacht und als Aussichtspunkt genutzt werden. Ein paar Bänke auf der Kuppe böten dem Spaziergänger ein Panorama über die Stadt und in die Havellandschaft zum Großen Zernsee oder dem Schlänitzsee.

Die frühere Bauschutthalde könne mit Folie, viel Erde und Baumpflanzungen entsprechend stabilisiert werden, meint Neumann: „Das ist kein zusätzlicher Aufwand, man braucht nur Zeit.“ Die nötige Erde könnten Straßenbaufirmen nach und nach liefern, sagt der Obstbauer: „Ich habe bereits Zusagen.“ Er will den Heineberg am liebsten für einen symbolischen Euro pachten, um seinen Plan umzusetzen.

Bei der Stadt ist er mit diesem Vorschlag jedoch abgeblitzt. Denn die Fläche soll rekultiviert und gewinnbringend vermarktet werden. Damit ist die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (GESA) beauftragt. Was genau geschehen soll, ist aber offenbar seit Jahren umstritten – zudem werden Altlasten im Boden vermutet. „Wir wollen Herrn Neumann nicht in dieses Risiko laufen lassen“, erklärte Potsdams Wirtschaftsförderchef Steffen Frerichs auf PNN-Nachfrage.

Bauen darf die GESA laut aktuellem Flächennutzungsplan der Stadt dort ohnehin nichts, stellt Frerichs fest. Das größere Problem: Die frühere Deponie ist „Altlastenverdachtsfläche“. Niemand weiß, ob außer Bauschutt nicht doch giftige Substanzen dort lagern – und dann könnte die Rekultivierung richtig teuer werden. Dass sich die Stadt wie von der GESA gefordert an möglicherweise anfallenden Kosten für eine Entsorgung beteiligt, dafür gebe es keinen finanziellen Spielraum, sagt Wirtschaftsförderer Frerichs: „Es ist momentan nicht vertretbar, über Gebühr öffentliche Gelder in diese Fläche zu stecken.“

Auch bei der GESA hebt man die Arme, wenn es um den Heineberg geht. „Das Projekt ruht zur Zeit“, sagte Regionaldirektor Eckhard Schwandtke den PNN auf Anfrage. „Eine Entwicklung wird nicht zugelassen“, kritisiert er. Es sei nicht absehbar, wann es weitergehen könne. Auch ein an der Universität Potsdam einberufener „Runder Tisch zur Zukunft des Großen Heinebergs“ mit allen Beteiligten im vergangenen Jahr blieb nach PNN-Informationen ergebnislos. Dem Protokoll des Treffens zufolge würde die Rekultivierung eine Summe „im hohen sechsstelligen Bereich“ kosten, die einfache Gefahrensicherung eine mittlere fünfstellige Summe – damit wäre der Berg aber nicht zugänglich, wie sich Obstbauer Neumann das wünscht. Unterdessen hätte allein die jahrelange Bewachung des Geländes schon mehr gekostet, vermutet der Obstbauer.

Auch in Bornim würde man Bewegung im Fall Heineberg begrüßen: „Dass da etwas passieren müsste, sehen wir schon auch“, meint der Bornimer Stadtverordnete Klaus Rietz vom Aktionsbündnis Potsdam Nord/West (ANW). Neumanns Idee, den Berg zu öffnen, „würde ich unterstützen“. Es bleibe allerdings die Frage nach der Verantwortung für das Gelände, gibt er zu bedenken: „Wenn das niemand in die Hand nimmt, weiß man, wie es in einem halben Jahr da aussieht.“

Als Ausflugsziel liege der Heineberg „ideal am Stadtrand“, sagt Herbert Zschuppe, Geschäftsführer des Bürgervereins Bornim. Der Bürgerverein selbst hatte dort zwischenzeitlich eine Sommerrodelbahn geplant – doch auch dafür müsste der Flächennutzungsplan geändert werden. „Die Idee ist im Sande verlaufen“, erzählt Zschuppe. Auch eine Kletterwand für den Potsdamer Alpenverein war bereits im Gespräch. Bislang aber scheiterten alle Versuche einer Belebung.

„Um den Berg ist es als kleine Touristenattraktion einfach schade“, sagt Gerhard Neumann.

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