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  • 10.08.2018
  • von Marco Zschieck

Sanierung in Potsdam: Holländerhaus soll wieder bewohnt werden

von Marco Zschieck

Foto: Peter Raddatz

Das frühere Potsdam Museum in der Benkertstraße wird saniert. Künftig soll in dem Holländerhaus wieder gewohnt werden. Vorher öffnet es beim Tag des offenen Denkmals seine Türen.

Innenstadt - Ein paar Spuren sind noch erkennbar: der Empfangstresen im Erdgeschoss, die typischen Kabelverkleidungen aus den 1990er Jahren oder ein buntes Abziehbild am Fenster eines früheren Büroraums. Selbst ein Kaffeefleck findet sich noch. Durch das frühere Gebäude des Potsdam Museums in der Benkertstraße 3 sind fast zwei Jahrzehnte lang Besucher gegangen. Seitdem Umzug in das neue, größere und sanierte Alte Rathaus steht das historische Holländerhaus leer. Das war im Jahr 2012.

Nun können die Potsdamer das Haus wieder neu entdecken. Denn es gehört zum Programm für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals: Am 9. September können in Potsdam insgesamt mehr als 50 Objekte, die sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleiben, besucht werden. Die bundesweite Veranstaltung findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Das Motto lautet „Entdecken, was uns verbindet“. Anders als in den vergangenen Jahren findet der Denkmaltag in Potsdam wie berichtet aber nicht als Potsdamer Dreiklang zusammen mit der Kunst-und-Genuss-Tour und den Jazztagen statt. Das vollständige Programm soll in Kürze veröffentlicht werden.

Fest steht allerdings schon, dass die Besucher um 11 und um 15 Uhr das Gebäude in der Benkertstraße 3 bei Führungen besichtigen können. Es ist die letzte Gelegenheit, die Räume im jetzigen Zustand vor der Sanierung zu sehen. Denn die soll noch in diesem Jahr beginnen, wie Architekt Markus Engel am Donnerstag bei einem Rundgang vor Journalisten sagte. Die letzten Teile des Bauantrags würden in Kürze eingereicht.

Nach der Genehmigung wird mit rund zwei Jahren Bauzeit gerechnet. „Minimum“, wie Engel sagt. Bei der Sanierung des denkmalgeschützten Objekts müsse man behutsam vorgehen. „Das äußert sich dann auch in Qualität.“ Wie bei den bisherigen Planungen wolle er eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammenarbeiten. „Die professionelle Begleitung ist eine Hilfe, keine Belastung.“

Künftig soll in dem Holländerhaus vor allem gewohnt werden. Sechs Wohneinheiten sind vorgesehen: zwei im Vorderhaus, eine im zweigeschossigen Seitenflügel und drei im hinteren Quergebäude. Im Erdgeschoss des Vorderhauses sollen zudem zwei Gewerbemieter unterkommen. Die Kosten stehen noch nicht fest, so Engel. Es müsse aber viel investiert werden. „Das wird nicht ganz billig sein.“ Der Eigentümer wolle nicht genannt werden. Es handele sich jedenfalls nicht mehr um den Investoren, der das Haus nach dem Auszug des Museums von der Stadt erworben habe. Klar ist aber, dass der Eigentümer das Gebäude komplett im Bestand behalten wolle: Die Wohnungen sollen vermietet werden.

Die sechs Jahre Leerstand sind in der Geschichte des Baus eine vergleichsweise kurze Episode. Das Gebäude wurde als Mittelhaus der Blockzeile in der Benkertstraße als vermutlich eines der letzten Gebäude in den Jahren 1740 bis 1742 errichtet – inklusive des linken Seitenflügels. Wem es zuerst gehörte sei unklar, hieß es am Donnerstag. Allerdings wurden die Hofgebäude die meiste Zeit über von einer Tischlerei genutzt, deren Besitzer vermutlich im Vorderhaus lebten.

Die Tischlerei, die dort bis in die 1980er-Jahre betrieben worden sei, hat auch die bauliche Entwicklung beeinflusst. Schon kurze Zeit nach der Erbauung sei ein eingeschossiges, unterkellertes Quergebäude im Garten ergänzt worden. Im Laufe der Zeit folgten ein weiterer Seitenflügel rechts sowie ein Waschhaus. Damit war die Bebauung rund um den mit Lesesteinen gepflasterten und einem Brunnen versehenen Hof komplett. Um weitere Werkstattflächen zu generieren, wurde das Quergebäude um das Jahr 1880 herum kurzerhand um zwei weitere Etagen aufgestockt.

Der ursprünglich barocke Charakter des Vorderhauses wurde über die Jahrhunderte überformt. Spuren kann man bis heute sehen. So ragen unter den heutigen Fensterbrettern noch die originalen Bretter hervor. Türrahmen wurden nachträglich verziert – und später grau überstrichen. Und auch der Kachelofen im Obergeschoss stammt vermutlich aus den 1920er-Jahren, so Engel. „Die Bewohner haben das Haus ihren Bedürfnissen angepasst.“ Außerdem habe es auch in früheren Jahrhunderten Moden gegeben.

Eindrucksvoll ist auch ein großer Raum im Obergeschoss mit Blick auf die Benkertstraße. Die aufwendig gestaltete Holzdecke sei aber ebenfalls im 19. Jahrhundert nachgerüstet worden, wie Denkmalpflegerin Sabine Ambrosius sagte. In einer Ecke des Raumes sind an einer Wand verschiedene Farb- und Tapetenschichten inklusive Zeitungsresten mit altdeutscher Schrift zu erkennen. Interessant sei der Vergleich zum Jan-Bouman-Haus: Dort gebe es deutlich weniger Veränderungen.

Auch die jüngere Vergangenheit kann man ablesen: So liegt in einigen Räumen noch der Kunststoffbelag über dem Parkett. Am schlechtesten ist es um das Quergebäude bestellt. Dort hatte es zur Wendezeit gebrannt. Seither ist das Dach nur notdürftig gedeckt. Das Gebäude kann nicht betreten werden.

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