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  • 24.09.2008
  • von Von Jana Haase

 POTSDAM EXKLUSIV 

von Von Jana Haase

Geburtstagsgäste für Dean Reed

Er hat Dean Reed das Fotografieren beigebracht: Der Potsdamer Fotograf Michael Utech gab dem US-amerikanischen Schauspieler und Musiker Nachhilfe im Umgang mit professionellen Kameras. Denn im nie realisierten Projekt „Bloody Heart“ über die Indianer-Proteste im US-amerikanischen Wounded Knee wollte Reed einen Fotografen spielen – und das möglichst realistisch. „Er kam zu mir nach Hause und wir machten einen Vertrag“, erinnert sich Utech, der Reed Ende 1985 kennenlernte. Viermal sei er zum Unterricht gekommen. Das Filmprojekt scheiterte jedoch – wegen dem Tschernobyl-GAU im April 1986, wie Utech vermutet. Denn gedreht werden sollte in der Ukraine und im Kaukasus: „Aber nachdem die Ausmaße des Atomunglückes bekannt wurden, haben die Amis abgesagt.“ Wenige Wochen später, im Juni 1986, ertrank Reed im Zeuthener See. Das Schicksal des „Roten Elvis“, der 1973 in die DDR übersiedelte und am Montag 70 Jahre alt geworden wäre, bewegt bis heute: Jedenfalls war das Filmmuseum zur Gedenkveranstaltung am Montag ausverkauft. Gezeigt wurde Reeds erster Defa-Film „Aus dem Leben eines Taugenichts“ aus dem Jahr 1973. Unter den Gästen waren die Drehbuchschreiber Claus und Wera Küchenmeister, Blutsbrüder-Regisseur Werner W. Wallroth, Kameramann Günter Jaeuthe, Geräuschemacher Hugo Gries und die Schauspielerin Christel Bodenstein, die Reed vom „Taugenichts“-Dreh kannte: Das Filmteam logierte damals in einem Dorfgasthotel in Rumänien, erinnert sie sich: „Abends bügelten die Wirtsleute Geldscheine.“ Bis in die Nacht habe man zusammen gesessen – oft habe Reed zur Gitarre gegriffen und Lieder gesungen: „Er hatte diese wahnsinnige Naivität, die ihn nie verlassen hat“, sagt Bodenstein. Die Leipziger Journalistin Ingeborg Stiehler vermachte dem Filmmuseum am Montag ihr „Dean-Reed-Archiv“: Einen Karton mit Filmfotos und Zeitungsausschnitten, den die 92-Jährige, die Reed beim Leipziger Dokfilmfestival 1971 kennenlernte, gesammelt hat. Auch Renate Blume, die letzte Ehefrau von Dean Reed kam am Montag nach Potsdam. Über die Pläne von Hollywood-Star Tom Hanks, das Leben Reeds zu verfilmen, wollte sie sich jedoch nicht äußern: „Wir wollen heute Abend nur an Dean denken, in Trauer und in Liebe.“

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