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  • 29.11.2010
  • von Günter Schenke

Türken und Armenier an einen Tisch

von Günter Schenke

Förderverein Lepsiushaus kündigt gemeinsame Konferenz für kommendes Jahr an

Eine Konferenz mit türkischen, armenischen und deutschen Teilnehmern kündigt der Förderverein Lepsiushaus für nächstes Jahr an. „Wir sind überzeugt, dass eine dauerhafte Versöhnung zwischen Armeniern, Türken und Deutschen nur auf der Grundlage einer offenen und ehrlichen Verarbeitung der eigenen Geschichte möglich ist“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins Hans-Ulrich Schulz bei der internationalen Konferenz zum Thema „Johannes Lepsius und der Umgang mit dem Völkermord an den Armeniern“ am Wochenende in Potsdam.

Der erste Tag der Konferenz, die im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte stattfand, war dem unmittelbaren Wirken des evangelischen Theologen und Orientmissionars Johannes Lepsius (1858-1926) gewidmet. Lepsius wohnte von 1908 bis 1925 in einer Villa unterhalb des Pfingstberges, die heute als Forschungs- und Begegnungsstätte eingerichtet wird. Zentrales Thema der Konferenz mit etwa 60 Teilnehmern war die historische Darstellung und Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern in den Jahren 1915 und 1916 mit mindestens eineinhalb Millionen Toten. Wie der renommierte Autor Rolf Hosfeld in seinem Vortrag anhand von Original-Zitaten darstellte, war den Verbündeten der Türkei, Deutschland inbegriffen, diese Verbrechen kein Geheimnis. Ziel der jungtürkischen Nationalisten war laut Hosfeld die „Säuberung“ des Territoriums für eine reine Ordnung der türkischen Rasse nach dem Weltkrieg. Die „inneren Feinde“ seien zu diesem Zweck nicht nur deportiert sondern als Ergebnis staatlich gelenkter Politik vernichtet worden. „Die Deportation und Vernichtung der osmanischen Armenier war ein durch und durch geplanter Vorgang.“ Zum religiösen Aspekt sagt Hosfeld: „Ein christlicher Türke ist bis heute undenkbar“.

Das Besondere am zweiten Konferenztag war die Erweiterung des historischen Blickes auf die Völkermorde im zwanzigsten Jahrhundert. Laut Wolfgang Benz, Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung in der TU Berlin, forderten diese mehr Opfer als in den Jahrhunderten davor. Der Wissenschaftler spricht von „vergleichender Völkermordforschung“, die in den Anfängen stecke. Dieser Forschungszweig sehe sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Verbrechen, die im deutschen Namen an den Juden begangen wurden, in den Hintergrund zu drängen.

Hans-Ulrich Schulz berichtet „über die guten Erfahrungen, die wir anlässlich einer Reise nach Istanbul auf den Spuren von Johannes Lepsius mit türkischen Gesprächspartnern gemacht haben.“ So wie am Bosporus die Heinrich-Böll-Stiftung Christen und Muslime, Deutsche und Türken an einen Runden Tisch versammelt habe, so solle es auch an der Havel geschehen. Die Dauerausstellung im Lepsius- Haus zitiert ein Wort von Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher: „Dr. Johannes Lepsius war ein Vorkämpfer für die Menschenrechte. Er trat dem Genozid am armenischen Volk mit Mut und Entschlossenheit entgegen. Er wäre würdig gewesen, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden.“ Schulz dazu: „Für den Verein darf ich sagen, dass wir in dieser Absicht auch künftig das Gespräch suchen und keiner der Wahrheit dienlichen Auseinandersetzung über den Zeugen Johannes Lepsius aus dem Weg gegen werden.“ Günter Schenke

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