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  • 22.01.2009
  • von Von Jan Brunzlow

Von Jan Brunzlow: Eine Million für Matrosenstation

von Von Jan Brunzlow

Werbetafel. Das symbolische Tor, das der Förderverein zum Einwerben für den Wiederaufbau von Kongnaes am Jungfernsee errichten ließ, hat seine Wirkung getan. Ein Käufer, der auch Ventehalle und Hafen bauen will, scheint gefunden. Foto: Andreas Klaer

Berliner Kunsthändler soll Zuschlag für Kongsnaes bekommen / Hafen wird wieder errichtet

Berliner Vorstadt - Die Stadt wird mehr als eine Million Euro für die ehemalige Matrosenstation Kongnaes an der Schwanenallee erhalten. Der Berliner Kunst- und Schmuckhändler Michael Linckersdorff soll den Zuschlag für das historische Ensemble erhalten. Wo vor zwanzig Jahren noch der Mauerstreifen Ost und West getrennt hat, können in den nächsten Jahren nun wieder der alte kaiserliche Empfangspavillon (Ventehalle) und der ehemalige Hafen entstehen. Dies gehört zum Angebot des Berliners, der bei der bundesweiten Ausschreibung deutlich mehr geboten hat als Springer-Vorstand Mathias Döpfner und die Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mit Claus Reinhardt. Die Stadtverordneten müssen dem Verkauf in der kommenden Woche noch zustimmen, das Geld soll komplett in den städtischen Haushalt einfließen.

Seit drei Jahren versucht die Stadt das Filetgrundstück zu verkaufen. Zwei Ausschreibungen hatte es bereits gegeben, die letzte wurde trotz eines Bieters ohne Ergebnis beendet. Im dritten Anlauf nun könnte der Stadt der große Wurf gelingen. In einem letzten Verkehrswertgutachten ist der Preis für das gesamte Grundstück auf knapp 460 000 Euro geschätzt worden. Alle drei Bieter haben nach PNN-Informationen höhere Gebote abgegeben, Michael Linckersdorff soll doppelt so viel geboten haben wie die anderen beiden. Die Matrosenstation besteht laut Ausschreibung aus zwölf Mieteinheiten, die Hälfte derer ist momentan vermietet. Etwa 400 der 990 Quadratmeter Fläche stehen wegen des schlechten Zustandes derzeit frei. Die Mietverträge müssen vom neuen Eigentümer übernommen werden, heißt es. Michael Linckersdorff habe sich schriftlich verpflichtet, die vorhandenen Gebäude denkmalgerecht zu sanieren sowie die Ventehalle und die historische Hafenanlage originalgetreu wieder herzustellen. Dabei werde der öffentliche Charakter samt Hafenanlage erhalten bleiben, heißt es. Die Grundstücke am Jungfernsee sind bei den ersten Ausschreibungen noch nicht im Besitz der Stadt gewesen. Inzwischen sind sie der Bundesanstalt für Vermögensaufgaben für 9 Euro den Quadratmeter abgekauft worden. Diesen Preis bezahlt auch der künftige Eigentümer für die gut 2500 Quadratmeter. Denn würde die Stadt diese Grundstücke teurer verwerten, müsste sie einen Ausgleich aus dem Verkauf an die Bundesanstalt überweisen.

Vor 102 Jahren spielte die Königliche Anlagestelle ein besondere Rolle bei der Erforschung kabellosen Funkverkehrs statt. Zwischen dem Turm der 1, 6 Kilometer entfernten Heilandskirche in Sacrow und Kongsnaes fanden die ersten erfolgreichen Versuche kabelloser Übertragung statt. Ein Meilenstein für die Radiotechnik, heißt es seitens des Fördervereins Kongsnaes. Das Gebäudeensemble ist nach Vorlagen des norwegischen Architekten Holm Hansen Munthe auf Wunsch von Kaiser Wilhelm II. erbaut worden.

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