18.01.2018, 2°C
  • 04.02.2010

Inwole-Verein wird wieder gefördert Velten will Bollhagen-Museum

Bollhagen-Design. Die Keramik der Hedwig Bollhagen. Foto: Manfred Thomas

Anita Tack: Durch aktives Nichthandeln Ansiedlung des Museums verhindert

Babelsberg - Der Potsdamer Verein zur Förderung innovativer Wohn- und Lebensformen (Inwole) kann sein Mehrgenerationenhaus in der Babelsberger Rudolf-Breitscheid-Straße weiter betreiben. Das Bundesfamilienministerium in Berlin teilte gestern mit, dass der Verein die geplanten Mittel für das Jahr 2010 erhalten werde. „Nach eingehender Prüfung hält das Ministerium seine Bedenken gegen eine Förderung nicht mehr aufrecht“, sagte Ministeriumssprecher Marc Kinert. Untersucht worden seien Unterlagen des Vereins, ebenso habe es eine Anhörung gegeben.

Das Ministerium hatte Mitte Dezember die Förderung des Vereins mit jährlich 40 000 Euro auf Eis gelegt. Grund waren öffentliche Vorwürfe des brandenburgischen Verfassungsschutzes, der Inwole e.V. würde über seine Internetseite mit einem „kriegerischen“ Aufruf für die Teilnahme an gewalttätigen Auseinandersetzungen am UN-Klimagipfel in Kopenhagen zu werben. Der Verein wehrte sich gegen die Vorwürfe und drohte mit Unterlassungsklage, löschte allerdings auch alle monierten Inhalte. Inzwischen hat auch der Verfassungsschutz darauf verwiesen, dass „alle Inhalte im Zusammenhang mit Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ entfernt worden seien: Damit sei dem „Anliegen“ der Behörde „entsprochen“. HK

Im Streit um den Standort eines Bollhagen-Museums versucht die Landeshauptstadt einen Scherbenhaufen zusammenzufegen. Nachdem die Pläne für ein Museum für Deutschlands bedeutendste Keramikerin der Moderne und ihre Werke in der Innenstadt als gescheitert gelten, wird in Velten (Oberhavel) sogar ein Museumsneubau für die Bollhagen-Ausstellung in Erwägung gezogen. Noch im Februar wollen sich Vertreter der Hedwig- Bollhagen- Stiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie der Stadt treffen, um den Konflikt zu beenden. In einem Schreiben an die Stadt hatte Steffen Skudelny von der Stiftung bereits im vergangenen Jahr bedauert, dass seitens der Stiftung akquirierte Fördermittel für die Errichtung des Museums in Potsdam nicht in Anspruch genommen werden konnten.

Kritik am Verhalten der Stadt übte gestern die Potsdamer Linke sowie die frühere Kulturministerin Brandenburgs, Johanna Wanka (CDU). In einem Interview mit Potsdam TV sagte die CDU-Politikerin: „Ich bin ein bisschen verwundert, dass der Oberbürgermeister irritiert ist.“ Sie selbst habe im vergangenen Jahr die Ideen für ein Bollhagen-Museum an einem anderen Standort als Potsdam ins Gespräch gebracht, nachdem die Gespräche zwischen der Bollhagen-Stiftung, den Erben und der Stadt ins Stocken geraten sind. „Als man in Potsdam nicht zueinander kam, habe ich versucht, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen“, so Wanka. Ihrer Ansicht nach habe ein Bollhagen-Museum „internationale Ausstrahlung“, daher sei man in Velten und dem Kreis Oberhavel an dem Museum sehr interessiert.

Konkret wird für die Stadt Velten ein Neubau in Erwägung gezogen. Die Veltener Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) sprach von „guten Chancen“ für ihre Stadt. Zugleich bestätigte sie die Gespräche mit der Bollhagen-Stiftung unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und den Erben der Keramikerin über den Verbleib des künstlerischen Nachlasses in der Stadt nördlich von Berlin. Zumal es im dortigen Ofen- und Keramikmuseum bereits eine Dauerausstellung gibt. Anders als in Potsdam solle in Velten aber vor allem das Werk der bedeutenden Keramikdesignerin im Vordergrund stehen – und weniger Bollhagens Lebensgeschichte im Dritten Reich und danach. Damit erhärtet sich zumindest der Verdacht, dass unterschiedliche Ansichten über die Präsentation der Rolle Bollhagens im NS-Regime zwischen Bollhagen-Stiftung und der Stadt Potsdam zum Scheitern der Verhandlungen geführt haben. Erst nachdem PNN über die neuen Pläne berichtet hatten, hat Oberbürgermeister Jan Jakoks (SPD) wieder die Initiative ergriffen und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für Mitte Februar zu neuen Gesprächen geladen. Zuvor hatte monatelang Funkstille geherrscht.

Anita Tack von den Linken erklärte gestern, der Stadt scheint es „durch aktives Nichthandeln gelungen zu sein, die Ansiedlung zu verhindern“. Sie forderte Oberbürgermeister Jann Jakobs auf, „endlich die Interessen der Stadt zu vertreten“. Die wertvollen Sammlungen stünden der Landeshauptstadt gut zu Gesicht, so die Stadtverordnete.

Noch in diesem Monat wollen sich Vertreter der Stadt und Stiftung treffen, um über den Sitz des Museums zu sprechen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz teilte gestern mit, „dass es noch keine Entscheidung über den zukünftigen Standort des Museums gibt“. jab/axf

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!