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Stadtentwicklung

  • 20.05.2017
  • von Henri Kramer

Grundstücke der FH Potsdam: Viele wollen die Mitte

von Henri Kramer

Die Potsdamer Mitte. Die Fachhochschule soll nacheinander durch zwei Wohn- und Geschäftskarrees ersetzt werden. Foto: L. Hannemann

Mehr als 80 Interessenten melden sich für die neun Grundstücke der Fachhochschule am Alten Markt. Bei den Auswahlkriterien geht es auch um die künftige Nutzung. Derweil will die Initiative "Potsdamer Mitte neu denken" die Fachhochschule selbst kaufen.

Potsdam - Die umstrittene Wiedergewinnung der historischen Mitte rund um den Alten Markt sorgt bei potenziellen Investoren und Bauherren für reges Interesse. Auf die Ausschreibung für einen ersten Teil der kommunalen Grundstücke, auf denen heute die marode Fachhochschule (FH) steht, haben sich bis Freitag insgesamt 82 Bewerber gemeldet. Unter diesen werden nun neun Baugrundstücke mit rund 6300 Quadratmetern Fläche vergeben. „Damit haben wir eine echte Auswahl“, sagte Anna Winkler, Sprecherin des kommunalen Sanierungsträgers für die Mitte. Die Tochter der kommunalen Bauholding Pro Potsdam hatte das nun abgeschlossene Interessenbekundungsverfahren Mitte März gestartet.

Das Ziel war klar: Es sollten Investoren gefunden werden, die bis 2020 gemeinsam ein erstes von zwei geplanten Wohn- und Geschäftskarrees auf dem Areal entlang der Friedrich-Ebert-Straße errichten – den sogenannten Block III. Die Auswahl dafür sei nun groß, auch weil viele der Bewerber gleich für mehrere Grundstücke geboten hätten. Insgesamt seien 220 Interessenbekundungen eingegangen. Um einzelne Flächen hätten sich bis zu 30 Bauherren beworben. Unter den Interessenten seien sowohl Genossenschaften als auch Bauträger und Kapitalanleger. Für die kleineren und deutlich günstigeren Grundstücke in der Schwertfegerstraße hätten auch Selbstnutzer ihr Interesse bekundet, darunter auch Familien.

Jury will bis Herbst eine Empfehlung aussprechen

Die Grundstücke werden nun von einer mit Fachleuten und Vertretern aus Politik und Verwaltung besetzten Jury vergeben. Diese soll bis Juli die Unterlagen sichten. Die besten Bewerber werden dann aufgefordert, ihr Konzept zwölf Wochen lang zu verfeinern. Im Herbst soll die Jury dann eine Empfehlung aussprechen.

Die Auswahl erfolgt dabei anders als bei der Neubebauung der Alten Fahrt. Dort wurden die Grundstücke noch zum Höchstpreis verkauft, vor allem große und solvente Bauträger kamen zum Zuge. Diesmal werden die Flächen dagegen zum Festpreis verkauft, es geht um Preise ab 135 000 Euro, je nach Lage und Größe sind aber auch mehrere 100 000 Euro bis zu 1,45 Millionen Euro zu zahlen. Mit dem neuen Verfahren gebe es dreimal mehr Interessenten als bei der Alten Fahrt, so Winkler.

Auch Gastronomie ist explizit erwünscht

Bei den Auswahlkriterien geht es zur Hälfte um die künftige Nutzung, zu weiteren 50 Prozent um die Architektur. So sollen Interessenten bevorzugt werden, die in ihren Häusern Sozialwohnungen anbieten oder auch öffentliche Einrichtungen für Bildung und Kultur. Auch Gastronomie ist explizit gewünscht. Ebenso wichtig ist dem Sanierungsträger die Gestaltung der bis zu viergeschossigen Bauten. Das ist speziell an jenen vier Eckgrundstücken der Fall, die nach historischem Vorbild bebaut werden sollen. Wichtig ist dabei vor allem das Erscheinungsbild an der Seite zum Alten Markt mit Nikolaikirche, Altem Rathaus, Museum Barberini und Landtagsschloss. Bei den anderen Gebäuden ist auch eine moderne Architektur möglich, sie müssen sich im Grundriss aber am historischen Stadtbild orientieren.

Um alle neun Grundstücke haben sich die drei Genossenschaften „Karl Marx“, PWG 1956 und die Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft (pbg) beworben. Das bestätigte „Karl Marx“-Vorstand Bodo Jablonowski am Freitag auf Nachfrage. Mit dem eingereichten Konzept habe man alle Verfahrensgrundsätze, etwa die Vorgaben zur Architektur und zur künftigen Nutzung, eingehalten, zeigte er sich zuversichtlich. „Wir haben ein geschlossenes Nutzungskonzept erarbeitet.“ Auch geförderte Sozialwohnungen seien enthalten – ebenso wie Räume für etwa Galerien oder Gastronomie.

"Potsdamer Mitte neu denken" will die FH selbst kaufen

Derweil will die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“, die bei einem letztlich gescheiterten Bürgerbegehren für den Erhalt von Staudenhof und Fachhochschule mehr als 14 000 Unterschriften sammeln konnte, noch das Unmögliche möglich machen und die FH selbst kaufen. Das entsprechende Kaufangebot werde man Mitte Juli bei der Stadt einreichen, bestätigte Initiativensprecher André Tomczak den PNN: „Wir stehen in Kontakt mit einer Reihe von Stiftungen, welche die Kofinanzierung des Projektes übernehmen würden.“ Das Modell sehe vor, dass eine Stiftung den Grund und Boden kaufe und dieser dann samt FH über Erbbaurechte einer Betreibergesellschaft oder -genossenschaft überlassen wird. Derzeit werde noch das Grundkonzept abgestimmt, ob etwa eine Modernisierung oder sogar ein Umbau notwendig sei.

Geplant sei noch eine Bedarfsabfrage für potenzielle Nutzer des Hauses. Kein Problem stellt aus Sicht von Tomczak das beendete Bewerbungsverfahren dar – das beginnende Auswahlverfahren solle schließlich bis nach der Sommerpause dauern. Die Pro Potsdam teilte mit, man halte sich an die bestehende Beschlusslage der Stadtverordneten zur Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte. Demnach ist für den Herbst der Abriss der FH vorgesehen.

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Zwei namhafte Autoren kritisieren den FH-Abriss in einem Beitrag "Make Potsdam great again" der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung scharf. Der stößt auf Kritik - und viel Beifall.

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