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  • 07.11.2017
  • von Marco Zschieck

OB-Wahl in Potsdam: Linke-Kandidatin Trauth: Konsenssuche statt Konfrontation

von Marco Zschieck

Kandidatin. Martina Trauth (Mitte) will für die Linke das Rathaus erobern. Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg (vorn) und Parteichef Stefan Wollenberg (hinten) setzen auf die parteilose Gleichstellungsbeauftragte. Foto: Andreas Klaer

Mit Martina Trauth hat die Linke eine neue OB-Kandidatin. Was will die Kandidatin politisch erreichen?

Potsdams Linke sucht bei der Wahl zum Amt des Oberbürgermeisters im nächsten Jahr den Erfolg auf andere Art: Statt mit einem profilierten Kandidaten im Wahlkampf zu polarisieren, steuert man nun mit einer eher unbekannteren Kandidatin einen überparteilichen Kurs. Das wurde am Montag bei der Vorstellung von Martina Trauth, der parteilosen Kandidatin der Linken, vor Pressevertretern deutlich.

Bereits am Freitag war die 52-jährige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt den Ortsvereinsvorsitzenden in einer Vorstellungsrunde präsentiert worden. Vorangegangen sei eine innerparteiliche Diskussion, in deren Folge man sich bewusst entschieden habe, ein überparteiliches Angebot zu unterbreiten. Über Parteigrenzen hinweg habe man Chancen für ein gemeinsames Vorgehen mit weiteren Partnern ausgelotet – jedoch ohne Erfolg. Gespräche habe es mit der SPD und - auf informeller Ebene - mit Mitgliedern der Grünen gegeben, sagte der Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Scharfenberg. Die Grünen betonten, es habe keine Gespräche mit dem Kreisvorstand zur Kandidatenfrage gegeben.

Scharfenberg sieht grundsätzliche Übereinstimmung mit der Kandidatin

Die Linke sieht sich mit Trauth als Kandidatin dennoch gut aufgestellt. „Wir spielen hier auf Sieg“, sagte Parteichef Stefan Wollenberg. Scharfenberg sieht mit der Kandidatin eine grundsätzliche Übereinstimmung. „Frau Trauth kann das Amt ausfüllen“, sagte er. Er selbst werde sie nach Kräften unterstützen.

Scharfenberg selbst, der als Kandidat 2002 und 2010 jeweils gegen Jann Jakobs (SPD) unterlegen war, hatte sich eine Kandidatur lange offen gelassen. „Wenn der etwa gleich alte Amtsinhaber aus Altersgründen nicht mehr antritt, bleibt das allerdings auch nicht ohne Konsequenzen für mich“, so Scharfenberg. Dennoch dauerte es noch etwa ein halbes Jahr, bis die Linke eine personelle Alternative präsentierte. Die vergleichsweise unbekannte Trauth rechnet sich dennoch gute Chancen aus.

Programmatisch bleibt noch vieles offen

Programmatisch blieb am Montag allerdings noch vieles offen. Sollte Trauth wie erwartet am 13. Januar von der Mitgliederversammlung bestätigt werden, soll es mehrere Themen- und Stadtteilforen geben, in denen im Dialog mit Bürgern Ziele für Potsdams weitere Entwicklung definiert werden sollen. Offenbar will man für viele Potsdamer anschlussfähig sein. Immer wieder benutzten Trauth, Scharfenberg und Wollenberg Begriffe wie Teilhabe, Dialog und das Überwinden von Gräben. Zur Umgestaltung der Potsdamer Mitte wollte sich die Kandidatin auf Nachfrage nicht festlegen. Sie wolle den Wahlkampf nicht mit einer Polarisierung beginnen.

Eine Spitze in Richtung des in Berlin lebenden Kämmerers Burkhard Exner, der sich in der SPD um die Kandidatur bewirbt, ließ sich Scharfenberg indes nicht entgehen: „Wir haben eine Kandidatin, die ihren Wohnsitz nicht davon abhängig macht, ob sie gewählt wird.“ Und auch Ex-Parteichef Sascha Krämer meldete sich zugunsten von Trauth zu Wort. „Sie stellt eine wunderbare Alternative zu Sparfuchs-Exner oder Twitter-Prinz Schubert dar.“

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