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Stadtentwicklung

  • 22.02.2018
  • von Peer Straube

Wohnquartier am Templiner See: Potsdam: Hunderte Wohnungen für neuen Stadtteil im Westen

von Peer Straube

Im Westen Potsdams soll am Bahnhof Pirschheide ein gutes Stück Wald für den Wohnungsneubau weichen. Foto: Lutz Hannemann

Auch eine Schule und eine Kita sollen in Potsdams neuem Stadtteil entstehen. Stadt will Kaufpreisstreit mit dem Land per Entwicklungsmaßnahme lösen.

Potsdam - Erstmals seit langer Zeit soll Potsdam nicht nur im Norden wachsen, sondern auch im Westen: Die Stadt will ein 22 Hektar großes Gebiet nördlich des Bahnhofs Pirschheide, inklusive der dortigen Parkplätze und des Waldstücks zwischen B1 und Tramtrasse, zum Entwicklungsgebiet erklären und plant dort einen neuen Stadtteil mit mehreren Hundert neuen Wohnungen. 20 Prozent davon sollen Sozialwohnungen werden. Auch eine weiterführende Schule, eine Kita und ein Park-and-ride-Parkhaus sollen entstehen. Letzteres ist für Berufspendler gedacht, die am dann ausgebauten Bahnhof Pirschheide vom Auto in die Regional- oder Straßenbahn umsteigen sollen. Die Investitionskosten liegen „locker in dreistelliger Millionenhöhe“, hieß es aus Kreisen der Rathausspitze gegenüber den PNN. Mit einem Beginn der Entwicklung sei nicht vor drei bis vier Jahren zu rechnen, hieß es weiter.

Bevor es so weit ist, gibt es tatsächlich einige hohe Hürden zu überwinden. Seit Monaten feilschen die Stadt, die Pro Potsdam, die das Gebiet entwickeln soll, und das Land über den Preis für die Grundstücke. Denn Letzterem gehört der größte Teil der Flächen. Weil die Verhandlungen aber ergebnislos verliefen, will die Stadt nun andere Saiten aufziehen und das Land mit einer sogenannten städtischen Entwicklungsmaßnahme in die Knie zwingen: Die Stadtverordneten sollen vorbereitende Untersuchungen mit dem möglichen Ziel beschließen, das Areal nach dem Vorbild des Bornstedter Feldes und des Kasernengeländes von Krampnitz zum Entwicklungsgebiet zu erklären. Ein solcher Beschluss hätte Folgen: Die jetzt geltenden Bodenpreise würden eingefroren, die Stadt könnte die Flächen also preiswert erwerben, erschließen und anschließend im Wert erheblich gesteigert vermarkten.

Immer häufigere Eingriffe in Potsdamer Wälder

Das Gerangel um die Grundstücke ist allerdings nicht die einzige Schwierigkeit. Von den Planungen betroffen ist auch ein großes Waldstück zwischen B1 und Straßenbahntrasse, das im Flächennutzungsplan der Stadt auch als solches gewidmet ist. Zudem gehört es zu einem Landschaftsschutzgebiet. Vor einer Bebauung müssten demnach der Flächennutzungsplan geändert, der Schutzstatus aufgehoben und auch Bebauungspläne aufgestellt werden. Man wolle den Wald nicht komplett roden, die Bebauung solle in den Baumbestand integriert werden, heißt es zwar aus der Verwaltung.

Wie wenig begeistert aber zumindest Teile der Stadtpolitik von den immer häufigeren Eingriffen in Potsdams Wälder sind, kann man aktuell am geplanten Waldcampus des Hasso-Plattner-Instituts am Griebnitzsee beobachten: Obwohl auch dort ein Teil des Waldes erhalten werden soll, fordern Grüne und Linke ein Werkstattverfahren, um beim Thema Wald ein gewichtiges Wörtchen mitreden zu können. Die Grünen bereiten bereits einen entsprechenden Antrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung vor. Ähnliche Diskussionen, so viel kann man ohne Weiteres voraussagen, wird es auch am Luftschiffhafen geben.

Strategisch wäre ein Stadtviertel an der wichtigen Ausfallstraße nach Werder sicher ein Gewinn. Berufspendler müssten sich nicht mehr mit dem Auto über die Zeppelinstraße quälen, sondern könnten es am Bahnhof Pirschheide abstellen.

Ausbau an Potsdams einstigem Hauptbahnhof

Denn auch die Bahn hat mit Potsdams einstigem Hauptbahnhof wie berichtet Pläne. 2021/22 soll die Verkehrsstation rundumerneuert und ausgebaut werden. Alle bestehenden Bahnsteige, auch die zwei oberen, stillgelegten, sollen abgerissen und durch moderne Bahnsteige nebst Blindenleitsystem, Beleuchtung und Wetterschutz ersetzt werden, erklärte ein Bahnsprecher auf PNN-Anfrage. Zudem sollen die oberen Bahnsteige über Aufzüge und damit barrierefrei erreichbar sein. Sie sind deshalb besonders wichtig, weil sie am Berliner Außenring liegen und künftig auch die bislang bahntechnisch ungehobenen Pendlerpotenziale aus Werder (Havel) und Geltow erschließen sollen, die dann von dort direkt nach Golm oder zum Flughafen Schönefeld fahren können. Wie viel die Bahn an der Station Pirschheide investiert, sei noch unklar, so der Sprecher. Man befinde sich noch in einer frühen Planungsphase. Auch die Tramtrasse müsste in ihrem Verlauf geändert und dem neuen Quartier angepasst werden. Wahrscheinlich ist der Neubau einer Haltestelle direkt vor dem Bahnhofsgebäude.

Auch das vor drei Jahren geschlossene Ausflugslokal Seekrug ist Bestandteil der Planungen. Der in den 30er-Jahren errichtete Fachwerkbau soll nach dem Willen der Stadt erhalten und auch wieder als Restaurant eröffnet werden.

Bereits 2016 hatten die Stadtverordneten beschlossen, das Areal zwischen Seekrug, Bahnhof Pirschheide und der B1 auf Entwicklungsmöglichkeiten hin zu untersuchen. Im gleichen Jahr klopfte die Stadt beim Land das erste Mal an und wies die rot-rote Regierung darauf hin, dass der fragliche Bereich aufgrund seiner ausgezeichneten Nah- und Regionalverkehrsanbindung für eine Entwicklung geeignet sei und daher als „Gestaltungsraum Siedlung“ definiert werden sollte, wie eine Stadtsprecherin auf Anfrage erklärte. Zumindest diesem Punkt hat das Land bereits zugestimmt.

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