22.10.2017, 13°C
  • 07.10.2017
  • von Sandra Calvez und Henri Kramer

Schäden nach dem Sturm: Das Aufräumen hat begonnen

von Sandra Calvez und Henri Kramer

Abgebrochen, ausgerissen, umgefallen. Sturm Xavier beschädigte zahlreiche Bäume in Potsdam, wie etwa am Belvedere auf dem Pfingstberg. Sie zerquetschten Zäune und Autos. Die letzten Plakate der Bundestagswahl wurden abgerissen. Fotos: A. Klaer (2), H. Kramer, privat

Nach dem großen Sturm Xavier wird es in Potsdam noch Wochen dauern bis alle Schäden beseitigt sind. Ein Überblick über Schäden, Einsätze und Sturmprobleme in Potsdam.

Hunderte entwurzelte Bäume, beschädigte Autos und Häuser, wenige Verletzte: Das Sturmtief „Xavier“ hat in Potsdam für erhebliche Schäden gesorgt. Die PNN geben einen Überblick über die Aufräumarbeiten am Freitag.

Wie stark war der Sturm?

In Potsdam wurden Windspitzen von 111 Stundenkilometern gemessen, das entspricht Windstärke 11. Damit war Xavier einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahrzehnte. „Er war von der Intensität ähnlich wie Xaver 2013, Emma 2008 und Kyrill 2007“, erklärte Linda Noël vom Deutschen Wetterdienst. „Doch die Auswirkungen in der Stadt waren außergewöhnlich stark, gravierender als bei den anderen Stürmen.“ Das liege daran, dass die Bäume noch belaubt seien und deshalb eine größere Angriffsfläche für den Wind böten. Durch den Regen war der Boden aufgeweicht und die Blättern nass, was das Gewicht der Baumkronen erhöhte. Auch sei die Mittelwindgeschwindigkeit besonders hoch gewesen, so Noël. Das bedeutet, die Bäume müssen über einen längeren Zeitraum starkem Wind standhalten, was zu mehr Entwurzelungen führt, als kurze Böen.

Welterbe-Parks tagelang geschlossen

Erhebliche Schäden verzeichnete die Schlösserstiftung für ihre Welterbeparks. „Das letzte Mal so schlimm war es bei Kyrill“, sagte ein Stiftungssprecher. Demnach bleiben die Schlossgärten in Potsdam – und auch Berlin – bis mindestens Montag geschlossen, der Park Babelsberg sogar bis Mitte der Woche. Allein im Park Sanssouci seien mehr als 70 Bäume umgestürzt. Besonders gefährlich seien dort weitere 140 Kronenausbrüche – abgebrochene Äste, die noch im Baum hängen und herunterfallen können. Ähnlich sei die Lage im Neuen Garten und im Park Babelsberg. Die Aufräumarbeiten würden noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Auch Bauwerke wurden beschädigt: So stürzte an Schloss Sanssouci eine Linde gegen die dortige Kolonnade. Gleichwohl sind zumindest die Potsdamer Schlösser am Wochenende geöffnet, etwa das Schloss Belvedere am Pfingstberg.

Weitere Schäden

Der größte Vermieter der Stadt, die kommunale Bauholding Pro Potsdam, hat seit Donnerstagabend eine „Vielzahl an Meldungen“ zu Dach- und Baumschäden erhalten, vorrangig in der Waldstadt II. Das sagte eine Sprecherin den PNN: „Alle Schäden werden derzeit bewertet, die Beseitigungen sind beauftragt.“ Auch der von der Pro Potsdam betriebene Volkspark im Bornstedter Feld ist betroffen: Dort seinen schätzungsweise 40 Bäume umgestürzt oder in Schieflage.

Massiv beschädigt wurde auch der ehrenamtlich errichtete Open-Air-Spielplatz „Habichtwiese“ in Bornstedt. Der Sturm zerstörte mehrere Holz-Spielhäuser. Für den Samstag plante die Initiative Stadtrandelfen eine erste Aufräumaktion mit Lagerfeuer ab 12 Uhr.

Im Otto-Hahn-Ring kam es zum Rohrbruch einer Trinkwasserleitung. Ausgelöst wurde dieser durch sich neigende Bäume, deren Wurzeln neben der Leitung wuchsen, sagte ein Sprecher der Stadtwerke. 300 Potsdamern musste in Folge dessen für mehrere Stunden das Wasser abgestellt werden.

