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  • 02.12.2017
  • von Henri Kramer

Neue Strecken, andere Linien

von Henri Kramer

Letzte Handgriffe. Die neue Straßenbahnstrecke zum Campus Jungfernsee wird ab dem 10. Dezember von der Linie 96 befahren. Zwischen dem Campus Fachhochschule und dem Hauptbahnhof fahren die Bahnen dann sogar im Fünf-Minuten-Takt. Foto: Sebastian Gabsch

Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember gibt es in Potsdam die größten Änderungen seit Jahren

Mehr Straßenbahnen, dafür etwas weniger Busse: Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember kündigt der kommunale Verkehrsbetrieb (ViP) umfangreiche Neuerungen für seine an Werktagen mehr als 105 000 Fahrgäste an. Wichtigste Botschaft: Auf alle Strecken – außer zur Glienicker Brücke – fahren die Bahnen tagsüber künftig mindestens im Zehn-Minuten-Takt, zwischen dem Campus der Fachhochschule im Bornstedter Feld und dem Bisamkiez am Schlaatz sogar alle fünf Minuten. Dazu geht die neue Tramstrecke zum Jungfernsee in Betrieb. Allgemein würden die Anschlüsse noch zuverlässiger, sagte ViP-Finanzchef Martin Grießner am Freitag vor Journalisten. Zudem reagiert man auf die schnell wachsenden Fahrgastzahlen, die für teils übervolle Busse und Bahnen sorgen. Die PNN geben einen Überblick:

IM NORDEN UND IM SÜDEN

Die verlängerte Linie 96 von der neu gebauten Endhaltestelle Campus Jungfernsee zur Marie-Juchacz-Straße im Kirchsteigfeld fährt nun tagsüber alle zehn statt alle 20 Minuten – was künftig aus Sicht des ViP auch Vorteile für die Bewohner der nördlichen Ortsteile wie Groß Glienicke bringen soll. Dort sieht man das allerdings anders, weil viel genutzte Busse wie die Linie 638 künftig nicht mehr in die Innenstadt durchfahren, sondern bereits am Campus Jungfernsee enden. Dort müssen die Fahrgäste in die Tram umsteigen.

Gegen diese Pläne sind allein in Groß Glienicke schon mehr als 600 Unterschriften gesammelt worden. ViP-Technikchef Oliver Glaser sagte dagegen, an der Endstelle würden die Fahrgäste von „knallvollen Bussen“ in leere Bahnen „mit Sitzplatzgarantie“ steigen können. Busse, die über die stauanfällige Nedlitzer Straße müssten, seien dann nicht mehr notwendig. Das würde auch Abgase und Verkehr in der Innenstadt vermeiden helfen, machte Glaser deutlich. Zudem müssten auch die Busse durch das Nauener Tor: „Aber dort wird es langsam eng.“ Nach dem Fahrplanwechsel werde alle zweieinhalb Minuten eine Tram durch das historische Tor fahren, durch das nur ein Fahrzeug passt.

Gleichwohl sei es schwierig, mit solchen Sachargumenten gegen Emotionen und Ängste zu argumentieren, sagte Glaser. Um die Umstellung auf das neue Umsteigesystem – das so ähnlich schon seit Jahren an der Endhaltestelle Kirschallee in Bornstedt praktiziert wird – zu erleichtern, werde man extra Personal zum Dirigieren der Fahrgäste einsetzen. Zudem bestehe eine „Anschlusssicherung“. Wenn etwas nicht funktioniere, wolle man nachsteuern. Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte die Änderungen bereits mehrfach verteidigt. Zudem würden ausgewählte Fahrten der Buslinien 609 und 638 im Schülerverkehr weiterhin bis zum Hauptbahnhof fahren.

Auf der Strecke sollen vermehrt auch die von 30 auf 42 Meter verlängerten Combino-Bahnen zum Einsatz kommen, bis zum Sommer sollen alle verlängerten Bahnen im Einsatz sein. Für Verstärkerfahrten und vor allem im Schülerverkehr würden aber auch die instandgesetzten Tatra-Bahnen eingesetzt, die allerdings für ältere Menschen und Behinderte kaum zugänglich sind. Das betrifft etwa die Strecke über die Waldstadt zum Bahnhof Rehbrücke. Dorthin fährt neben den Linien 91 und 93 nun auch die Linie 98 ab Schloss Charlottenhof. Damit solle bisherigen Kapazitätsengpässen, gerade auch in den Morgenstunden, begegnet werden.

IM OSTEN UND IM WESTEN

Für die Bahnen in Richtung Babelsberg entsteht ein 10-Minuten-Takt – unter anderem, weil die Linie 99 im Tagesverkehr neu zwischen Fontanestraße und Platz der Einheit pendelt. Im Berufsverkehr entsteht zwischen der Innenstadt und Potsdam-West sogar ein Fünf-Minuten-Takt. Mit den Linien 91 und 94 sollen Bahnen alle zehn Minuten bis Bahnhof Pirschheide fahren, um fünf Minuten versetzt verkehren die Buslinien 605 und 606. Auch für Alt-Golm kündigte der ViP eine bessere Anbindung über die Buslinie 606 an. Infos zum Fahrplanwechsel finden sich unter www.vip-potsdam.de, gedruckte Fahrpläne gibt es in den ViP-Zentren im Hauptbahnhof und in der Wilhelmgalerie am Platz der Einheit.

KÜNFTIGE PLANUNGEN

Nach dem planmäßig verlaufenen Neubau der Tramstrecke über die Nedlitzer Straße zum Jungfernsee rüstet sich der ViP für neue Aufgaben: Voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2018 sollen die Umbauarbeiten für das Leipziger Dreieck beginnen, wodurch der Verlauf der dortigen Tramlinien wesentlich günstiger und effizienter gestaltet werden soll. Allerdings bestünden angesichts des allgemeinen Baubooms noch Schwierigkeiten, zu den erhofften Terminen auch versierte Unternehmen zu finden. Dazu muss auch Material organisiert werden. Die Gleise für die Nedlitzer Straße etwa wurden eineinhalb Jahre im Voraus bestellt. Erfreut reagierte Technikchef Glaser auf eine Ankündigung von Landesverkehrsministerin Kathrin Schneider, die den Kommunen deutlich mehr Geld für neue Trams in Aussicht gestellt habe. Denn auch um neue Straßenbahnen müsse sich die wachsende Stadt Potsdam intensiv kümmern – zumal hier die Vorlaufzeit bei sieben Jahren liege, so Glaser.

ES WIRD GEFEIERT

Die feierliche Einweihung der Jungfernseestrecke findet am nächsten Samstag ab 10 Uhr statt. Die ersten 200 Anrufer am ViP-Telefon unter (0331) 661 42 75 können sich einen Platz in einer der drei Premierenfahrten sichern. Ab 11.45 Uhr werden auch geschmückte Sonderzüge kostenlos auf der Strecke pendeln.

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