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  • 23.04.2011
  • von Klaus Büstrin

„Gestatten: Preußen“

von Klaus Büstrin

&#Der Kaiser als Stütze. Georg Friedrich Prinz von Preußen ist der Ur-Ur-Enkel Wilhelms II., der auf dem Bild zu sehen ist. Der junge Hohenzollern-Chef tritt bald vor den Traualtar. Foto: M. Thomas;

Der Chef des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich, heiratet Sophie Prinzessin von Isenburg

„Preußen“. Knapp, deutlich, ohne Allüren stellt er sich vor.

Georg Friedrich Prinz von Preußen kann man mit „Herr Prinz von Preußen“ anreden. Aber mancher wird auch gern „Königliche Hoheit“ zum jetzigen Familienchef des Hauses Hohenzollern sagen. Vor allem bei öffentlichen Veranstaltungen. Damit will man deutlich machen, dass er aus einem Fürstengeschlecht stammt, das jahrhundertelang deutsche Geschichte geschrieben hat. 1919, ein Jahr nachdem aus der deutschen Monarchie eine Republik wurde, schaffte man den Adel als Stand ab. Die Adelstitel wie Fürst, Prinz, Herzog und Graf durften jedoch als Teil des bürgerlichen Namens weitergeführt werden.

Ruhm und Niederlagen gehören nach wie vor zur deutschen Hocharistokratie. Dennoch umgibt sie bis heute ein Nimbus des „blauen Blutes“, der sie etwas anders erscheinen lässt als die anderen, obwohl die meisten ihrer Angehörigen so „normal“ wie jeder andere Zeitgenosse zu erleben sind.

Die mediale Aufmerksamkeit wird sich am 27. August dieses Jahres auf Georg Friedrich Prinz von Preußen, Jahrgang 1976, richten, der mit Sophie Prinzessin von Isenburg zum Traualtar schreiten wird. Die Friedenskirche Sanssouci hat das Brautpaar für die geistliche Feier ausgewählt, für den anschließenden Empfang und das Dinner die Neuen Kammern und eine der Pflanzenhallen der Orangerie – Orte, die mit dem Namen Preußen eng verbunden sind. Georg Friedrichs Vorfahren haben in Potsdam einen Kosmos europäischer Bau- und Gartenkunst geschaffen. Georg Friedrich, der in Berlin lebt, will mit den Hochzeitsfeierlichkeiten in der brandenburgischen Landeshauptstadt auch seine Ahnen ehren. Er ist der Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und seiner Frau Auguste Victoria. Geboren wurde der Prinz am 10. Juni 1976 als Sohn von Louis Ferdinand jun. und Donata Gräfin zu Castell-Rüdenhausen in Bremen. In der Nähe der Freien Hansestadt, in Fischerhude, war er zu Hause. Bevor er seinen Vater richtig kennenlernen konnte, verunglückte dieser kurz nach Georg Friedrichs erstem Geburtstag bei einer Manöverübung der Bundeswehr tödlich. Der Sohn besuchte mehrere Gymnasien. Auf dem Glenalmond College bei Aberdeen in Schottland legte er die Reifeprüfung ab. Für sein Studium der Betriebswirtschaftslehre wählte der Prinz eine ostdeutsche Hochschule, die Bergakademie in Freiberg in Sachsen.

Der 34-Jährige hatte eine enge Beziehung zu seinem Großvater, Louis Ferdinand Prinz von Preußen sen., Sohn des Kronprinzenpaares Cecilie und Wilhelm. Dieser vermittelte ihm auch die Liebe zu Potsdam. Er bereitete seinen Enkel auf die vielfältigen Aufgaben eines Preußen-Prinzen vor, vor allem die des Chefs des Hauses Hohenzollern. Man bemühte sich jedoch, „diese Rolle ihm nicht zur Bürde werden zu lassen“.

Louis Ferdinand sen., der 1991 die Särge der bedeutendsten Preußen-Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. von der Stammburg Hohenzollern in Hechingen in Baden-Württemberg nach Potsdam überführen ließ, bestimmte, dass nach seinem Tod sein dritter Sohn Louis Ferdinand jun. Hohenzollern-Chef wird. Aber dessen tödlicher Unfall hatte zur Folge, dass sein Enkel Georg Friedrich die Nachfolge seines Großvaters, der 1994 starb, antrat.

Eigentlich wäre der Erstgeborene an der Reihe: Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, der als Historiker in Berlin wohnt. Louis Ferdinand sen. beharrte analog auf die Bestimmungen des früheren Hausgesetzes, dass nur derjenige Chef des Hauses Hohenzollern werden kann, der eine ebenbürtige Frau heiratet. Bei Friedrich Wilhelm war dies aber nicht der Fall, auch nicht beim zweiten Sohn, Prinz Michael. Doch Friedrich Wilhelm bestreitet, dass sein Bruder Louis Ferdinand standesgemäß heiratete.

Nach dem Genealogischen Handbuch der Fürstenhäuser gehören die Hohenzollern in die erste Abteilung. In ihr sind die regierenden und einstigen regierenden Fürstenhäuser versammelt. In Europa gehören 42 Häuser dazu. Louis Ferdinand jun. heiratete Donata Gräfin zu Castell-Rüdenhausen. Sie gehört nach Friedrich Wilhelms Ansicht in die zweite Abteilung, da das Haus, aus dem sie stammt, keine Regierungsgewalt hatte. Ähnlich verhält es sich wohl bei Georg Friedrich, der Sophie Prinzessin von Isenburg zur Frau nimmt.

Eins ist allerdings gewiss: Zur Hochzeitsfeier wird sich in Potsdam der Hochadel Europas ein Stelldichein geben.

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