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Verkehr

  • 24.03.2018
  • von Holger Catenhusen

ViP setzt Unkrautgift auf Gleisen ein: Potsdam: Rathaus stimmt über Glyphosat-Verbot ab

von Holger Catenhusen

Foto: M. Thomas

Umweltausschuss stimmt für Verbot von Glyphosat. Der Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP setzt das Gift aber weiterhin ein.

Potsdam - Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat soll in Potsdam auf keiner stadteigenen Fläche mehr verwendet werden dürfen. Das hat der Umweltausschuss in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen. Das Ausschussvotum ist jedoch nicht bindend. Endgültig entscheiden muss die Stadtverordnetenversammlung. Der entsprechende Antrag zum Verbot von Glyphosat auf städtischen Flächen wurde von der Grünenfraktion eingebracht, die nun einen Etappensieg errungen hat.

Allerdings wird der Unkrautvernichter nach Angaben der Stadtverwaltung auf den meisten kommunalen Flächen ohnehin schon lange nicht mehr eingesetzt. Teilweise wird das Unkraut stattdessen abgeflammt, die Stadtentsorgung nutze seit zwei Jahren auch ein Heißwasser-Schaumverfahren zur Unkrautvernichtung, teilten die Stadtwerke vor einiger Zeit mit.

Rathaus kann auf verpachteten landwirtschaftlichen Flächen kein Verbot von Glyphosat erzwingen

Sollten die Stadtverordneten dem Votum des Umweltausschusses folgen, wäre Glyphosat damit allerdings noch nicht zwangsläufig von den letzten kommunalen Grundstücken verbannt. Denn die Stadt verpachtet auch mehrere Hektar landwirtschaftliche Flächen. In diesen bestehenden Pachtverhältnissen kann das Rathaus aus juristischen Gründen kein Verbot erzwingen. Daher heißt es im nun beschlossenen Antrag der Grünen: „Bei laufenden Verträgen wird auf eine freiwillige Einigung hingewirkt.“ Die Stadt soll also verpflichtet werden, mit den Landwirten über ein Verbot von Glyphosat zu verhandeln.

In der Ausschusssitzung wies Thomas Schenke vom Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen darauf hin, dass es für Landwirte schwierig werden könnte, beim Einsatz von Sprühfahrzeugen mit Glyphosat zu erkennen, ob sie gerade auf städtischem Land oder einer privaten Fläche unterwegs sind. Für Grundstücke, die nicht der Kommune gehören, darf die Stadt kein Verbot von Glyphosat anordnen.

Wachsen lassen und später abmähen? 

Auch beim Potsdamer Verkehrsbetrieb (Vip) setzt man das Gift nach wie vor ein, wie Geschäftsführer Oliver Glaser in der Ausschusssitzung mitteilte. Demnach wird das Herbizid auf den Schotterbetten der Straßenbahnstrecken zweimal jährlich versprüht, um dort sprießende Pflanzen abzutöten. Der Idee von Ausschussmitglied Ralf Jäkel (Linke), die Gräser künftig einfach im Schotter wachsen zu lassen und dann abzumähen, erteilte Glaser eine klare Absage. Aus technischen Gründen sei dies abzulehnen. Denn die Wildkräuter würden ein dichtes Wurzelwerk bilden. Dadurch verliere der Unterbau der Gleise mit der Zeit seine abfedernde Wirkung. Und noch auf ein anderes Phänomen wies der Vip-Chef hin: Das Gleisbett würde seine Isolationswirkung verlieren, wenn es infolge des Bewuchses einen unmittelbaren Kontakt zwischen Schiene und Erdreich gebe. Elektrische Ströme in der Erde wären die Konsequenz - mit der Folge, dass Gleise und in der Nähe verlegte Rohre korrodieren würden.

Als Alternative zum Schotterbett bieten sich Rasengleise an. Was bei solchen speziellen Gleisanlagen zwischen den Schienen wächst, kann einfach abgemäht werden - ganz ohne Glyphosat. Durch spezielle Konstruktionen bleibt bei Rasengleisen die Federwirkung des Gleisbetts erhalten, auch die Korrosion durch Strom wird verhindert. Laut Glaser hat Potsdam 16 Kilometer Schottergleis für die Straßenbahn. Der Umbau dieser Strecken unter Verwendung von Rasengleisen würde allerdings sieben Millionen Euro kosten, so Glaser.

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