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Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 22.05.2017
  • von Hella Dittfeld

Diskussion um Potsdamer Mitte: Fachhochschule bleibt Zankapfel

von Hella Dittfeld

Eine Diskussion zum Aufbau der alten Potsdamer Stadtmitte zeigte am Sonntag lediglich die alten Fronten.

Potsdam - Wer sich von der Podiumsdiskussion „Mut zur Verantwortung – unser Umgang mit dem preußischen Erbe“ am Sonntagnachmittag richtungsweisende Gedanken von Kunsthistorikern zum Aufbau der alten Stadtmitte zwischen Platz der Einheit und Altem Mark erhofft hatte, sah sich enttäuscht. Die beiden Kunsthistoriker Edda Campen und Christian Klusemann, Verfasser des Buches „Das andere Potsdam“, blieben sehr dem Einerseits, Anderseits verhaftet, sahen sowohl eine Berechtigung für den Erhalt des preußischen Erbes wie dem aus DDR-Zeiten. Ihr Fazit gipfelte in den Worten Sensibilität und der Möglichkeit neben Altes auch die Moderne zu setzen.

Den Vorwurf, die DDR habe wertvolle Bauten wie Stadtschloss und Garnisonkirche abgerissen und nun versuche das die neue bundesdeutsche Stadtregierung mit den Bauten der DDR ebenfalls, versuchte Klusemann insofern zu entkräften, dass doch sehr viele DDR-Bauten von den Hochhäusern bis etwa zu den Gebäuden in der Gutenbergstraße oder der „Seerose“ in der Neustädter Havelbucht erhalten würden und dass es sich bei den geplanten Abrissen vor allem um die alte Stadtmitte handele. Hier fand Klusemann allerdings, dass man der seit der Wende nachgewachsen Generation ein Mitspracherecht einräumen müsse. So weit, die Fachhochschule als Bauwerk zu verteidigen, ging er jedoch nicht. Das tat eher Campen, die Verständnis dafür zeigte, dass das Bauwerk mit all seinen Funktionen bis hin zu Sporträumen den Nutzern lieb geworden sei. Die Notwendigkeit, die Altstadt wiederzuerrichten, sah sie nicht, da sie zerstört wurde und damit kulturhistorisch nicht mehr relevant sei. Sie wollte auch nicht von einer „Heilung“ des Altstadtbereiches sprechen, denn darunter verstehe offenbar jeder etwas anderes.

Wieland Eschenburg von der Stiftung Garnisonkirche hatte bei der Diskussion im Pfingstberghaus in der Großen Weinmeisterstraße als Beispiel angeführt, dass man sicher kein Billy-Regal von Ikea in ein Biedermeierzimmer hineinstellen würde. Er selbst sei für Vielfalt, aber nicht für ein unschönes Durcheinander. Deshalb müsse man das Durcheinander in der alten Stadtmitte „heilen“. Eschenburg, der sich große Verdienste um die Restaurierung des Belvedere auf dem Pfingstberg erworben hat und der sich nun für den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche einsetzt, möchte, dass die historischen Straßenzüge am Alten Markt wiedererstehen. Die Fachhochschule sei in den historischen Bereich zu DDR-Zeiten bewusst als Fremdkörper „hineingepflanzt“ worden. Er habe durchaus nichts gegen bauliche Vielfalt und auch nichts gegen die Ausdrucksformen der DDR. Ihm gehe es vielmehr um den harmonischen Gesamteindruck in der Stadtmitte, sagte Eschenburg. Er verwies zudem darauf, wie die Besucher des Alten Marktes schon jetzt das wiedererstandene Ensemble mit dem Kunstmuseum im Palast Barberini, dem Potsdam Museum im Alten Rathaus und der restaurierten Nikolaikirche aufsuchten, fotografierten und den Anblick genössen.

Barbara Kuster vom Verein Mitteschön ergänzte in ihrem Diskussionsbeitrag: „Wo halten sich denn Menschen auf? Dort, wo es Kleinteiligkeit und Angebote zum Aufenthalt wie Geschäfte und Gaststätten gibt.“ Die Fachhochschule sei ein Monolith, dessen Erhalt viel Geld kosten würde, das nicht wieder hereinkäme.

Dem wurde dann allerdings heftig in der weiteren Diskussion widersprochen und Andre Tomczak, der eine erfolgreiche Unterschriftensammlung zum Erhalt der DDR-Bauten initiiert hatte, warf abermals die Frage auf, ob richtig mit öffentlichem Eigentum umgegangen werde. Er fand außerdem, dass unterschiedliche Zeiten sichtbar bleiben müssten.

Die Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke verwies darauf, dass man sich die Entscheidung zur Stadtmitte nicht leicht gemacht habe. Es habe dazu eine breite Debatte gegeben, nicht nur unter Abgeordneten, sondern auch in der Stadtgesellschaft. Der Abriss der Fachhochschule habe dabei breite Mehrheiten gefunden. Spontaner Beifall unterstützte diese Ansicht. Und Eschenburg sekundierte etwas entnervt: Es habe politische Verantwortung in Kontinuität gegeben. Über die Fachhochschule müsse man doch wohl nicht mehr diskutieren. „Diese Entscheidung ist durch“, sagte er. Laut den Planungen soll der Abriss im Herbst beginnen.

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