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  • 14.05.2011
  • von Henri Kramer

Gute Wünsche für „Freiland“

von Henri Kramer

Neu: So sieht der Jugendklub S13 im „Freiland“-Zentrum jetzt aus.

Neues Jugendzentrum in Friedrich-Engels-Straße eröffnet / Lob für Engagement von Jugendlichen / Linke Szene freut sich

Teltower Vorstadt - Die Ehrengäste fehlten. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen kamen nicht – eine aktuelle Krise, wurde spekuliert. Doch ansonsten verlief die offizielle Eröffnung des neuen Potsdamer Jugendzentrums „Freiland“ in der Friedrich-Engels-Straße am Freitagnachmittag, ausgerechnet einem 13. im Monat, nahezu reibungslos.

Die offiziellen Hauptprotagonisten des neuen selbstverwalteten Jugendzentrums, Dirk Harder und Achim Trautvetter von der eigens gegründeten künftigen Cultus-Betreibergesellschaft, präsentierten den rund 200 Gästen – unter der Nachmittagssonne vor allem Vertreter aus Politik, Stadtverwaltung und von anderen Jugendprojekten – ein bereits sichtbar buntes und vor allem betriebsfertiges „Freiland“. So besticht die neue Halle für den durch alternative Jugendkultur-Veranstaltungen bekannten Spartacus-Verein von außen bereits durch riesige Graffiti-Malereien. Innen ist der Saal mit schwarzem Tuch verkleidet, um den Hall zu reduzieren und das Stroboskop-Licht wirken zu lassen. Blanke Metallrohre bestimmen die Decken-Optik.

Im benachbarten Jugendklub S13 findet sich ein zweiter, kleinerer Veranstaltungssaal. Dazu kommt ein mit Couch und Sitzecken eingerichteter Raum, eine Küche mit Tresen – und ein Proberaum, in dem sich junge DJs testen und ihr Können speziell an Plattentellern verbessern können. Weitere Proberäume sind geplant. Dazu bietet ein weiteres Haus auf dem Gelände Platz für Ateliers, Lagerräume und Werkstätten – und Büros und Räume für den Chill Out-Verein zur Förderung akzeptierender Drogenarbeit sowie für den Verein Bildung für Balanka, der ein Schulprojekt in Togo unterstützt.

Hauptnutzer des neuen selbstverwalteten Jugendzentrums werden aber S13 und der Spartacus-Verein sein – beide ohne Haus, nachdem ihre frühere Bleibe in der Schlossstraße 13 vor drei Jahren geschlossen wurde. Das hatte eine heftige Debatte um Jugendkultur in Potsdam ausgelöst, es gab Demonstrationen, vor allem mit Teilnehmern der zahlenmäßig großen linksalternativen Jugendszene in Potsdam, für „mehr Freiräume“ in Potsdam. Schließlich war Linke-Stadtfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg mit seinem Vorschlag für „Freiland“ vorgeprescht – und nach langen politischen Diskussionen stand schließlich ein Stadtverordnetenbeschluss gegen den Willen von CDU und FDP, die auch am Freitag in einer Mitteilung einmal mehr die Finanzierung von „Freiland“ durch die Stadtwerke kritisierte. Für die nun abgeschlossene erste Bauphase hatte „Freiland“ 440 000 Euro von den kommunalen Stadtwerken und 300 000 Euro von der Stadt Potsdam erhalten. Dazu sollten Jugendliche bis zu 100 000 Euro Eigenleistungen auf dem Gelände, das auch den Stadtwerken gehört, erbringen – bis jetzt sind laut Betreibern schon drei Viertel davon erfüllt.

Vor allem dieses Engagement lobte gestern Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger bei der Eröffnung. „Unheimlich malocht“ hätten die Jugendlichen – und damit auch gegenüber Skeptikern ihre Zuverlässigkeit bewiesen. Wilfried Böhme von den Stadtwerken sagte, er hoffe, das zunächst auf drei Jahren begrenzte Modellprojekt werde ein „Ort der Toleranz, an dem auch gestritten und diskutiert wird, aber immer gesittet“. Freiland soll dem Anspruch nach basisdemokratisch verwaltet und organisiert werden, Entscheidungen zum Haus dürfen also nur im Konsens fallen.

Beste Zukunftswünsche kamen gestern nicht nur von Vertretern der SPD, der Grünen und der Linken – sondern auch von den extrem linken Nutzern des besetzten „La Datscha“-Hauses an der Humboldtbrücke. In einer Erklärung war von einem „erstaunlichen Ergebnis“ die Rede, „dem überteuerten Immobilienmarkt Potsdams ein derartig großes Grundstück zu entziehen und in ein unkommerzielles Kulturzentrum zu verwandeln“. Solche Areale seien schließlich einer „zwingenden Verwertungslogik unterworfen“. Dies sei ein „Erfolg, der verdeutlicht, was wir alles in der Lage sind durchzusetzen, wenn wir uns einmal einig sind.“ Auch dass das „La Datscha“ weiter besetzt sei, wäre nur möglich, hieß es weiter, „weil wir alle zusammen den politisch Verantwortlichen das Gefühl gegeben haben“, dass bei einem Konflikt „die Stadt sich nicht nur mit ein paar Besetzern anlegt, sondern mit der gesamten linken Szene dieser Stadt. Dieses Gefühl sollten wir uns alle im Bewusstsein halten“, hieß es abschließend von „La Datscha“. Kritiker hatten „Freiland“ mehrfach schon in die linksextreme Ecke gerückt – die Macher hatten dies bestritten und angekündigt, das Zentrum stehe für alle Jugendlichen in Potsdam offen. Das können sie nun schon bei den Eröffnungsfeiern, die bis Sonntagabend dauern sollen, beweisen.

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