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  • 07.02.2018
  • von Peter Könnicke

Mögliche Spielsperre für Babelsberg: Nulldrei-Präsident wirft Verband Irreführung vor

von Peter Könnicke

Foto: Jan Kuppert/dpa

Der NOFV will die Entscheidung zur Spielsperre für SV Babelsberg am Donnerstag verkünden, dabei ist sie längst gefallen.

Potsdam - Das Faxgerät war bereits warmgelaufen, während der Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), Holger Fuchs, am gestrigen Dienstag vertröstete: Erst am Donnerstag werde eine Entscheidung getroffen, wie der Verband mit dem SV Babelsberg 03 umgehen werde. So zumindest geben etwa die Deutsche Presseagentur dpa und das Fußball-Online-Portal Fuchs’ Antworten auf ihre Anfrage wieder.

Tatsächlich aber hatte das NOFV-Präsidium bereits am Montag beschlossen, beim Verbandsgericht den vorläufigen Ausschluss des SVB vom Spielbetrieb der Regionalliga Nordost zu beantragen. Am gestrigen Nachmittag erreichte die Information den SVB, verbunden mit der Aufforderung, bis zum 14. Februar Stellung zu nehmen oder die 7000 Euro Strafe zu zahlen, die der Verein bislang verweigert.

Neue Eskalationsstufe

Damit erreicht der Konflikt zwischen Verband und Verein eine neue Eskalationsstufe. Der NOFV schafft weitere harte Fakten, der SVB spricht von einer Irreführung der Medien und der Öffentlichkeit durch den NOFV. „Dass wir wiederholt die Erfahrung machen mussten, dass sich der Verband trotz nachweislich anderer Fakten, Beweise und Belege seine eigene Wahrheit zurechtlegt, haben wir in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten leider oft genug darlegen müssen“, heißt es in einer Reaktion des SVB.

Zu der geforderten Stellungnahme des NOFV-Gerichts erklärt SVB-Präsident Archibald Horlitz: „Wir werden die Aufforderung ausgiebig prüfen. Doch ich sehe bei der permanenten Irreführung des NOFV wenig Chancen auf eine Einigung. Vielmehr fühlen wir uns durch die jüngsten Erklärungen, die wiederholt unwahr sind, bestärkt, dass wir uns im Recht befinden und vor einem ordentlichen Gericht erfolgreich sein werden.“

SVB sah sich gewzwungen, zahlreichen Behauptungen zu widersprechen

Erst am Montag hatte sich der SVB veranlasst gesehen, zahlreichen Behauptungen in einer Erklärung des NOFV vom gleichen Tag zu widersprechen. So hatte der Verband wiederholt behauptet, bei der sportrechtlichen Bewertung des Derbys zwischen dem SVB und dem FC Energie Cottbus im April des vergangenen Jahres, die schließlich zu der umstrittenen 7000-Euro-Strafe führte, nichts von den rechtsextremen Vorfällen im Energie- Gästeblock gewusst zu haben. „Bis zur Urteilsfindung wurde das Sportgericht von keiner Seite – auch nicht in den Stellungnahmen des SV Babelsberg 03 – auf rechte Parolen, Hitlergrüße etc. hingewiesen, somit waren ihm diese nicht bekannt und kein Bestandteil der erstinstanzlichen Urteile.“ Das allerdings ist nicht nur für den SVB nicht nachvollziehbar.

Ob rechte Vorfälle NOFV wirklich verborgen geblieben sind, ist fraglich

Der hatte 2017 in seiner Stellungnahme im Rahmen der schriftlichen Anhörung an den NOFV von einer „unermesslich hohen Anzahl von verfassungsfeindlichen und volksverhetzenden Entgleisungen im Gästeblock“ geschrieben. Auch der FC Energie hatte in seiner geforderten Stellungnahme mehrfach Beweise angeführt, dass es rechtsextreme Fangruppen wie „Inferno Cottbus“ und „Unbequeme Jugend“ waren, die im Karl-Liebknecht-Stadion randalierten. In vielen Medien wurde bereits Stunden nach dem Derby von den rassistischen und antisemitischen Vorfällen berichtet. Auch in den Potsdamer Neuesten Nachrichten, die in ihren Beiträgen wiederholt die Frage gestellt hatten, wie der NOFV derartige Vorfälle übersehen konnte. Zudem beleuchtete ein PNN-Recherchebeitrag ausführlich, wie rechtsextreme Gruppierungen in Cottbus versuchen, andere Fangruppen unter Druck zu setzen. Dass alles passierte zeitnah nach dem Fußball-Derby. Und dass dies wichtigen Funktionären und Entscheidungsträgern des NOFV, der am Montag mit Nachdruck erklärte, „für die Grundwerte einer weltoffenen demokratischen Gesellschaft, für Vielfalt und Toleranz und gegen jegliche Formen von Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus“ einzutreten, verborgen geblieben sein soll, bleibt fraglich.

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