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  • 25.10.2011
  • von Andreas Conrad

Eine Destille für Tom Hanks

von Andreas Conrad

Der teuerste deutsche Film aller Zeiten wird im Studio Babelsberg gedreht – und in Berlin

Babelsberg/Berlin - Als die Brüder Max und Emil Skladanowsky am 1. November 1895 im Varieté Wintergarten zum ersten Mal vor Publikum ihr Bioskop vorführten und damit Filmgeschichte schrieben, gab es die Likörfabrik und Weingroßhandlung Wilhelm Hoeck bereits seit drei Jahren. Wenig später wurde sie durch eine Probierstube ergänzt – Beginn einer ebenso ruhm- wie promillereichen Geschichte. „Wilhelm Hoeck 1892“, so der Name der traditionellen – und dank der Testamentsverfügung einer frühen Besitzerin original eingerichteten – Destille in der Wilmersdorfer Straße 149 in Charlottenburg, das ist Alt-Berlin pur. Und jetzt ist es auch einer der Drehorte von „Der Wolkenatlas“, des teuersten deutschen Films aller Zeiten. Hätten die Skladanowskys das geahnt ...

Allerdings, ein kleiner Wermutstropfen dämpft möglichen lokalpatriotischen Stolz dann doch: Die dort gedrehte Szene spielt nicht in Berlin, sondern in Schottland, die Berliner Destille ist ein Pub. Was aber nichts daran ändert, dass die Dreharbeiten zu dem 100-Millionen-Euro-Projekt in Babelsberg und in Berlins Mitte angekommen sind. Im September hatten sie begonnen. Lana und Andy Wachowski drehten in der Sächsischen Schweiz und auf Mallorca, wo sich Halle Berry prompt einen Fuß brach und so den Zeitplan durcheinanderbrachte. Tom Tykwer dagegen, der dritte der „Wolkenatlas“-Regisseure, dirigierte parallel sein Team in Schottland, scheint dort aber keine passende Kneipe gefunden zu haben.

Kürzlich hat man sich am Hauptdreh- ort Studio Babelsberg wieder zusammengefunden, die dortigen Dreharbeiten hatten vergangene Woche begonnen. Nun stehen noch einige Außentermine in Berlin und später in Nordrhein-Westfalen auf dem Plan stehen, bis Ende des Jahres soll für den vom Babelsberger X-Filme-Chef Stefan Arndt produzierten Mammut-Streifen alles im Kasten sein.

Manches wird der Zuschauer aus Brandenburg und Berlin also wiedererkennen, mitunter aber muss man schon genau hinsehen. Eine schnurgerade Landstraße mit sauber gezogenem Mittelstreifen und exakt ausgerichteten Straßenlaternen zu beiden Seiten? Findet man weder in Brandenburg noch in Berlin, nach ein paar Umbauten auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof aber schon. Die Landebahn ist schließlich lang genug. Auch die Stammgäste des „Wilhelm Hoeck 1892“ werden sich wohl erst mal die Augen reiben, wenn sie ihre Berliner Schottenkneipe auf der Leinwand sehen. In der Szene geht es etwas rabiat zu, eine Kneipenschlägerei, in der einiges Mobiliar dran glauben muss. Einige Umbauten waren daher in dem 100-Quadratmeter-Schankraum nötig, solide Kneipentische mussten durch leicht zerbrechliche Exemplare aus Balsaholz ersetzt werden und anderes mehr. Seit Mittwoch vergangener Woche wurde umgebaut, am Donnerstag und Freitag gedreht, am Sonnabend alles in den Urzustand versetzt. Die Wilmersdorfer Straße war tagelang dicht. Hanks musste sich in der Szene nicht prügeln, schaute nur kurz nach dem Rechten. Er hat auch so genug zu tun: Er spielt in „Der Wolkenatlas“, einer Verfilmung des Romans von David Mitchell, gleich sechs Rollen, assistiert von Stars wie Halle Berry, Susan Sarandon, Hugh Grant, Ben Whishaw und Hugo Weaving. Hanks und alle anderen wurden schon Anfang Oktober auf dem Babelsberger Studiogelände gesehen.

Offenbar findet Hanks trotzdem Zeit für Geschichtsstudien. Während der Drehtage in Sachsen wurde er im DDR-Museum Radebeul gesichtet. Vielleicht wird aus seinem Film über Dean Reed, den in der DDR erfolgreichen US- Sänger, ja doch noch was: Hanks besitzt seit 2004 die Filmrechte. (mit SCH/ dpa)

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