Nur leichte Schäden verzeichnete das Oktoberfest am Lustgarten, wie Organisator Heiko Bengs sagte. Dort kann also am Samstag der letzte Tag problemlos gefeiert werden.

Gab es Verletzte?

Das kommunale Ernst-von-Bergmann-Klinikum hat nach eigenen Angaben in Folge des Sturms drei Leicht- und einen Schwerverletzten behandelt, darunter ein Radfahrer. Ins Sankt-Josefs-Klinikum Sanssouci wurden keine Sturmopfer eingeliefert. Laut einer Sprecherin lag das möglicherweise daran, dass ein umgestürzter Baum an der Ecke Zeppelin- und Lennéstraße eine der Zufahrten zum Krankenhaus blockierte.

Einsätze der Feuerwehr

Zu 317 wetterbedingten Einsätzen rückte die Potsdamer Feuerwehr aus, vor allem wegen umgestürzter Bäume und abgeknickter Äste. Neben der Berufsfeuerwehr waren auch fast 150 Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. An mehreren Stellen blockierten Bäume Straßen. Unter anderem wurde die Potsdamer Straße am Donnerstagabend vollständig gesperrt, es bildete sich ein langer Stau. Oberste Priorität, so meldete die Stadt am Freitag in einer Pressemitteilung, habe nun die Sicherung von Bäumen und das Freiräumen von Straßen, Geh- und Radwegen. Die Aufräumarbeiten würden rund zwei Wochen dauern.

Probleme im Nahverkehr

Nach Beginn des Sturms wurde der Tram- und Busverkehr im Stadtgebiet komplett eingestellt. Zahlreiche Fahrgäste warteten an den Haltestellen oder waren zu Fuß unterwegs. Im Lauf des Donnerstagabends lief der Nahverkehr langsam wieder an, am Freitagmorgen funktionierte er wieder weitgehend normal. Nur die Tramlinien 91 und 98 waren wegen beschädigter Leitungen noch unterbrochen. Laut einem Sprecher der Verkehrsbetriebe wurden zwei Oberleitungen und zwei Busse beschädigt. Der Fahrradverleiher Nextbike reagierte: Bis zum Samstag, 12 Uhr, sollten alle Ausleihen in Potsdam und Berlin kostenlos sein.

Veranstaltungen fielen aus

Der Sturm wirbelte auch einige Terminpläne durcheinander. Zum Beispiel fiel ein Fachforum zum Thema „Integration durch Wohnen“ aus, da die Referenten aufgrund der Sturmschäden nicht anreisen konnten. „Wir werden den Termin zu einem späteren Zeitpunkt nachholen“, erklärten die Organisatoren, das Autonome Frauenzentrum Potsdam.

Wohin mit umgestürzten Bäumen?

Laut einer Stadtsprecherin werden intakte Stämme von entwurzelten Bäumen unter anderem benutzt, um kommunale Flächen abzusperren, auf die keine Autos fahren dürfen. Das restliche Holz werde von beauftragten Firmen zu Pellets verarbeitet oder kompostiert.

Warum handelten Schulen unterschiedlich?

Für Unklarheiten sorgte, dass einige Schulen in Potsdam am Donnerstag die Kinder schon eher nach Hause schickten. Andere Schulen machten das dagegen nicht. Ob es bei außergewöhnlichen Witterungs- und Straßenverhältnisse zu Unterrichtsausfall kommt, regeln in Brandenburg sogenannte Verwaltungsvorschriften zur Schulorganisation. Darin heißt es, sei eine „besondere Gefährdung“ der Schüler auf dem Heimweg zu erwarten, so entscheide die Schulleitung über eine „vorzeitige Beendigung des Schulbetriebs“.

Gibt es Sturmgewinner?

Ein gutes Geschäft machten die Gastronomen in den Bahnhofspassagen – dort waren am Donnerstagabend viele Pendler hängen geblieben, weil kein Zug mehr fuhr. Einige hätten sogar im Bahnhof übernachtet, teilte eine Sprecherin mit.

Den Potsdamer Taxiunternehmen hätte der Sturm zusätzliche Einkünfte bescheren können – doch viele Wagen steckten im Stau fest. „Von 15 bis 21.30 Uhr klingelte das Telefon ununterbrochen“, berichtet Dietmar Scholz, der in der Telefonzentrale im Einsatz war. „Aber die meisten mussten wir vertrösten.“

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