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  • 27.12.2017
  • von Henri Kramer

Kommentar über umstrittene Bücher in der Bibliothek: Verschwörungstheorien in Potsdam: Muss das sein?

von Henri Kramer

Foto: Peter Endig/dpa

Einerseits erklärt die Bibliotheksleitung, dass die umstrittenen Titel zum Teil auf deutschen Bestsellerlisten standen. Andererseits: Dürfen absurde Verschwörungstheorien als normale Meinungsäußerung durchgehen? Nein, meint PNN-Redakteur Henri Kramer in seinem Kommentar.

Natürlich sind es nur einige wenige Bücher mit rechtspopulistischem Inhalt, die in Potsdams Stadt- und Landesbibliothek angeboten werden. Allerdings könnte man auch kritisch anmerken: Es sind einige solcher Schriften zu viel. Es lässt sich nämlich trefflich argumentieren, dass in Zeiten, in denen im Internet jede noch so absurde Verschwörungstheorie und rechte Hetze jedweder Art als normale Meinungsäußerung durchgehen, solche Inhalte nicht noch in öffentlichen und von Steuergeldern bezahlten Bibliotheken angeboten werden müssen.

Mit Zensur hätte das nichts zu tun: Es geht ja nicht um das Verbot solcher Bücher, die man ohnehin überall erwerben kann, die zum Teil sogar Bestseller sind. Aber muss in einer Stadt, die sich bundesweit als Modellkommune im Kampf gegen den Rechtsextremismus versteht, die wichtigste Bibliothek tatsächlich Publikationen aus neurechten Verlagen anschaffen und diesen damit noch eine zusätzliche Bühne bieten, als wären solchen Bücher eine Normalität? Sie sind eine traurige Normalität – denen in einer wehrhaften Demokratie widersprochen werden muss, wo es nur geht. Hier kann eine kommunale Bibliothek mit demonstrativer Nicht-Beachtung auch ein Zeichen setzen – die Debatte, ob das nötig ist, sollte in der Stadtpolitik auf jeden Fall geführt werden.

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Bericht: Die Stadt- und Landesbibliothek in Potsdam hat rund 20 Titel im Bestand, die aufgrund neurechter Ideologien und Verschwörungstheorien in der Kritik stehen. 

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